Shearer

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Shearer haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Musikmarkt nachhaltig zu verändern. Freie Musik gibt es nun schon einige Zeit – freie Rockmusik in dieser Qualität bisher noch nicht. Und das nehmen sie wörtlich! So bieten sie ihre Platten regelmäßig zum preislich selbstbestimmten Download an. Jeder Interessierte kann also entscheiden, wieviel ihm der Independent-Rock wert ist. Und das Konzept scheint aufzugehen. Für die Berliner Jungs läuft es jedenfalls gut, sagt uns Andi, der Bassist der Band.

{image}Spätestens mit ihrem neuen Album Eve und der dazugehörigen EP Adam haben Shearer freie Rockmusik aus ihrem Nischendasein befreit und den gewohnten Radio-Qualitätsstandard erreicht – musikalisch wie klanglich. Jeder Fan guter Rockmusik, die sich mit den Foo Fighters oder den Beatsteaks messen kann, kommt hier auf seine Kosten. Und das Schöne daran: die Kosten bestimmt er selbst. Das nennen Shearer "Independent Rock 2.0", was das Ganze wohl recht gut trifft. Wer die Aktion unterstützen will und Bock auf gute Musik hat, sollte einfach diesem Link folgen und dann das folgende Interview mit Andi Shearer lesen. Oder zuerst lesen. In jedem Fall aber beides.

Seit wann gibt es Shearer und wie seid ihr eigentlich auf euren Bandnamen gekommen?

Andi: Shearer, so wie ihr sie heute hört, gibt's seit Anfang 2005. Von den Leuten, die sich Ende 2000 den Bandnamen ausgedacht haben, ist aber mittlerweile keiner mehr dabei. Shearer ist natürlich auch ganz klar eine Hommage an Alan Shearer. Da macht's immer besonders Spaß, wenn wir mal mit Bands von der anderen Seite des Ärmelkanals zusammen spielen. Da hat man gleich Verbündete oder Feinde, je nach dem, welchen Fußballclub die Band favorisiert.

Warum hat das Album den Titel Eve bekommen, während die EP Adam heißt? Strebt ihr etwa ein Matriarchat an oder ist das nur die bloße Emanzipation?

Weder noch. Sieh es eher als Ying und Yang. Du kannst doch nicht mit Eva ankommen, ohne einen Adam zu haben! So funktioniert das Leben nicht. Zumindest nicht lange.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen eure Platten auf diesem bislang noch eher unüblichen Weg an die Käufer zu bekommen?

{image}In allen möglichen Plattenkritiken steht immer, dass wir "Radiohead nachmachen". Nun ja. Tatsächlich haben wir schon 2006 unser erstes Studioalbum Makin-A-Munson kostenlos auf unserer Homepage zum Download bereitsgestellt. Das treibende Element dahinter war wohl unser Bassist, der alte Informatiker und Piratenpartei-Anhänger. Wir als kleine Band, die kaum jemand kennt, haben nicht das Problem, dass die Leute unsere Songs raubkopieren. Wir haben das Problem, dass wir eine kleine Band sind, die kaum jemand kennt. Und was die Leute nicht kennen, das kaufen sie auch nicht. Also verschenken wir einfach unsere Musik, damit möglichst viele Leute auf uns aufmerksam werden, dann vielleicht mal zum Konzert kommen, und dann vielleicht sogar noch eine CD oder ein T-Shirt kaufen. Die kostenlosen Downloads sind wirklich die beste Werbung, die man haben kann.

Lohnt sich das Konzept? Könnt ihr euch als Band so über Wasser halten? Und fühlt ihr euch damit angemessen entlohnt?

Unser Plan ist aufgegangen. Das sind mit Sicherheit keine Unmengen, die wir damit verdienen. Aber Kleinvieh macht auch Mist und insofern passt das schon alles. Dass sich die Platte aber allein durch Spenden refinanziert – davon sind wir noch meilenweit entfernt. Es ist halt schon ein Unterschied, ob man Radiohead ist, also eine Band mit riesiger Fanbase, oder eine unbekannte Berliner Band, bei der die Leute erstmal hören wollen. Insgesamt müssen wir sagen: Angemessen bezahlt fühlen wir uns nicht. Aber wir leben auch nicht mehr vor 20, 30 Jahren. Heute sind die Rahmenbedingungen schon etwas anders. Musik ist viel einfacher zu bekommen und schnelllebiger. Und mit unserer Taktik fahren wir definitiv besser, als wenn wir es wie die meisten anderen Bands machen würden. Also einfach nur vier Songs auf MySpace stellen und hoffen, dass die Leute einen finden. Und außerdem kann uns die GEMA nicht dauernd ans Bein pissen, denn mit dem Verein müssen wir uns zum Glück auch nicht rumärgern. Unsere Musik kann für nichtkommerzielle Zwecke frei genutzt und ge-remixt werden. Und wenn jemand unsere Songs kommerziell nutzen will, dann muss er dafür keine horrenden GEMA-Gebühren bezahlen, sondern kann sich ganz unkompliziert mit uns auf eine kleine Entschädigung einigen.

Wie war bisher die Resonanz der Fans und Käufer auf euer neues Album?

Die Fans sind bisher alle angetan. Die Leute, die das Durchgekloppe in einem Tempo und mit einem Beat auf der Makin-A-Munson besser fanden, sind definitiv in der Minderheit. Aber so ist das halt, wenn sich eine Band weiterentwickelt. Wo am Sound und an den Arrangements und am Songwriting gefeilt wird, da fallen nunmal auch Späne.

Ihr tourt seit Anfang September durch Deutschland. Was können die Fans bei den Gigs erwarten?

{image}Eins können die Fans mit Sicherheit erwarten: Uns! Und wenn wir vorbeikommen, dann bedeutet das v.a. ganz viel Bühnenpräsenz und hervorragende Livequalitäten. Wir haben nicht das Problem, dass wir gute Alben produzieren und dann nicht wissen, wie wir das live umsetzen sollen. Bei uns ist es genau andersrum. Wenn euch also das Album auch nur ansatzweise gefällt, dann werden wir euch live wegblasen.

Was plant ihr als nächstes an Aktionen, Veröffentlichungen oder Touren?

Also veröffentlicht wird demnächst erstmal nichts eigenes. Erstmal muss ja das aktuelle Album abbezahlt werden. Wenn alles gut geht, werden wir aber noch einen Song zu einem Zaunpfahl-Sampler beisteuern. Und außerdem müsste auch bald der Slime-Sampler erscheinen, zu dem wir schon im Winter einen Song aufgenommen haben. Also zweimal Shearer auf deutsch – das ist wirklich ein bisschen was besonderes. Ansonsten wollen wir noch die Einzelspuren einiger unserer aktuellen Songs veröffentlichen, damit die jeder remixen kann. Wir sind mal gespannt, wie die Resonanz darauf sein wird. Wenn das jemand liest, der diesbezüglich besondere Wünsche hat (welcher Song, welches Format, wie viele Spuren, mit oder ohne Effekten und EQ, etc.), dann möge er sich bei uns melden, denn spätestens im Herbst wird es so weit sein.

Zum Abschluss noch ein kleiner Apell an alle da draußen: Wenn euch diese Art der Vermarktung gefällt, dann unterstützt jene Bands, die das tun! Und wenn euch die derzeitige Urheberrechtsgesetzgebung misfällt (die steuert nämlich teilweise in genau die entgegengesetzte Richtung), dann unterstützt die Parteien (z.B. die Grünen oder die Piratenpartei), die sich für eure Ziele einsetzen. Und vor allem: Lasst euch nicht von der Medienindustrie und deren Lobbyisten verarschen! Kultur zu mehren und zu teilen darf kein Verbrechen sein.

Andi, danke dir für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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