I AM KLOOT (live in der Batschkapp Frankfurt, 2008)
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I AM KLOOT (live in der Batschkapp Frankfurt, 2008) Foto: Sylviane Elfner © regioactive.de

"We are I am Kloot from Manchester. And I'll say that only once. Don't know why I need to say it anyway". Die einführenden Worte von John Bramwell kann man natürlich doppeldeutig verstehen: Einerseits ist die Auskunft über die Herkunft unwichtig, da man es ja sowieso irgendwie herauszuhören glaubt. Andererseits kann es auch die Ablehnung eines möglichen Sonderbonus bedeuten, schließlich ist die Liste der berühmten Bands aus Manchester wahrlich endlos lang.

{image}Joy Division, Oasis, The Smiths… wo fängt man an, wo hört man damit auf, Bands aus Manchester durchzubuchstabieren? Es scheint tatsächlich egal zu sein in Bezug auf I am Kloot, denn diese Band schafft es mühelos, für sich alleine zu stehen, ist ein Trio, das ohne Bühnenposing und anderes Rockstar-Gehabe auskommt, sich live aber manchmal – so z.B. diesen Sommer beim Fest van Cleef –  durch zwei weitere Musiker auf der Bühne verstärkt. Vor sieben Jahren gehörte ihr Debütalbum Natural History mit zu den Top-Platten des Jahres 2001. Damals schon begeisterte die Band mit dem eigenartigen Namen durch großartige Songs wie To You oder Twist (mit der Textzeile: "There's blood on your legs. I love you"). Die Alben Nummer zwei (I Am Kloot) und drei (Gods And Monsters) folgten und standen dem Debüt in nichts nach. I am Kloot haben jetzt zwar ihr neues Album im Gepäck – mit Play Moolah Rouge erschien kürzlich das vierte Werk –, vergessen die älteren "Klassiker" live aber keineswegs. Nach ihrem gefeierten Konzert im Frühjahr in Berlin und den Auftritten beim Fest van Cleef, kamen I am Kloot endlich auch auf eine ausgedehntere Tour. Das Konzert in der Batschkapp am vergangenen Mittwoch fand ohne Support-Act statt, und auch die beiden Gastmusiker waren nicht dabei. John Bramwell (Gitarre und Gesang), Peter Jobson (Bass) und Andy Hargreaves (Drums) sorgten in Frankfurt aber auch so für einen wundervollen Gig.

"This next song is about Love and Desaster" war eine weitere der markanten und humorvollen Ansagen von Bramwell beim Konzert in der zu dreiviertel gefüllten Batschkapp. Und dieser Satz fiel nicht nur einmal, denn offenbar handelt irgendwie jeder Song der Band von genau diesem Thema. Die Musik passt perfekt dazu: Die Stimme trägt eine gewisse Melancholie in sich und klingt so, dass sie eigentlich nur durch regelmäßige Kneipenabende zu erklären ist, bei denen Bramwell versucht haben muss, über das ein oder andere "Love-Desaster" hinweg zu kommen. Dazu gesellen sich das druckvolle und abwechslungsreiche Spiel der perfekt eingespielten Band, träumerische Melodien und perfekte Arrangements, wie sie eben doch nur von einer britischen Band stammen können.

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Kettenrauchend sitzt Jobson mit seinem Bass an der einen Seite der Bühne, wippt vor und zurück und sorgt für ein spannungsvolles Spiel im Tieftonsegment. Hargreaves am Schlagzeug weiß perfekt, die für die verschiedenen Stimmungen der Songs jeweils richtigen Mittel zu wählen: Mal greift er zum Besen, dann zu den Rods, schließlich wieder zu den normalen Knüppeln. Die midtempo-Nummern regen zum heftigsten Mitwippen an und die Melodien gehen ganz gewiss erst nach meheren Wochen wieder aus den in Beschlag genommenen Gehörgängen, ganz besonders die großartigen Zeilen und Melodiebögen von Proof, To You, das als Zugabe erklang, und From Your Favourite Sky. Bei der heftigsten Nummer Life In a Day fährt der verzerrte Bass durch das Frankfurter Publikum; die Nummer rüttelt und schüttelt und gehört ebenfalls zu den Highlights an diesem Abend. Der angezerrte Sound von Bramwells akustischer Gitarre ist unübertrefflich, seine Pose mit dem auf einem Bierkasten abgestützten Bein wirkt einmalig. Zwei Lieder spielt er in der Mitte des Sets alleine, doch auch wenn er der klare Mittelpunkt der Gruppe aus Manchester ist, die Kraft der Songs entspringt dem Zusammenspiel. Umso schöner, dass es von I am Kloot an diesem Abend auch "the first song we played together" zu hören gab.

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Nach dem Konzert ist der Abend noch nicht ganz vorbei. John Bramwell erscheint am Merchandising-Stand, an dem CDs und Shirts zu fairen Preisen verkauft werden, und gibt den begeisterten Fans noch fleissig Autogramme. Er schimpft kurz über Tom. Ich kündige an, dass ich einen Bericht schreiben werde. Er grummelt in derbem Slang in sich hinein, scheint mit dem Abend selbst nicht wirklich glücklich zu sein. Ich sage: "I won't write about Tom. Just about the great Gig – which it was!". Er lächelt, "Thanks, Markus."

Im Dezember steht ein weiterer Termin dieser fantastischen Band in Berlin an. Bitte auf keinen Fall verpassen!

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