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Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Bereits zum zweiten Mal haben sich Buckshot und 9th Wonder zusammengetan, um ein komplettes gemeinsames Album zu produzieren. The Curls hingegen lassen einem alten Demo nun erstmal eine EP folgen, die aufhorchen lässt. Zum Träumen laden Blackmore’s Night ein, Timesbold sind dafür zu verschroben und außergewöhnlich, Smokestack Lightnin's Songs zu kurz - aber beide Bands nicht weniger gut. Für Enttäuschung sorgt Kimoe. Das genaue Gegenteil liefert uns Scott Matthew.

The Curls Camera In Colours | Label: Eigenvertrieb

{image}Camera in colours, die erste Veröffentlichung dieser vier aus Rheinland-Pfalz stammenden 17 bis 18-Jährigen nach einer Demo-CD im Jahre 2006, demonstriert in vier rockigen Tracks deren Können. Mit ihrer schnörkellosen Musik, die sich an die White Stripes, Sonic Youth und die Arctic Monkeys anlehnt, aber auch nicht vor Blues-Elementen zurückschreckt, überzeugen die Neustädter nun nicht mehr nur live, sondern auch auf heimischen Anlagen. Das tun sie schon lange und sogar so sehr, dass sie beim Rockbuster-Finale mit den Donots performen dürfen. Ihre Platte zeigt, wodurch sie das verdient haben: ausgeprägte Basssounds, stark verzerrte Gitarrenriffs und die gepresste Stimme des Sängers David ergeben einen einzigartigen Sound. Excotic energy bringt auf dieser Scheibe den interessantesten und abwechslungsreichsten Sound rüber – und die Curls damit auf den Punkt. Völlig anders kommt das spartanische Blue Flower daher, das den Zuhörer nicht mit zu viel Text erschlägt, sondern eher eine instrumentalere Richtung einschlägt und dabei ruhig und nachdenklich macht. Mit Ladykiller wurde auch gleich noch der Groove gepachtet und in Rock-rüpelhafter Manier das weibliche Geschlecht und deren "Attribute" besungen. Auch nicht ohne Groove ist der dem Album seinen Namen gebende Song Camera in colours, der in seiner Gleichförmigkeit aber auch wenig Spielraum für die Gedankenentfaltung zulässt. Solide – da wird man noch mehr von hören!

Wertung: +++ (Björn Reinhard)

Blackmore's Night – Secret Voyage | Label: Steamhammer

{image}Die neue CD von Blackmore’s Night, Secret Voyage, erscheint Ende Juni in Deutschland und wird von den Fans schon seit geraumer Zeit sehnsüchtig erwartet. Zwölf Songs, darunter zwei Coverversionen, verwöhnen die Ohren und regen zum Träumen an. Der verstärkte Einsatz der Geige unterstützt den klassisch, mittelalterlichen Eindruck, den die CD gleich beim Starten vermittelt. Mit der weichen Stimme von Candice Night und dem gewohnt genialen Gitarrenspiel von Ritchie Blackmore zaubert ihre "Band Of Minstrels" eine musikalische Umgebung ganz im Sinne des CD-Titels Secret Voyage. Waren die letzten Alben teilweise rockig – Ritchie Blackmore konnte seine Wurzeln bei Deep Purple nicht ganz verbergen – so fehlt diese rockige Komponente auf dieser siebten Studio-CD komplett. Poppig und sehr melodisch kommt diese Scheibe im Renaissance-Stil gut rüber. Alle Nummern gehen ins Ohr. Die Elvis-Presley-Coverversion von Can’t Help Falling In Love, durchsetzt mit vielen kleinen Gitarrensoli, ist schon fast hitverdächtig. Der vierte Track, Toast To Tomorrow, läd zum Tanzen ein. Lagerfeuerstimmung mit tanzenden Mädchen in langen Gewändern kommen einem da sofort in den Sinn. Fazit: Eine schöne Scheibe, wieder mehr im Folk-Stil, die von den Fans geliebt werden wird, aber nichts wirklich Neues bringt. Gute Unterhaltung zum Träumen im Mittelalter-Gewand.

Wertung: ++++ (Rudi Brand)

 

Buckshot & 9th Wonder – The Formula | Label: Duck Down

{image}Bereits zum zweiten Mal haben sich Buckshot von Black Moon und der Little Brother-Aussteiger 9th Wonder zusammengetan, um ein komplettes gemeinsames Album zu produzieren. The Formula heißt der Nachfolger von dem beachtlichen Erstlingswerk Chemistry, auf dem die Beiden mehr als deutlich belegt haben, dass die Chemie zwischen der Justus League und Duck Down stimmt. Wenn 9th Hand anlegt, wird die alte Soulplattenkiste ordentlich auf den Kopf gestellt und einzelne Raritäten als high-pitch-Abstrakt neu belebt (Ready, One For You). Sample raten ist also angesagt, während die Bassline munter auf und ab springt. Vollkommen ist die Rezeptur damit noch nicht, erst mit den bewährten Buckshot-Lyrics ergibt sich am Ende eine wohltuende Melange. Scheint also alles gar nicht so kompliziert abzulaufen, wie das Albumcover mit chemischen Formeln und Laborgeräten vermuten lässt. Schaut man Buckshot im Studio über die Schulter, entsteht ohnehin ein komplett neuer Eindruck bezüglich der Aufnahmeprozedur. Neben den vollzählig erschienenen Einwohnern aus Springfield, hat unter anderem Talib Kweli für einen souveränen Gastauftritt (Hold It Down) im Studio vorbeigeschaut. Das musikalische Klima besticht durchweg durch easy-geflowte Lines von Boot Camp Clik’s Buckshot, während der Superproducer aus North Carolina das Ganze mit einem entspannten Soulvibe und vielen gesungenen Refrains unterlegt. Auch wenn Buckshot und 9th Wonder mit The Formula keinen Meilenstein geschaffen haben, knüpfen sie mit ihrem zeitlosen Sound direkt an den Vorgänger an und liefern damit mehr vom neuen-guten-alten-Sound.

Wertung: ++++ (Andreas Margara)

 

Timesbold Ill Seen Ill Sung | Label: Glitterhouse

{image}Fünf oder sechs Personen mit einem unterschiedlichen Background, die nicht die gleiche Musik mögen und teilweise sogar mehr als 4500 Kilometer voneinander getrennt leben. Keine typische Band. Der Schaffensprozeß: sie treffen sich manchmal und hauchen dann trotz andauernder Konflikte ihren Liedern Leben ein. Mit einer ungeheuren Glücksseligkeit geht das nun schon seit dem Anfang des Jahrtausends so. "Dies ist die Wahrheit über Timesbold. Und wenn sie die ganze Wahrheit hören wollen, lieber Leser, … - tja, dann läuft die CD wohl schon" entnehmen wir dem Pressetext zum aktuellen dritten Album der Band um Singer/Songwriter Jason Merritt, besser bekannt als Whip. Das Album wirkt verschroben, außergewöhnlich… interessant. Banjo, verzerrte Gitarren und Streicher haben alles andere vor, als harmonisch nebeneinander her zu plänkeln. Dazu noch die außergewöhnliche Stimme Merritts. Dabei erzählen Timesbold Geschichten über die verschiedenen Arten von Verlust. Verlust eines geliebten Menschen oder gar eines selbst. Gekrönt wird das ganze durch einen Hahn. Ein bunter Hahn in einer düster grauen Umgebung. Passt!

Wertung: +++ (Sarina Pfiffi)

 

Smokestack Lightnin' Heads Of Agreement | Label: Hazelwood

{image}Zur endlos diskutierten Frage, ob Deutsche in der Lage sind, gute Country- bzw. Rockabilly-Musik zu fabrizieren, liefern Smokestack Lightnin’ einen neuen Beitrag. Die Band aus Nürnberg legt mit Heads Of Agreement ein Werk vor, das sich diesem uramerikanischen Genre widmet. Ihr Versuch, Klang und Charakter ihrer amerikanischen Vorbilder zu reproduzieren, ist trotz mancher Missklänge leidlich erfolgreich. Die Songs sind kurz und prägnant, wodurch das Album einen angenehmen, abwechslungsreichen Charakter erhält. Smokestack Lightnin’ überzeugen am Meisten, wenn sie ihre Stücke elegant und swingend arrangieren – vorsichtige Ausflüge in rockigere Territorien, wie auf No Hoot, sind nicht erfolgreich. An Instrumentierung und Gesang gibt es nichts auszusetzen, im Gegenteil, der Band gelingen einige schöne Harmonien, beispielsweise im Fall von Country Girl. Ihre Coverversion von David Bowies Kooks, umgedeutet zur Bluegrass-Ballade, verdeutlicht, wie originell das Experiment bisweilen werden kann. The Change ist wohl das stimmungsvollste Stück auf dem Album, da es eine emotionale Ernsthaftigkeit verkörpert, die ansonsten etwas im Spaßcharakter der Musik untergeht. Besonders essentiell ist das alles freilich nicht, aber unterhaltsam.

Wertung: +++ (Daniel Nagel)

 

Kimoe Streben nach Glück | Label: Skycap

{image}Während Will Smith schon vor zwei Jahren auf der Leinwand nach Glück strebte, präsentiert uns nun der Berliner Reggae- und Dancehall Artist Kimoe sein Debütalbum mit gleicher Thematik. Auf 18 Tracks deckt Streben nach Glück die gesamte Bandbreite ab, die das Deutsch-Reggae-Herz begehrt: von zurückgelehnten Tunes mit melodischem Gesang – wie man sie von Nosliw kennt bis hin zu energiegeladenen Club-Riddims à la Culcha Candela. Mit Mal Élevé von den Irie Révoltés, Mr. Reedo & Johnny Strange von Culcha Candela befinden sich gleichzeitig auch die üblichen Verdächtigen Jamaica-Vertreter der hiesigen Szene auf dem Album. Inhaltlich setzt Kimoe auf die mittlerweile geschmacksneutralen Lorbeerblätter Love, Weed und Peace, die in der Reggae-Küche in gleicher Form schon immer mitgekocht werden. Doch auch bei den rhythmischen Klängen bleibt die Individualität Kimoes oft auf der Strecke. Während auf dem spritzigen Opener Highlights (der auch als 7-inch Auskopplung zu bekommen ist) nonstop Höhepunkte versprochen werden, schaffen die Nachfolger selten den Sprung über die Durchschnittsmarke. Es wird einfach zu wenig Markantes geboten, an dem man den ambitionierten Berliner festmachen könnte. Die Stücke sind sehr solide, mal weiß eines mehr, ein anderes dann mal wieder weniger zu überzeugen. Wer Kimoe allerdings von einem seiner zahlreichen Auftritte her kennt, der wird unterschreiben können, dass Titel wie Alarm live eindeutig zu den Big Tunes gehören.     

Wertung: ++ (Andreas Margara)

 

Scott Matthew Scott Matthew | Label: Glitterhouse

{image}Scott Matthew, das sind die ersten Blumen, die nach einem langen, kalten Winter in ihrer vollen Blüte erblühen, der Duft des Meeres und ein Sonnenuntergang. Einfach poetisch! Klingt dick aufgetragen? Keineswegs, wenn man die fast schon minimalistisch angelegte Popmusik des gebürtigen Australiers zum ersten Mal hört. Scott Matthew kommt hier völlig ohne Schlagwerk aus. Die Melodie scheint dem Rhythmus übergeordnet zu sein. Seine zarte Stimme liegt über der Akustikgitarre, Klavier, Streichern und auch mal einem Banjo. Dabei wirkt Matthew im Vergleich zu einigen seiner Kollegen nicht weinerlich. Es ist einfach echt, denn er vermittelt das Gefühl, als serviere er seine Seele auf dem Silbertablett. Er nennt sich selbst "quiet noise maker" und machte nicht zuletzt durch den Soundtrack zum Film "Shortbus" von John Cameron Mitchell auf sich aufmerksam, zu dem er mehrere Songs beisteuerte und auch selbst als Schauspieler im Film auftauchte. Ebenso trug er zu der japanischen Animationsserie "Ghost In The Shell" zwei Songs bei. Sein erstes Album, das den Titel Scott Matthew trägt, hat er zusammen mit Spencer Cobrin, dem ehemaligen Morissey-Drummer, aufgenommen und produziert. Herausgekommen sind elf wunderbare Songs. Hier einen einzelnen herauszugreifen und ihn als besonders gelungen zu deklarieren fällt schwer. Das getragene Habit, das tieftraurige Market Me To Children oder das bezaubernde Little Bird? Alle tragen etwas Besonderes in sich, das man sich zu beschreiben wagt. Das ganze als Gesamtkunstwerk zu bezeichnen ginge allerdings doch einen Schritt zu weit. Hören und genießen heißt die Devise.

Wertung: +++++ (Sarina Pfiffi)

 

So werten wir:

schnell auf ebay damit, bevor es jemand merkt

++

hier mangelt es an so einigen Ecken und Enden

+++

das kann sich wirklich hören lassen

++++

ein TOP-Album

+++++

das hier kann dir die große Liebe ersetzen

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