Splash! 2008: Dizzee Rascal
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Splash! 2008: Dizzee Rascal Foto: Hannes Mezger © regioactive.de

Inzwischen ist der Titel "Regenfestival" fast schon als Synonym für das splash! zu verwenden. Während es im letzten Jahr nur kurzzeitige Wolkeneinbrüche zu verzeichnen gab, sollte mit dem diesjährigen splash! alles wieder so werden, wie die Jahre zuvor: extrem regnerisch. Doch das tat der Stimmung auf der Halbinsel Pouch bei Leipzig keinen Abbruch und so wurden HipHop-Legenden wie Ice Cube, Jay-Z und M.O.P. gefeiert. Aber auch deutsche Größen und Nachwuchs-Rapper in den kleineren Zelten fanden Zuspruch bei den Besuchern.

{image}Pünktlich am Freitag goss es nach den ersten Auftritten vom Himmel, dass man vor lauter Tropfen die Bühne nicht mehr sah. Zum Glück machte Markus Staiger als Moderator des Festivals alles richtig, indem er das Wetter auf die ironische Ebene zog "und das splash! nur mit Regen als ein wahres splash!" bezeichnete. Die Besucherschaft jedenfalls nahm sich seine Aussage zu Herzen und ignorierte weitestgehend die nassen Verhältnisse. Und zum 11. Geburtstag war auch ein Line-Up der Extraklasse geboten, das alle Windböen und Regenschauer zur Nebensache werden ließ: neben den drei Headlinern Ice Cube, Jay-Z und Jan Delay, waren US-HipHop-Legenden wie D.I.T.C. und M.O.P. geboten. Dynamite Deluxe, Kool Savas, Azad und Blumentopf, bekannt als deutsche Festivalgrößen, gaben sich gleichsam die Ehre. Und für die Freunde des Reggae und Dancehall standen mit Shaggy und Gentleman ebenfalls zwei Größen im Aufgebot. Doch auch viele aktuelle Stars und Upcoming-Artists wie Dizzee Rascal, Saigon, Little Brother, Huss&Hodn, Die Orsons und viele mehr komplementierten das Programm.

DER splash!-FREITAG:

{image}Die Auftritte von Materia und Dead Prez blieben noch vom Regen verschont. Doch mit Azads Betreten der Bühne schüttete es, dass unter den Becks-Ständen mit ihren Sonnenschirmen, sowie den Essens- und Merchandise-Ständen, Menschenmassen Unterschlupf suchten. Doch zu Kool Savas' Auftritt klarte der Himmel dann auch wieder auf. Dessen Darbietung war von enormer Souveränität geprägt. Neben aktuellen Liedern und einer Huldigung des "besten Rappers der Welt" (= Nas) wurde vor allem sein LMS-Track von der Menge gefeiert. Unterstützt wurde er von seiner Optik-Army plus Azad, der nochmals auf die Bühne kam, um einige Hits ihres gemeinsamen Albums zum Besten zu geben.

Während die meisten Zuschauer weiter im Schlamm vor der Hauptbühne bei Savas ausharrten, spielten im Samoa Tent Irie Révoltés. Ihre bekanntermaßen gute Bühnenpräsenz wurde vom Publikum gewürdigt und so sah man nach dem Auftritt gut gelaunte Gesichter aus dem Zelt strömen. Im direkten Anschluss standen Dynamite Deluxe auf der Hauptbühne. Der für viele HipHop-Fans beste deutsche Live-Rapper ist als feste Splash-Institution verankert. Mit D-Flame als Back Up-MC präsentierte Samy Deluxe Raps aus alten Zeiten sowie von der neuen Scheibe.

Im Grenada-Zelt stand um 23:30 Uhr der für die verhinderte M.I.A. nachgerückte Dizzee Rascal auf der Bühne. Der Grimekönig von der Insel stand vor proppevollem Zelt und lieferte eine Powershow ab: Fix up, look sharp zerlegte das Zelt gegen Ende in seine Einzelteile.

{image}Ohne ihn hätte NWA früher niemals solche Erfolge gefeiert: Die Westcoast-Legende Ice Cube. Als Songwriter der meisten Texte kann man ihn ohne Weiteres als das Rückgrat der "Niggaz With Attitude" bezeichnen. Die Lichter gingen aus, die Übergangsmusik verstummte und gespannte Blicke im Publikum fokussierten den Bühnenaufgang. Doch eine Minute lang passierte erst einmal gar nichts. Dann aber erschallte es wie eine Alarmglocke: das markante "Ah-yeahi-yeahi!". Die Menge brüllte. Der Lichtkegel kreiste auf der Bühne hin und her, bis er Ice Cube gefunden hatte. Energiegeladen sprang er sichtlich gut gelaunt über die Bretter an die Front. Untermauert von exzellent abgemischter Musik feuerte Ice Cube seine Texte präzise und bestverständlich in die Zuhörerschaft. Neben alten Klassikern wie Today was a good day und Straight outta Compton präsentierte er, unterstützt von seinem alten Bekannten WC, auch neues Material wie seine aktuelle Single Gangstarap made me do it. Der Gedanke an Auftritte alter US-Legenden bringt oftmals einen bitteren Geschmack von Fremdschämen mit sich. Aber Ice Cube war eine Riesennummer, die alle Erwartungen übertraf.

DER Splash!-SAMSTAG:

{image}Die Veranstalter hatten am Morgen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Matsch und die Pfützen einzudämmen – mit Erfolg! Bis auf vereinzelte Schlammlachen war das Gelände wieder rutschfrei begehbar.

Huss&Hodn genießen momentan den absoluten Hypestatus. Die Festivalbesucher hatten deshalb kurz vor Beginn der Show Schwierigkeiten noch ins Aruba-Zelt zu kommen. Der selbsternannte Retrogott hätte sich vermutlich auch die ganze Show an den Rand stellen können, um nur hin und wieder eine Textzeile mitzurappen, denn von Beginn an schrie die Menge jeden Text mit, dass einem fast unheimlich wurde. Von der Atmosphäre getragen und gesteuert durch Kurt Hustles Wortwitz konnte hier nichts schief gehen! Sehr gut.

{image}Danach legten Little Brother im Samoa Tent ein grundsolides Livepaket ab. Zwar speckten sie einige großartige Stücke ihres ersten Albums ab, doch war die energiegeladene Show der Jungs aus North Carolina dafür Entschädigung genug. Im Anschluss wetterte der momentan fast durchgängig durch deutsche Clubs tourende Sean Price los. Mit seiner tiefen Rotzstimme fegte er über die Bühne und brachte die Menschen zum Ausrasten. Auch bei ihm blieben alte Klassiker aus BCC-Zeiten auf der Strecke. Doch mit Boom Bye Yeah ließ er die Abrissbirne durch das Samoa Zelt krachen, dass selbst der coolste HipHop-Nerd zu pogen begann.

Brooklyns Finest. Hova. Jigga. Den ganzen Tag über hörte man ständig Leute irgendeinen seiner Namen nennen: Jay Z. Der Superstar. Und dann stand er kurz nach 0:30 Uhr da. "Hova"-Sprechchöre ließen auch den Laien erahnen, dass da ein ganz großer auf der Bühne steht. Als er gemeinsam mit seiner Liveband mit Roc Boys den Hit-Reigen begann, drehte die Crowd schon völlig ab. Das treibende Drumset, der erfrischende Bläsersatz und seine unverkennbare Stimme harmonierten aufs Wunderbarste! Der bestens gelaunte Geschäftsmann wusste genau was zu tun war. Und so spielte er, unterstützt von Memphis Bleek, einen Hit nach dem anderen: Big Pimpin, Can I Get A…, Jigga What und und und. Überpünktlich, nach einer Zugabe, war dann aber Schluss und Jigga rauschte mit Luxusschampus im Maybach ab.

DER splash!-SONNTAG:

{image}Mit dem Öffnen der Pforten war es wieder soweit: Regen platzte vom Himmel. Doch kaum einer schien sich darüber zu beschweren: man hatte sich schon an den Splash-Dauerzustand gewöhnt. Und so fanden die ersten Acts auf der Hauptbühne auch, trotz des Wetters, regen Zulauf.

Im Samoa-Zelt war das Aufgebot mit Leckerbissen gespickt, so dass die eher ruhige Performance von J-Live mit einem Achselzucken in Kauf genommen wurde. Die Entschädigung kam gleich im Anschluss: Sollen Members! Zwar hatten sie Frontmann Madchild zu Hause gelassen, doch mit ihrer HipHop-Crossovershow, inklusive Huldigungen an den Wintersport und Heavy-Metal-Größen, konnte der Verlust letztendlich kompensiert werden.

{image}Dass das Entertainment von Maeckes und Plan B originell und sehr humorvoll ist, haben sie die letzten Splashjahre schon bewiesen. Gemeinsam mit Tua und Kass traten sie dieses Jahr als die Orsons auf. Und wie schon bei Huss&Hodn war der Ansturm viel zu groß und überflutete das Aruba-Zelt komplett. Enttäuschte Gesichter trotteten mit gesenktem Haupt weg vom Zelt und zurück zur Hauptbühne.

Dort sorgte glücklicherweise Gentleman für beste Laune. Und danach Jan Delay. Einige wunderten sich über die Headliner-Platzierung. Doch Herr Delay sollte alle eines Besseren belehren: Mit seinem Mercedes Dance-Album sorgte er für einen feierlichen Abschluss eines gelungenen Splashs. Und das Deichkind-Cover Remmidemmi brachte die Menge zum Überkochen. Als ihn die Menge mit Seven Nation Army-Gebrüll zurück auf die Bühne holte, wurde Jan Delay jedoch überheblich: Anstatt sich feiern zu lassen, entgegnete er arrogant, wie "played out" dieses Stück doch sei. Unnötig. Vor allem, um im Anschluss Nenas Irgendwie, irgendwo, irgendwann anzustimmen. Dennoch konnte er, durch seine Interaktion mit dem Publikum und seiner Performance, selbst den übermächtigen Jay Z übertreffen.

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