Gerd Leonhard

Gerd Leonhard

Gerd Leonhard, Medienfuturist, Buchautor, Blogger und Musiker, besuchte Ende Mai die Popakademie Baden-Württemberg, um im Rahmen der dortigen "Open House"-Reihe die zukünftige Elite des Musikbiz über Trends und Visionen zu informieren.

{image}Die Zeiten, in denen die Geschäftsmodelle der Labels und Musikverlage ausschließlich auf den Absatz von Schallplatten, CDs und sonstigen Kopien musikalischer Stücke beruhten, gehören schon heute der Vergangenheit an. Die Vielzahl an Tauschbörsen, Downloadplattformen und Community-Angeboten ermöglicht den nahezu uneingeschränkten Zugang zu Musik. Im Rahmen seines eineinhalbstündigen Vortrags spannte Leonhard so den Bogen von einer an einem veralteten Vertriebsystem orientierten Musikindustrie hin zu einem modernen futuristischen Szenario, in welchem Flatrates für Musik die aktuellen "pay per track"-Modelle ersetzen werden. Insbesondere in den Köpfen der jungen Bevölkerung sei Musik schon heute ein gefühltes kostenloses Gut. Neue mobile Endgeräte mit Wlan-Zugang und eine rasante Vervielfachung der weltweiten Breitbandzugänge würden in naher Zukunft die Kontrolle des "illegalen" Tauschens von Musik völlig unmöglich machen. Man könne bereits heute sagen, so die Aussage Leonhards, dass der verzweifelte Versuch der Musikindustrie, sich gegen das Tauschverhalten der Konsumenten zu schützen, völlig fehlgeschlagen sei.

Leonhard fordert nun ein Umdenken indem man sich von jener alten Vorstellung trennt, bei der die Kopie der Musik als primäres Produkt wahrgenommen wird. Nach Leonhards Auffassung wird zukünftig nicht mehr für den Download einer MP3-Single oder eines Albums bezahlt, sondern für einen um die Kopie herum geschaffenen Service. Dieser kann vielfältige Ausprägungen haben: von zusätzlichen Informationen über den Künstler, exklusiven Konzerttickets für Fans bis hin zu optimierten Recherchemöglichkeiten, oder wie im Falle von iTunes mit mobilen Endgeräten gekoppelt werden. Das dieser Idee zugrunde liegende Bezahlmodell wird eine Art Flatfee sein, die den zeitlich und räumlich uneingeschränkten Zugriff auf Musik ermöglicht und jede Form der digitalen Endgeräte einbezieht.

{image}Doch was bleibt dem Künstler und seinem Label, wenn diese Prognose tatsächlich eintritt? Leonhard vergleicht diese Entwicklung mit der des Radios. Ein Lizenzierungsmodell erlaube auch im Internet eine Vergütung der Einzelkünstler gemessen an den Downloads bzw. Streams ihrer Musik. Zwar erhalte der Künstler wesentlich weniger pro Track als im Moment, doch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass sich die Anzahl der Internetzugänge weltweit vervielfachen müsse, könne jedoch von einem größeren Volumen ausgegangen werden, so dass sich diese Modelle insbesondere auch für Nischenprodukte rentierten.

Was kann man nun den Musikern und Labels mit auf den Weg geben, die jetzt und heute die Distributionswege des Internets nutzen wollen? Nach unseren Erfahrungen wird Musik aktuell dort gekauft, wo das Angebot und die Verbreitung am größten und das Vertrauen in die Abwicklung der Transaktion vorhanden ist. Und das sind derzeit nun mal die großen Downloadshops wie iTunes, musicload und Co.. Um an diesem Markt und den laut Leonhard eintretenden Veränderungen partizipieren zu können, sollte eine Band in diesen Shops vertreten sein. Parallel müssen die Bands/das Label ein Markenbewusstsein entwickeln. Wie oben beschrieben kommt es wirtschaftlich eher auf das Drumherum an, als auf die Musik selbst.

Note: regioactive.de bietet für Bands ohne Labelvertrag in Deutschland gemeinsam mit dem Marktführer finetunes derzeit den günstigsten Einstieg in weltweit alle Downloadshops. Alle Infos hier >>

 

Weiter Informationen über Gerd Leonhard: www.mediafuturist.com

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