Scorpions 2008 bei Rock For Nature
Fotograf: Alex Rath

Scorpions 2008 bei Rock For Nature Fotograf: Alex Rath © regioactive.de

Musiklegende Joe Cocker hat sich bei Deutschlands erstem Öko-Open-Air-Festival in Wolpertshausen (Baden-Württemberg) als großer Naturfreund zu erkennen gegeben. Das Anliegen der Bauern für Frieden mit der Natur war ihm so wichtig, dass er seine Tournee in den USA unterbrach, um gegen Gentechnik zu rocken. Seinem guten Beispiel folgten weitere Top-Acts wie Nena, Scorpions, Wir Sind Helden und Ich + Ich.

{image}"In Woodstock hatten wir gute Musik für Liebe und Frieden. Diesen Sommer sind wir in Hohenlohe mit Liebe und Frieden für die Natur", sagte Joe Cocker. Das Gastspiel des Weltstars auf dem Rock For Nature-Festival dürfte sein einziges Konzert in diesem Jahr in Europa bleiben. In Wolpertshausen ging es um gentechnikfreie und ökologische Landwirtschaft. Auf einem 300 000 Quadratmeter großen Öko-Weizenfeld präsentierten sich auf einer Haupt- und zwei Nebenbühnen an drei Tagen bis zum Sonntag fast 40 ausländische und deutsche Top-Gruppen und Solo-Interpreten. Veranstaltet wurde «Rock for Nature» von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Auch wenn bei dem Konzert die Musik im Vordergrund stand, kam der Grundgedanke für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Bewahrung der Schöpfung nicht zu kurz.

{image}In einem Themenzelt und in Vorträgen abseits des Rock For Nature präsentierten sich unter anderem der Welt-Bioverband IFOAM, die Nachhaltigkeitsstiftung NaturLife-International, Greenpeace, der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und Slow Food Deutschland. Der Weizen ist gerade abgeerntet, aus dem riesigen Feld recken sich Stoppeln gen Himmel. Das 40 Jahre zurückliegende Woodstock-Festival wurde dazu aus der Mottenkiste gekramt, um dort neu anzusetzen, wo die Öko-Bewegung der 70er-Jahre anfing. Hier sollten die Menschen erreicht werden, die sich sonst nicht mit Gentechnik in der Landwirtschaft auseinandersetzen. In diesem Sinne erwies sich Rock for Nature als Adaption von Bob-Geldofs Live-Aid-Konzerten.

Die Rock for Nature-Bühne liegt ideal inmitten einer Talsenke. Links und rechts steigen sanfte Hügel an, ermöglichen auch noch vom entferntesten Standort aus einen guten Blick auf die Bühne. Dank idealer und mit Ökostrom betriebener Tontechnik strahlt Joe Cockers Come together weit ins hohenlohische Land hinaus, sehr zur Freude der Zaungäste hinter den Absperrungen. Kleine und größere Musikevents sind an allen drei Veranstaltungstagen auf den Bühnen zu hören. Bands mit viel Lokalkolorit spielen, aber auch Größen aus der Republik. Schwabenrock wie der der Stuttgarter Band Wendsonn, Sängerin Joy Fleming, Wir sind Helden, Ich + Ich.

{image}Wolpertshausen und Woodstock - der Vergleich wird zwar kolportiert, das hohenlohische Dörfchen ist aber allenfalls ein Woodstöckle. Die Qualität des Originals erreicht es bei Weitem nicht. Hier geben nicht Blood, Sweat & Tears und Jimi Hendrix den Ton an, auch wenn Joe Cocker auf dem Stoppelacker mit With a Little Help from My Friends durchaus Reminiszenzen zelebriert. Dennoch: Rock for Nature ist ein grandioser Einstieg in die Festival-Szene. Dafür sorgen die nächtlichen Highlights Nena und Roger Hodgon. Woodstock, wenn schon Vergleich, hieß Hitze und offene Himmelsschleusen, Wolpertshausen hat erträgliche Temperaturen gemischt mit schwäbischem Landregen zu bieten. Matsch macht sich auf dem Acker breit, krallt sich klumpenweise an die Schuhe. Die gute Stimmung kann dies aber nicht mindern. Ganze Familien zieht es aufs Kornfeld und zu den Strohballen, die die Bauern als ideale Sitzpolster haben liegen lassen. Strohburgen, Bänke, Liegesessel - alles Machbare entsteht daraus, Plastikplanen schützen vor Nässe.

{image}Im Gegensatz zu Festivals vergleichbarer Größenordnung ist Abfallchaos Mangelware. Diszipliniert werfen die Besucher des Ökofestes ihre Pappbecher und Holzlöffelchen in die Ökotonne. Wer nur der Musik wegen auf den "Airfield" genannten Platz kommt, bemerkt spätestens beim Magenknurren, hier gibt es weder Cola noch Hamburger. Dafür stehen Bionade, Ökobier und Kaffee aus fairem Handel sowie Produkte der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall für den großen und kleinen Hunger bereit, vom Baguette mit Ziegenkäse bis zum Ochsen am Spieß. Der Erfolg des Festivals gibt den Ökobauern jedenfalls Recht. Mit ihrem Rock for Nature haben sie ein unüberhörbares Zeichen gesetzt, das selbst die in den Sommerferien weilende Politik bemerkt haben dürfte.

Wie es weitergeht? Die Erzeugergemeinschaft zuckt derzeit noch mit den Schultern. "Das Festival war für uns Mittel zum Zweck. Wir sind in erster Linie Landwirte, keine Konzertveranstalter". Ob aus dem Line-up mehr wird, lässt sie offen. Aber wir erhoffen uns für 2009 eine Wiederholung und freuen uns wieder auf das beste VIP-Zelt des Festivalsommers (mit kostenloser & echt genialer Verpflegung), kostenlosen Helikopterrundflügen, tollen Pressekonferenzen und Backstageparken. Besser organisiert hab ich noch kein Festival erlebt!

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