"Nuclear Blast"-Chef Markus Staiger war Gast bei "Open House" in der Mannheimer Popakademie

"Nuclear Blast"-Chef Markus Staiger war Gast bei "Open House" in der Mannheimer Popakademie © Christian Hoffmann

Am vergangenen Dienstag war Markus Staiger, Geschäftsführer von "Nuclear Blast", zu Gast in der Popakademie Baden-Württemberg. Mit Jan Weyrauch sprach der Musikverleger über "20 Jahre Nuclear Blast – die einzigartige Erfolgsstory des größten unabhängigen Metal-Labels der Welt".

{image}Ein Samstagmorgen 1987: Bei Familie Staiger im schwäbischen Provinznest Donzdorf stapeln sich im Bügelzimmer kistenweise Schallplatten. Filius Markus hüpft aus dem Bett und macht sich daran, die Pakete mit Klebeband zu verschließen und bei der Post aufzugeben. Unter der Woche arbeitet Markus als Maschinenschlosser, doch sein Herz schlägt für den Heavy Metal. Nach einem Aufenthalt in den USA hilft er daher, die Alben kryptischer Hardcore-Bands in Deutschland zu vertreiben, die Markus in Übersee live gesehen hatte. Heute ist Markus Staiger Chef seiner eigenen Plattenfirma "Nuclear Blast", dem größten unabhängigen Metal-Label der Welt. Bei "Open House" in der Mannheimer Popakademie plauderte Staiger mit YouFM-Moderator Jan Weyrauch über den glücklichen Werdegang seines Unternehmens.

Ursprünglich kommt Markus Staiger aus dem Punk. In der Popakademie erinnert er sich, wie er sich mit Zuckerwasser die Haare steil toupierte. Als Jugendlicher fiel er als Herausgeber eines Punk-Fanzines auf. "Man durfte mit Punk kein Geld verdienen, sonst galt man als Kommerzschwein", erzählt er. Seine Eltern begegneten seinem Nebenerwerb mit Stirnrunzeln – verschickte ihr Sohn doch die "extremen Krach" abspielenden Schallplatten unter dem Etikett "Misthaufen Distribution".

{image}Dann gründete Staiger 1987 das Indie-Label "Nuclear Blast", sein Katalog entwickelte sich weg vom Punk und hin zu Grindcore und Death Metal. Nicht wirklich Musik, mit der sich Geld verdienen lässt. "Es dauerte sechs Jahre, bis endlich was auf dem Konto war", blickt der Schwabe auf magere Zeiten zurück. Laienhaft verfasste Vertragspapiere sandte er nach Amerika, um krude Underground-Bands ins Boot zu holen. Keine straffe Kalkulation, sondern aus dem Bauch heraus. "Bei Musik geht es um Emotionen", verdeutlicht der Labelmacher sein Handeln. Von Betriebswirtschaft hatte er anfänglich keine Ahnung. "Zahlen waren nicht meine Welt, das ist heute etwas anders", so Staiger, der auf sein 85 Mitarbeiter umfassendes Personal vertraut.

{image}Der Geschäftsmann in Markus Staiger kommt zum Vorschein, wenn er erklärt, dass seine Firma überall spart, wo es möglich ist. Natürlich nur nicht an der Qualität der Musik. "Ob im Anzeigenverkauf oder im Presswerk, dort kann man viel heraushandeln", verrät der Chef. Dass "Nuclear Blast" mit einem Jahresumsatz von 27 Millionen Euro so gut dasteht, führt Staiger auf die mehreren Säulen zurück, auf denen sein Unternehmen fußt, darunter ein Mailorder, das Merchandising und ein Musikverlag. Einmal standen die Herren von Universal mit ihren dicken Portemonnaies auf der Matte mit der Offerte, "Nuclear Blast" aufkaufen zu wollen. Ein verlockendes Angebot, das Staiger jedoch ausschlug. "Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, sinnlos herumzuhocken. Das Gehirn muss durch Beschäftigung fit gehalten werden", ließ Staiger Träume über dauerhaftes Schwimmen im Meer vor Mallorca schnell zerplatzen.

{image}Anregungen für neue Deals holt sich Staiger über Konzertbesuche oder Empfehlungen von Kollegen. Dabei blicke "Nuclear Blast" vor allem auf die Schauplätze in Skandinavien, England und den Staaten. An den Demos deutscher Kellerbands, die im Monat hundertfach im Büro des Donzdorfer Labels eintrudeln, lässt Staiger kein gutes Haar. "Das ist zu 95 Prozent totaler Schrott", kehrt er den freundlichen, aber bestimmten Businessman heraus. Zwar verfügt seine Plattenfirma neuerdings über einen MP3-Shop auf der Internetseite, dennoch steht Staiger der neuen Technik kritisch gegenüber. "Wir Metal-Fans schätzen ein wertiges Cover mit Booklet, limitierte Sondereditionen in einer Holzbox oder Platten zum Aufklappen." Das ist wohl das Erfolgsrezept von "Nuclear Blast": Gründer Markus Staiger ist der kumpelhafte Fan von nebenan geblieben, der selbst Musikenthusiast ist und somit weiß, was dem Heavy-Metal-Liebhaber gefällt.

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