Ben Weaver

Ben Weaver

Raus aus dem gewohnten Umfeld. Rein in die fremde Großstadt. Und dann den kreativen Prozess einfach laufen lassen. Zwischendurch mal einen Kaffee, und so sind – schneller als man schauen kann – zwölf wunderbare Songs entstanden. Ach, wenn es doch immer so einfach wäre. Ben Weaver hat den Selbstversuch gestartet... und er ist ihm geglückt. Sein neues Album "The Ax In The Oak" ist ein richtig schönes Stück Musik geworden, zum Wegträumen in fremde Großstädte.

{image}Bei seinem sechsten Studioalbum hat der 29-jährige wirklich alles richtig gemacht. Es ist sein bisher reifstes Werk und glänzt durch wunderbare Texte und außergewöhnliche Sounds. Noch mehr als bei seinem letzten Album Paper Sky arbeitet Ben Weaver neben den typischen Instrumenten Gitarre, Schlagzeug und Keyboards auch mit Cello, Banjo und verschiedenen elektronischen Klängen, die zum Teil einen starken industriellen Charakter haben. Vielleicht sind dies ja die Klänge Berlins, die da in ihm erklungen, denn das Album schrieb er komplett in der deutschen Hauptstadt. Und dann immer wieder diese wunderbaren Texte: Ben Weaver ist Dichter. Ein lebenskluger Poet im Körper eines jungen Mannes. Doch auch ein Kind beherbergt dieser Körper, was man vor allem in den Bildern sehen kann, die er mit seinen Texten vor jedem inneren Auge erschafft. Sie geben den Songs teilweise eine verspielte Note. Das soeben erschiene Album lohnt sich also gleich auf mehrfache Art und Weise. Man bekommt eine CD mit wunderschönen Songs und in Form des Bookets auch einen kleinen Poesieband. Aufgrund des wirklich durchaus gelungen Werks haben wir uns mit Ben Weaver über das Album, Berlin und noch einiges mehr unterhalten.

RA: Du hast die Songs zu deinem neuen Album The Ax In The Oak in Berlin geschrieben. Wieviel Berlin steckt wirklich in deiner Musik?

Ben Weaver: Ich denke, es gibt kleine Häppchen und Stückchen von Berlin in diesen Songs, wie zum Beispiel den Mauerpark oder einige Schauplätze in Kreuzberg, aber die meisten dieser Plätze würde keiner außer mir kennen, da es einfach Dinge waren, die ich in einem Riss im Gehweg oder in der Art sah, wie mich jemand ansah, als ich an ihm auf der Straße vorbeiging. Hauptsächlich befindet sich von Berlin dieser enorme Raum und diese Stille dieser Stadt, so wie ich sie letztendlich erfahren habe, in meinen Songs.

Warum Berlin und nicht eine andere Metropole in einem anderen Land?

Ich hatte eine freie Unterkunft, die Stadt ist wunderschön und ich war bereits auf eine Art verliebt in sie.

{image}Texte scheinen dir sehr wichtig zu sein. Nicht umsonst hast du "Hand me downs can be haunted", ein Buch mit eigenen Gedichten, herausgebracht. Das erste Gedicht "How I got my heart" unterstreicht dies noch. Wie wichtig sind gute Texte für einen guten Song?

Ich habe immer bei einem Song zuerst auf die Texte geachtet. Für mich steht und fällt ein Song mit seinen Texten. Ich kann mir keine Musik anhören, deren Texte einfallslos und undurchdacht sind.

Nach deinem Aufenthalt in Berlin ging es weiter nach Chicago zu Brian Deck, mit dem du schon bei deinem letzten Album Paper Sky zusammengearbeitet hast. Im Pressetext sagst du: "Die Songs bestanden zu dieser Zeit zum größten Teil aus Melodien und Worten. Welche Instrumente eingespielt werden und wie die Arrangements klingen sollten, war mir da noch nicht klar. Es war sehr inspirierend, auf diese Art zu arbeiten. Die Songs konnten sich in ihrer Eigenheit entwickeln und ihrer eigenen Bestimmung folgen. Sie hatten eine gewisse Freiheit, die ich mir im Umgang mit ihnen zunutze machte." Wie wichtig war Brian Deck in diesem Prozeß?

Ja, ich hatte die Songs sozusagen auf der Gitarre skizziert, so wusste ich, welche Akkorde erklingen sollten und wie das grundsätzliche Arrangement sein sollte, aber ich hatte keine Ahnung, wie die anderen Sounds sein sollten. Ich ging mit Brian ins Studio und wir beide begannen uns beim Aufnehmen einiger Teile abzuwechseln. Dann fingen die Songs an zu wachsen und bekamen eine Form. Dieser kreative Prozess, wenn ich einmal im Studio war, ähnelte einem Gespräch zwischen Brian, dem Song und mir.

Es fällt auf, dass du immer wieder mit anderen Musikern auf Tour bist, ebenso die besagte enge Arbeit mit deinem Produzenten. Ist es generell wichtig für dich, mit anderen kreativen Menschen zu arbeiten?

Das ist sogar sehr wichtig für mich. Wenn du nicht mit andern Kreativen zusammenarbeitest, dann bleibst du in deinem Kopf stecken und sprichst nur noch ständig mit dir selbst, was mich nicht interessiert.

Es ist schwer eine Kategorie für deine Musik zu finden. Wie würdest du sie denn selbst beschreiben?

{image}Ich denke, ich würde meine Songs als Kindergeschichten beschreiben, die von der Erwachsenenwelt unterbrochen werden. Kategorisierung ist eine Sache, die ich noch nie verstanden habe. Für mich ist es wichtig, etwas zu schaffen. Und ich wurde immer inspiriert, wenn ich die Arbeiten anderer gesehen habe, die am selben Ort etwas geschaffen haben.

Klassische Instrumente neben Synthiesounds. Was macht für dich den Reiz daran aus?

Weil dies eine Nebeneinander-Stellung ist, die immer im Leben immer präsent ist. Alles, was wir erleben, geht einher mit einer jeweils anderen Sache. Du läufst die Straße entlang und im selben Moment rollt eine Straßenbahn mit quietschenden Bremsen vorbei, die in keinster Weise nach deinen Füßen auf dem Gehweg klingen, aber diese Geräusche haben eine gewisse Beziehung zueinander, weil sie am selben Ort zur selben Zeit erklingen. Das war meine Idee davon, alle diese verschiedenen Sounds und Ideen in meiner Musik zusammenzubringen, um ein wahres Bild eines Songs oder einer Geschichte zu erschaffen, sowohl klingend als auch lyrisch.

Der Vogel als Coverillustration, schon zum zweiten Mal! Und dann noch Songs wie Red Red Fox, Hawks and Crows und Alligators and Owls… Kleines Assoziationsspiel: Wenn du die Möglichkeit hättest für einen Tag ein Tier zu sein, welches wäre das?

Ganz eindeutig ein Vogel, weil sie die Wahl haben, die Welt aus zwei verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Der Boden und die Luft.

Bei deiner letzten Tour bekam jeder Besucher beim Eintritt eine EP als kleines Geschenk. Soweit ich weiß, war das deine Idee. Warum diese Marketingstrategie und was wird es auf deiner kommenden Tour im September neues geben?

Ich kann meine Geheimnisse nicht verraten. Aber ich habe ein neues Buch herausgegeben und werde auch etwas daraus vorlesen.

Ben Weaver – "How I got my heart"

When I was a little 
Boy my mom used 
to ask me why I drew
so many pictures and
wrote so many silly poems

I told her that one day         
I was skateboarding and
I fell on a pencil and it
went right through my heart

I said drawing pictures
and writing silly poems
was the only way to get
all the lead out of my heart

Alles zum Thema:

ben weaver

Das könnte Sie auch interessieren