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Vampire Weekend © Beggars

"Vampire Weekend ist so unhip, wie man nur unhip sein kann." Dieser Satz entstammt einem Blog. Doch er meint dies nicht etwa negativ, sondern vielmehr positiv. Denn zum Sound der vier New Yorker, gemixt aus den Bereichen Indiepop, Punk, New Wave und Afrobeat, kann man durchaus großen Spaß haben – wie die Band Vampire Weekend auch im Berliner Kesselhaus der Kulturbrauerei in lässiger und unbekümmerter Weise bewies.

{image}Der zitierte Satz über die mangelnde Hippness von Vampire Weekend findet sich auf "The Bwog". Tatsache ist, dass die 4 jungen New Yorker etwas ungewöhnlicher sind, als ihre gleichaltrigen Zeitgenossen. So hören sie am liebsten afrikanische Musik, ihre Texte handeln von Themen wie Mansardendächern oder der zunächst langweilig erscheinenden Kommasetzung, und Ziele für die Zukunft will sich die Band erst gar nicht setzen. Noch dazu kann man sich fragen, wie Vampire Weekend überhaupt auf diesen merkwürdigen Namen kam. Die naheliegende Vermutung ist, dass die Bandmitglieder einfach nur große Fans von Vampir- und Gruselfilmen sind. Aber einzig sicher ist nur, dass Sänger und Gitarrist Ezra Koenig zum Zeitpunkt der Gründung gerade mit Freunden an einem Film namens "Vampire Weekend" drehte, und die Gruppe diesen Titel daraufhin als Bandname annahm. An mangelnder Kreativität kann es jedenfalls nicht gelegen haben, wie das gleichnamige Debütalbum Vampire Weekend unterstreicht. Die Platte strotzt nur so mit Ideenreichtum und kreativen Einfällen aus dem musikalischem Spektrum des Afrobeats, des New Wave, des Punk und des Indiepop, ist angereichert mit gelegentlichen Streicher-Einlagen und Bongotrommeln, die dem Sound etwas Exotisches geben. Den zusammenfassenden Begriff, den manche Menschen für solche Musik verwenden, lautet Weltmusik. Eine Spielart der Weltmusik, die auch am vergangenen Montag im Kesselhaus gut ankam.

{image}Der Bühnenhintergrund ist mit einen riesigen Plakat ausgeschmückt, welches das Albumcover darstellen soll. Denn der abgebildete, in rötlich-orangenen Farben umrahmte und dadurch leuchtende Kronleuchter passt perfekt zur Wirkung der Musik. Man spürt eine ausgesprochene Unbekümmertheit, Fröhlichkeit, Wärme und Erhabenheit, die sich im Laufe des Konzerts auf die agierenden Musiker und den hörenden Zuschauer überträgt. Im Vergleich zum Frühjahr, als die Band im Maria Club auftrat, wo sofort ausgelassen getanzt wurde, dauert es im Kesselhaus allerdings ein wenig länger, bis ernsthaft Stimmung aufkommt. So beobachten die Gäste das Geschehen anfangs größtenteils nur passiv. Vielleicht liegt das daran, dass Vampire Weekend zu Beginn nach fast jedem Song eine Pause macht, um entweder einen Schluck Wasser zu trinken, oder um die Gitarre zu stimmen. Doch dass dieses Verhalten der Intensivität eines Konzerts eher schadet, merken sie dann zum Glück recht schnell. Zumindest verkürzen sich die Pausen nach den ersten Songs merklich und werden dafür lieber mit Ansagen und Ankündigungen gefüttert. Zum Beispiel mit der Vorschau, dass Vampire Weekend derzeit an einem neuen Album arbeitet, das 2009 erscheinen soll. Oder die in kurze Plaudereien mit einem wie von Sänger Koenig bezeichneten "drunken american friend" münden, der immer mal wieder dazwischen schreit, und für den sich Koenig bei den Zuschauern schließlich mit den Worten entschuldigt, dass nicht jeder Amerikaner so sei wie dieser "Freund".

{image}Nach leichten Startschwierigkeiten begleitet und genießt das Publikum die Musik dann doch noch tänzerisch. Entscheidenden Einfluss auf diese schnelle Wandlung der Emotionen haben dabei besonders der vor Überschwang nur so brodelnde Song A-Punk, das sorglose M79, das lässige Oxford Comma und das mit Schlagzeug-Beats vorangetriebene Campus. Man hat den Eindruck, dass auf der Bühne nur noch ein echtes Streicher-Quartett fehlt, das die Violinpassagen eines M79 noch wahrhaftiger machen würde. Es erklingen eben nur Keyboard-Klänge und einige Synthies. Vielleicht wird eine solche Aktion aber schon im nächsten Jahr nachgeholt. Denn nachdem das in einem fulminanten Ende mündende Walcott nach gut 50 Minuten erklungen war, kündigen die vier New Yorker den Fans eine freudige Botschaft an: 2009 will Vampire Weekend mit neuem Album wieder nach Berlin kommen. Sicherlich auch dann wieder mit weiteren, neuen und wunderbaren Melodien. Der einzige neue Song, der auf diesem Konzert gespielt wurde, weckte große Erwartungen.

Solange hören wir noch viele Male das Debütalbum. Am besten an einem regnerischen, trüben, nasskalten Tag im Kerzenschein, denn das hebt die Stimmung enorm. Der Autor hat es ausprobiert und wünscht sich weitere Erfahrungsberichte. Zum Beispiel im unten stehenden Kommentarbereich. Wir warten jedenfalls gespant darauf.

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