HipHop Open 2008: Das Drumherum
Foto: Simone Cihlar

HipHop Open 2008: Das Drumherum Foto: Simone Cihlar © regioactive.de

"Es ist Sommer, ich geh raus in die hell scheinende Sonne…" – nichts könnte Stuttgarts bekanntestes HipHop-Festival dieses Jahr besser beschreiben, als dieses Kollegah-Zitat. Jeder, der das Reitstadion in Bad Cannstatt (Stuttgart) kennt, weiß, dass Berge von Sand gepaart mit knappen 30°C und gutem Sound den ein oder anderen Fan leicht auf eine einsame HipHop-Insel entführen können. Und dafür sorgte dieses Mal auch ein unglaubliches Line-Up. Neben deutschen Rapgrößen wie Samy und Sido gaben sich nämlich auch internationale Topacts wie Ice Cube und Ludacris das Mic in die Hand…

{image}Wie wir später erfuhren, stieg die Party schon morgens um 10 Uhr am Parkplatz – denn K.I.Z. hielt, was vorher groß via MySpace angekündigt wurde: Die Berliner Jungs, die nicht von "0711/ FourArtists" geladen waren, gaben sich außerhalb des "Stadions" die Ehre – mit einem kurzen Gig auf dem RedBull Tourbus vor (von einem Fan geschätzten) "mindestens 100 Mann". 
Verlassen wir uns auf diese Aussage, geben K.I.Z. für diese Aktion Props und wenden wir uns dem eigentlichen Geschehen zu! Kurz nachdem zeitgleich um 10 Uhr die Tore geöffnet wurden, läutete der erste offizielle Act des Tages ein grandioses Programm ein. Die per MySpace gewählten Dude & Phaeb gaben sich für zwanzig Minuten die Ehre auf der bestimmt bisher größten Bühne ihres Lebens und meisterten das ganze recht souverän, bevor ein bekanntes Gesicht den nächsten Act ankündigte. Das Gesicht gehört zu keinem anderen als Prinz Pi, der nach seiner Stimmband-OP endlich nicht mehr schon nach 5 Minuten am Mic heiser ist und in diesem Jahr die Festival-Moderation übernehmen durfte.

{image}Die nächsten, die ihr Talent unter Beweis stellen durften, waren die Newcomer Huss&Hodn, die extra aus Köln angereist kamen, um die Stuttgarter schon morgens um 10:30 Uhr zum Bouncen zu animieren. 
Kurz darauf betrat der immer-noch-und-immer-wieder "jüngste MC" Deutschlands die Stage: F.R. Schön zu sehen, wie viele Leute ihn ordentlich gefeiert haben – vor allem bei Höhepunkten seiner Show wie dem "Hurensohn"-Track: "Was ist das meistbenutze Wort auf Stuttgarts Straßen? … Richtig! Nehmen wir diesem überschätzten Wort mal seine Bedeutung…!" Immer wieder gut und im steten Vergleich auch angenehm zu sehen, wie F.R. "groß" wird, und die Crowd auch mit ernsteren Themen zu überzeugen weiß – so auch beispielsweise mit Kopf gegen Herz, einem Toptrack seines neuesten Albums. Schade nur, dass er die Zeit übersehen hatte und so leider mit abgedrehtem Sound (und einem Pfeifkonzert gegen die Veranstalter im Rücken) die Bühne verlassen musste.

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Im Anschluss dann Pete Philly & Perquisite aus den Niederlanden – was für ein unglaublich fröhlicher Sound, während mehr und mehr Zuschauer das Reitstadion füllten. Vielleicht nicht unbedingt das, was der Mainstream-"auch-ich-rappe-zu-Hause"-Besucher erwartet hatte, aber für den Rest gab's einfach einen ganz besonderen Gute-Laune-Vibe. Hier wurde die Crowd zum tänzeln bewegt, hier wurde im Sand unter strahlend blauem Himmel relaxt – umgeben von der "positive vibration".

Und dann? Endlich echte Stuttgarter auf der Bühne! Mit dabei: schallendes Gelächter ab der ersten Sekunde – richtig: Maeckes & Plan B geben sich die Ehre. Und was für eine! Vom Solotrack bis zu Hitsingle, vom "gefreezten" Plan B (= der Mann mit der unerforschten Krankheit) bis hin zur gesamten Show im Schnelldurchlauf rückwärts zusammengefasst – alles an den üblichen Theatereinlagen und famosen Ideen dabei. Der aufmerksame Leser weiß es schon: Ja! Die Orsons (Maeckes & Plan B mit Tua und Kaas) gaben auch ein paar Tracks zum Besten – bestens!

{image}Ein paar Minuten versuchter Pi-Moderation später (rappen kann er halt einfach sooo viel besser, der Porno!), betrat dann eine der Legenden den Catwalk: Oli Banjo. 
Vor kurzem erst sein neues Mixtape Sparring III an den Mann gebracht, zeigte er wiedermal, dass er technisch gesehen einfach ganz weit oben mitspielt – ob man ihn mag, oder nicht. Somit wurde er von seiner Crowd gebührend gefeiert, genauso wie er (wie üblich) das Publikum gekonnt mit in seine Show einbezog. Topauftritt, wie man es von Banjo eben gewohnt ist.

Ab 14:40 Uhr dann die Schweden Looptroop mit einigen Tracks aus ihrem neuen Album Good Things. Irgendwie ganz gut und irgendwie leider recht unspektakulär, irgendwie das Publikum nicht sooo begeistert aber irgendwie doch ne solide Leistung – ja: Solide sagt dann wohl alles.


"Dadadadadaaaadaaaa, dadadadadaaaadaaaa…." – wen zitieren wir hier? Den Mann ohne Maske aka einer der größten und bekanntesten MCs Deutschlands aka Sido mit, richtig, dem A*schf*cksong. Warum das erwähnenswert ist? Weil bei diesem Track die Masse das erste Mal an diesem Tag komplett ausgerastet ist, von der ersten Reihe bis hin zur letzten Treppenstufe. In 40 Minuten wurden dann Tracks wie Strassenjunge und Halt dein Maul gerockt, das Publikum bouncen gesehen und der Typ am Mic ordentlich und zu Recht gefeiert. Eine mehr als gelungene Show!

Fotogalerien vom HipHop Open: hier entlang!


Und dann die Überraschung des Tages (Oh, Pi kündigt mal wieder jemanden an, oh, keiner versteht, was er sagt, oh, keiner findet ihn lustig, oh mach doch ma Freesytle…!): Culcha Candela. So einige werden sich gefragt haben, warum diese Jungs beim HipHop Open auftreten dürfen, so manche werden nicht viel von ihnen halten und so manche werden erstmal Bier holen gegangen sein. Aber wenn die Messlatte bzw. die Erwartungen tief liegen, kann man umso besser positiv überraschen, und das haben die Jungs in der Tat getan. Klar sind Tracks wie Hamma nicht unbedingt das, was eine über-reale HipHop-liebende Crowd zu überzeugen weiß, aber diese Crew war definitiv besser als erwartet und hat es doch geschafft, sich durchzusetzen und eine nicht unbedeutende Menge zum Tanzen zu bewegen. Muss man erstmal schaffen, bei so viel Realness…

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Aber für die ganz harten Jungs in der Crowd kam dann eine "motherfuckin Legende" auf die Bühne, damit am Ende dann doch alles wieder gut ist: Ice Cube, im Schlepptau WC von der Westküste. Wann rastet meine Crowd endgültig aus? Ist doch immer das selbe, und trotzdem sooo wirksam: "Say Fuck you, Ice Cube!" Und sie machen wirklich alle wieder mit. Topsache! Der N.W.A. MC hat so gut wie jeden da unten im Sand im Griff und liefert sehr souverän eine weitere Deutschland-Show ab, zumal er das Wochenende davor ja erst das schlammige Splash!-Publikum überzeugt hat (Review und Fotos: hier). Klassiker wie Gangsta Nation schlagen auch hier auf fruchtbarem Boden auf und sind eine optimale Vorbereitung auf den nächsten – deutschen – Überact: Dynamite Deluxe.


{image}Falls nach Cube noch jemand sitzen würde, auch der letzte würde jetzt das Tanzbein schwingen. Wie auch sonst, wenn die selbsternannten Newcomer des Jahres nicht nur einige Tracks aus ihrem neuen und zweiten Album spielten, sondern auch absolute Klassiker – Grüne Brille, Dreist, Wie jetzt?... Ein Zitat eines Zuschauers, das es absolut auf den Punkt bringt: "Das krasse an Dynamite Deluxe ist, die spielen einen Klassiker, und alle gehn ab. Und dann spielen sie noch einen Klassiker, und alle rasten aus. Beim dritten Klassiker dann drehen alle endgültig durch und man merkt: Ey, die haben ja irgendwie NUR Klassiker" – Word! Und als wäre das ganze nicht genug, Sam mit seinen zwei Sängerinnen und D-Flame als Backup zu sehn, nein! Da stolpert Jan Delay auf die Bühne, um hier ne Hook zu singen und da nen Part mitzurappen… was gäbe es für die Backpacker unter uns schöneres an einem lauen Sommerabend? - Siehste. Nix!


{image}Und zu guter, ach, zu bester Letzt der Headliner des Abends: Ludacris. Wie sympathisch ab der ersten Sekunde. Und wie talentiert, einen Stromausfall am Pult gute 15 Minuten acapella zu überbrücken. Ja, Luda ist so cool, wie man ihn aus seinen Videos kennt. Ja, die Stimmung war unglaublich. Ja, gute 8.000 Menschen tanzten auch dann weiter, als der Headliner nach dem Strom auch noch mit dem Regen zu kämpfen hatte. Und ja – Move Bitch kommt live noch viel besser, als man es sich vorstellen kann. Klassiker wie Act a Fool haben auch nicht gefehlt, so dass jeder, wirklich jeder, glücklich, nass und mit Sand paniert den Weg nach Hause oder zur Aftershowparty antreten konnte. Bleibt nur noch die Frage offen: Wer soll nächstes Jahr ein krasserer Headliner als Ludacris sein? Ha…!


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