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Queen und Paul Rodgers (live in der SAP Anrena Mannheim, Oktober 2008) © Michael Kies

Eine für viele Queen-Fans problematische Zweck-Ehe: Brian May und Roger Taylor rockten zusammen mit Paul Rodgers unter dem alten Bandnamen, mit einem neuen gemeinsamen Studioalbum im Gepäck, die ausverkaufte SAP-Arena und hinterließen ein begeistertes Publikum, ohne jedoch die Probleme, die diese nicht immer harmonische Kombination mit sich bringt, verstecken zu können.

Als Freddie Mercury 1991 starb, hatten viele die Vision, dass George Michael, der bei dem Abschiedskonzert für Mercury so stimmig "Somebody to love" mit der Band spielte, der idealer Nachfolger für Freddie sei. Bekanntermaßen wurde daraus nichts.

Umso überraschender war es dann, als vor drei Jahren Brian May und Roger Taylor bei Thomas Gottschalk auf der Couch die Katze aus dem Sack ließen: Ausgerechnet Paul Rodgers, der sich als Bluesrockshouter mit Machoattitüde vor allem mit seinen Bands Free und Bad Company einen Namen gemacht hatte, sollte der neue Sänger bei einer Queen-Reunion werden. Bassist John Deacon stand für dieses Comeback nicht zur Verfügung und so rockten Rodgers, May und Taylor die Welt mit der geballten Ladung aus Queen-Hits und auch Krachern von Free und Bad Company. Kein Bananaboat-Deee-Oooo mehr, sondern die Inbrunst von "All right now" ließ jetzt die Massen die Fäuste in die Luft recken.

Der Kosmos rockt

Ein donnerndes Gewitter inmitten von Sternen und Galaxien eröffnet die Show. Für einen Moment kommt die nicht unattraktive Idee in den Sinn, die Band könnte mit dem alten Bad Company-Kracher "Burning sky", der seinerzeit auch von Gewitter eingeläutet wurde, eröffnen. Dann aber kommt die Erkenntnis: Richtig, das Motto des neuen Albums und der Tour lautet "The Cosmos rocks".

Anders als auf anderen Kontinenten, wo diese Tour schon Station einlegte, wird das Oevre von Rodgers (der ja z.B. in den USA mit Bad Company um ein vielfaches erfolgreicher war als seinerzeit Queen!) an diesem Abend auf drei Songs reduziert, darunter "Seagull", eine mitreißende Version von "Bad Company" und als Zugabe den oben bereits erwähnten Megahit von Free.

Rodgers wirkt deplatziert

Als Opener spielt die Band "Surf's up ... Schools out" vom neuen Album, das (zum Glück) kein – wie der Titel nahelegen könnte – ein Beach Boys-Alice Cooper-Medley ist, sondern eine unspektakuläre Rocknummer mit Rodgers an der Bluesharp. Bereits die zweite Nummer, "Tie your mother down", bringt die ausverkaufte SAP-Arena zum Kochen. Begeistert springen die Fans auf den Rängen von ihren Sitzen.

Der erste Song, bei dem Rodgers deplatziert wirkt, ist "I want to break free", das einfach mit dem Mercury aus dem Video, mit der Kombination aus Schnurrbart und riesigen Brüsten verbunden ist, und deshalb den Hardcore-Hetero Rodgers wie im falschen Film erscheinen lässt.

Für Freddie

Nachdem die ersten sieben Songs schnell hintereinander Schlag auf Schlag kamen, steht Rodgers auf einmal solo mit akustischer Gitarre auf der Bühne und spielt eine sehr schöne Version von "Seagull". Da will May selbstverständlich in nichts nachstehen und folgt, ebenfalls solo, mit einer Mitsing-(for Freddie)-Version von "Love of my life", die von der ausverkauften Arena begeistert unterstützt wird.

Taylor leistet ihm Gesellschaft und gemeinsam beginnen sie den wunderschönen heimlichen "A night at the opera"-Höhepunkt "39". Mittendrin unterbrechen sie ihre Performance, um den Rest der Begleitband (minus Rodgers) zu sich auf die Mini-Bühne am Ende des Laufstegs inmitten der Arena zu holen und den Song noch mal von vorn anzustimmen.

Queen kann ihnen keiner streitbar machen

Im Anschluss sehen wir ein originelles neues Feature: Taylor spielt (immernoch auf der Minibühne inmitten des Innenraums mit den Sticks auf dem Skiffle-Upright-Bass (auf dem der Bassist die Noten greift) diverse Bassgrooves, u.a. "Under Pressure". Das ganze entwickelt sich dann zu einem Schlagzeugsolo, bei dem sukzessive immer mehr Drums aufgebaut werden bis das Ganze dann in den zweiten heimlichen "Night at the opera"-Hit I"'m in love with my car" ausartet.

Überraschenderweise singt Taylor daraufhin recht passabel "A kind of magic" – May und der zweite Gitarrist (der witzigerweise auch ein Exemplar der Brian May-Gitarre spielt) bringen die zweistimmigen Gitarrenmelodien wie auf der Studioversion und man stellt fest: Dass diese Band unter dem Namen Queen auftritt, kann ihnen in diesem Moment keiner streitbar machen.

Gerade noch die Kurve gekriegt

Dass Queen, bzw. das von ihnen übrig gebliebene, auch Rodgers nicht unerheblichem Lebenswerk adäquat gerecht werden können, zeigen sie in einer packenden Version von "Bad Company". Diese Kolaboration hat jedoch auch ihre Grenzen, was in dem unmittelbar folgenden, schrecklich von billigem Pathos triefendem "We believe" deutlich wird.

Auch dies lässt sich noch im negativem Sinne steigern: Ein echo-beladenes May-Solo (komplett ohne Band), bei dem plötzlich 86er Videoaufnahmen von Mercury zu seinem Playbackgesang des Innuendo-Songs "Bijou" montiert werden, hat etwas peinlich berührendes.

Die Kurve bekommen sie mit einer wieder wunderbar funktionierenden Version von "Radio Gaga", bei der die Band gemeinsam mit Fritz Langs "Metropolis"-Szenen auf der Videoleinwand, sowie dem rituellen Klatschen des Publikums, ein Happening inszeniert, das gar nicht schiefgehen kann.

Besser Rodgers, May & Taylor

Ein weiterer Höhepunkt ist "The show must go on". Rodgers gelingt es durch feine Bluesphrasierungen in bester Free-Manier, diesem Swansong von Innuendo, der ein würdiger Abschluss des Queen-Opus gewesen wäre (ohne "Made in heaven" und "The cosmos rocks!"), eine ganz eigene, stimmige Note zu geben. Zu "Bohemian Rhapsody" singt dann wieder Freddie aus der Konserve (diesmal stimmig montiert) und dominiert die Leinwand, bevor Rodgers dann den rockigen Endpart des Songs übernehmen darf.

Das Finale mit "We will rock you"/"We are the champions" rockt die Halle erwartungsgemäß, zu "God save the Queen" verbeugt sich die Band.

Eine Band, die in manchen Momenten zurecht unter dem Namen Queen auftrat, aber als Gesamtact besser einfach Rodgers, May & Taylor gehießen hätte. Oder halt gleich "Bad Queen"!

Setlist:

Surfs up … Schools out – Tie your mother down – Fat bottom girls – Another one bites the dust – I want it all – I want to break free – C-Lebrity – Seagull (Paul Rodgers solo) – Love of my live (Brian May solo) – 39 – Roger Taylor solo – I’m in love with my car – A kind of magic – Say it´s not true – Bad Company – We believe – Brian May solo – Bijou (Mercury film) –Radio Gaga – Crazy little thing called love – The show must go on – Bohemian Rhapsody
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Cosmos rockin' – All right now – We will rock you – We are the champions

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