© The Bonny Situation

regioactive.de exklusiv: Wir haben euch schon ausführlich von den Studioarbeiten der Bonny Situation berichtet. Doch wie kam es eigentlich zu diesem Titel für das Album? Wie kam es zu diesem Cover-Entwurf, über den derzeit abgestimmt wird?

{image}A&R-Manager (von "Artists and Repertoire") haben eigentlich die Aufgabe, nach neuen musikalischen Trends zu suchen, um das Portfolio ihrer Plattenfirma attraktiv zu halten, ohne die kommerzielle Verwertbarkeit völlig außer Acht zu lassen. Sie treffen die Entscheidung darüber, Künstler unter Vertrag zu nehmen und sind für deren Betreuung zuständig. Durch den wirtschaftlichen Druck auf die Branche und damit einhergehend zuviel BWL anstatt Musik im Kopf, hat sich die Rolle der A&Rs jedoch gewandelt. Es ging etwas verloren: Die Risikobereitschaft. Ein Umstand, der in Mutlosigkeit, einem eisigen Umgang mit talentierten jungen Bands und Desinteresse an ihnen resultiert. Sven Robin von 42talent, der seit den New Challenge Days auf regioactive.de das Management und Booking für die Gewinnerband The Bonny Situation übernommen hat, teilt sich mit der Band an diesem Punkt eine Meinung. Er beschreibt den Umgang der A&Rs bei großen Plattenlabels mit neuen Künstlern momentan im positivsten Sinne als "distanziert". Im Interview verriet er uns seine Ansichten: "Früher hat man dazu gesagt: 'der hat nicht die Balls, um was anzuschieben'. Heute sagt man, man müsse 'strategisch entscheiden'." Gemeinsam mit den Fans bringt man die neue Scheibe der Bonnies deshalb selbst an den Start und beweist damit, wer wirklich Eier in der Hose hat. Längst ist klar, dass The Bonny Situation die komplette Entscheidungsgewalt an sich gerissen haben, mittlerweile gar keinen A&R mehr haben wollen, ihm geradezu sein Betätigungsfeld und seine Kompetenz absprechen. Es ist ihr Spielfeld geworden. Was also lag näher, als das neue Bonny-Album ironisch distanziert Music for A&Rs zu nennen? Dementsprechend ist auch der Song Titeltrack des am 5. Dezember erscheinenden Albums zu verstehen: "You ain't got no balls, who'd told you that you don't need the balls? So what are you doing on our court? This is not your business and not your sport."

{image}Die zitierten Zeilen entwickeln ihre Durchschlagkraft auch dank des gewählten Artworks, über dessen finale Farbgebung derzeit noch abgestimmt werden darf (alle Infos dazu hier). Das Fotoshooting bestritten die 6 im Tennisoutfit gekleideten Bonnies in einem Friseursalon – ein in gewisser Hinsicht symbolträchtiger Ort: Hier dominieren Äußerlichkeiten, werden Stile kopiert und nachgeahmt. Hier wird von der Klientel meist bereits Gesehenes gefordert, die originelle Idee im Kopf des Friseurs bleibt in der Realität häufig unfrisiert. Genau hierauf möchte sich die Bonny Situation eben nicht festnageln lassen, das CD-Cover soll im Gegensatz zur fast allgegenwärtigen Botschaft des Albums stehen. Sie unterstreichen dies symbolisch mit der weißen Weste, dem weißen Sport, den wohl nur jemand spielen kann, dem es ehrlich mit seinen Absichten steht.

{image}Nicht zuletzt wurde der Friseurssalon aber auch wegen seines Flairs gewählt, was sich vorzüglich mit dem Tennislook der Protagonisten paarte. Aus dem fertigen Fotowerk blickt eine dekadente Tennisgesellschaft augenzwinkernd heraus auf den Betrachter. Benjamin Peters' (Gesang) Zähne blitzen einem entertainergleich entgegen. Patrick Schroers' (Synthesizer) Mafiakoteletten werden von schickem Brillenwerk der auslaufenden 70er geschmückt. Alex Schroer (Gitarre) schwingt gekonnt die Tenniskeule. Hendry Moto (Bass) scheint hinter seinen Sonnenbrillengläsern der Welt mit Hilfe seines Lollies völlig entrückt zu sein. Andreas Klees (Gitarre) telefoniert mit verständnislosem Blick mit der Kopfdusche und Beray Habip (Schlagzeug) ist gar eine Frau!

{image}The Bonny Situation haben sich ein Themenfeld zum Austoben gesucht – und entsprechend amüsiert ging es beim Fotoshooting zu. Da zuvor niemand den anderen in seiner speziellen, extra angeschafften Edel-Sport-Kluft gesehen hatte, gab es rein outfitechnisch an diesem Abend in der "Capelli Connection" also sechs zündende Premieren. Gekrümmte Lachmuskeln, ebenso krummgeklopfte Schenkel und strapazierte Zwerchfelle auf der einen, grenzenloser Respekt an das überfitte Stilbewusstsein des Bandkollegen auf der anderen Seite. Man sah furchtbar schön aus. Mancher hatte seinen Bandkumpanen noch nie so schön gesehen, ein anderer hatte sich selten so würgend über den plötzlichen, femininen Bandzuwachs wundern müssen. Den eigenen Schlagzeuger im Tennisröckchen, mit rasierten Extremitäten und Lippenstift zu sehen, war für etliches Stutzigwerden und einige Gender-Verwirrungen zuständig. Da half auch der erotisch ausgestopfte BH nicht mehr.

{image}Durch Veränderung der Hintergründe im Salon und verschiedene Posen der 6 Bonnies in demselben wurden beim Shooting unterschiedliche Sujets ausprobiert. Die Kamera lief genauso heiß wie das aufgefahrene künstliche Licht, das für die spezielle Nachbearbeitung vonnöten war. Eines der geschossenen Motive wird wohl bald über dem Kaminsims Platz finden, allerdings vor allem den Weg in die CD-Hülle finden. Bei dem Motiv selbst war sich die Band schnell einig, welches sich am besten eignet. Allerdings brauchen The Bonny Situation bei der Farbwahl nun endgültig Hilfe von Außen, denn intern wurden bereits zu viele Stinktiere unter Betten gelegt und Türklinken mit Zahnpasta eingerieben, weil sich eine Einigung auf demokratischem Wege nicht herausschälen ließ.

 

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