Kulturoffensive im Sommer 2008: Moonbird
Foto: Johann Weber

Kulturoffensive im Sommer 2008: Moonbird Foto: Johann Weber

Mannheim, von offizieller Stelle gerne mit dem Beinamen "Pophauptstadt" geschmückt, hat leider ein Problem: es gibt zu wenige Clubs und Veranstalter, die regionalen Bands und einem kleineren Publikum Raum bieten würden. Schüler des Feudenheim Gymnasiums wirkten dem entgegen und organisierten ihre "alternative Abifeier" mit Namen "Kulturoffensive im Sommer". Zeichen wurden gesetzt und der Erfolg dieser Veranstaltung spricht für sich: ungefähr 350 Zuschauer kamen in den 7er Club. Das lässt auf weitere Aktionen dieser Art hoffen.

{image}Pünktlich um 20:00 Uhr startete die Kulturoffensive im Sommer mit der jungen Band Beefpeter. Grob geschätzte 60 Leute fanden sich vor der Bühne ein und hörten den Musikern zu, was für diese Uhrzeit schon eine beachtliche Menge war. Mit konzentrierten Gesichtsausdrücken und nahezu unbeweglich standen die Vier auf der Bühne. Doch für eine Band, die erst vor kurzem damit angefangen hat, eigene Songs zu schreiben und zu spielen, darf man nicht meckern. Sehr lustig gegen Ende war die Wall of Death mit 20 Wagemutigen, die das nächste Mal garantiert noch besser geht, denn kreischende Mädels sind dafür bestimmt nicht vorgesehen!

Während es den ganzen Tag über geregnet hatte und ziemlich trübe war, rissen gegen Abend zum Glück die Wolken auf und dem Auftritt von Sin Crema - jedenfalls der Hälfte der Banditglieder - stand nichts im Wege. Ihr Akustikprogramm im Openair-Bereich war die perfekte Abrundung zu den Bands im Innenraum. Sänger Steffen hat den Coolness-Faktor gepachtet, mit Sonnenbrille, Hut und weißem Jackett aber dick aufgetragen. Ihr Cover von Manu Chaos Clandestina war absolutes Highlight.

{image}Noch nicht mal eine Zigarettenlänge später, geschweige denn, dass man sich ein neues Bier hätte holen können, ging es in der Halle mit Moonbird weiter. Dafür, dass Sänger Matthias gleichzeitig auch der Organisator des Abends war, sah er auf der Bühne das erste Mal entspannt aus. Moonbird machten das insgesamt schon abwechslungsreiche Programm noch vielfältiger: mit einer Mischung aus Rock, Country und Folk konnten sie die mittlerweile geschätzen 300 Zuschauer vor der Bühne von sich überzeugen. Bei ihrem Song Aint Got A God holten sie sich Verstärkung in Form von Ricarda, 14 Jahre jung, auf die Bühne. Mit ihrer sehr schönen und klaren Stimme verpasste sie dem Lied einen guten Zweitgesang.

{image}Und den Zuschauern, die nicht wussten, was jetzt mit Stomp Attag auf sie zukommen würde, stand die Verwunderung ins Gesicht geschrieben: blaue Regentonnen, Besen und Holzstöcke wurden auf die Bühne getragen. "Stomp" ist ein Tanz ursprünglich amerikanischer Ureinwohner, der lediglich auf Rhythmus basiert. Die Gruppe Stomp nahm sich in den 90ern diese Tanzart als Beispiel und machte daraus eine Percussion-Performance und verwendete jegliche Gegenstände von Haushalt bis Spermüll, die sich finden lassen. Die Mannheimer "Stomper" reichen zwar nicht ganz an das Original heran, aber sie faszinierten und überraschten das Publikum. Ein unglaubliches Rhythmusgefühl zeichnet sie aus und spätestens, als die Zuschauer immer schwieriger werdende Rhythmen mit den Händen nachklatschen sollten, wurde allen klar: das ist genauso schwierig wie es aussieht.

Monday Freak Show, die nach einer weiteren kurzen Umbaupause die Bühne betraten, hatten es zugegebenermaßen schwer, die Stimmung zu halten. Doch sie ließen sich keine Sekunde beirren und spielten ihre rockigen, eingängigen Nummern so, als ob sie die Headliner des Abends wären. Doch leider merkte man schon, wie ganz allmählich die Zuschauermenge abnahm. Immerhin war es erst gegen 23 Uhr. Vielleicht lag es an der beachtlichen Menge an Schülern des Feudenheim Gymnasiums, die doch einfach noch eine Spur jünger waren.

{image}Mit Baxter stand danach die letzte Band des Abends auf der Bühne, vor sichtlich weniger Publikum. Auch die Nebelmaschine wurde mit etwas zu viel Elan bedient, denn Schlagzeuger Ante war so gut wie nie zu sehen. Die drei Jungs vorne waren auch zeitweise nur schemenhaft zu erkennen. Dafür war der Sound sauber abgemischt und mit Here We Go Again, Rearranged und Konsorten wurde bisher noch jedes Publikum gerockt. Die Deadline bei einer Abifeier ist offenbar 24 Uhr, und so wurde das Publikum nach diesem letzten Auftritt rigoros vor die Tür gesetzt.

Insgesamt hat der Abend sehr viel Spaß gemacht. Eine Abifeier, besser gesagt eine "alternative Abifeier", in dem Maße wie geschehen zu organisieren, erfordert viel Einsatz. Schade nur, dass wenige Menschen da waren, die nichts mit dem Feudenheim Gymansium zu tun haben. Doch es hat sich gelohnt und hoffentlich wird dieses Konzept, wie angedacht, auch nächstes Jahr wieder stattfinden.

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