Explosions in the Sky

Explosions in the Sky © EITS

Wird von Texas und Explosionen gesprochen, so kommt einem aktuell nur eine Erscheinung in den Sinn: George W. Bush. Dass das Land jedoch weit mehr zu bieten hat, als nur Bullen, Öl und den ihm zu unrecht anhängenden Konservatismus, beweist das texanische Post-Rock Quartett Explosions in the Sky. Eingeleitet wurde das Konzert im Karlstorbahnhof vom Experimentalisten Eluvium, der schüchtern mitreißende Klangwände irgendwo zwischen Arvo Pärt und Tim Hecker in den Raum stellte.

{image}Bereits im vergangenen Jahr sollte das Konzert im Heidelberger Karlstorbahnhof stattfinden, doch aus gesundheitlichen Gründen musste es zum damaligen Zeitpunkt verschoben werden. Nun sollte es endlich nachgeholt werden. Vor wenigen Tagen kümmerten sich Explosions in the Sky noch um Bands, die auf dem eigens kuratierten ATP-Festival auftraten, welches rückblickend als voller Erfolg gilt und ein Line-Up der Extraklasse bot. Vorab ist also anzunehmen, dass die Jungs äußerst gut gelaunt den Atlantik überqueren, um Freunden des Post-Rock ein wahres Klang-Feuerwerk am Himmel zu liefern. Bevor die Band ihre Gitarren malträtieren kann, betritt Matthew Robert Cooper die Bühne, der nur mit Gitarre, E-Piano und Laptop bestückt ist und auf einem kleinen Hocker Platz nimmt. Langsam schichtet er Melodien übereinander und erzeugt durch Looper und Effekte riesige Feedback-Kolosse, die kein Ende zu nehmen scheinen. Anfangs wirkt er noch etwas unsicher, doch die eigentliche Problematik solch einer Performance ist klar und durchaus nachvollziehbar: während eine Band mehr oder weniger für Bewegung auf der Bühne sorgt, wirken die melancholischen Ambient-Teppiche von Eluvium sehr intim und verlangen dem Hörer eine gewisse Konzentration ab. Geschaffen wird diese Musik zwar für den Kopfhörer und träumerische Ausflüge zuhause, es gelingt ihm aber trotzdem, das Zeitgefühl der Gäste für knapp 60 Minuten zu verdrehen. Wer sich darauf einlässt, findet darin den besten Koma-Soundtrack seit dem Debütalbum von Stars of the Lid.

{image}Nach einer Pause von etwa 30 Minuten betreten Explosions in the Sky die Bühne und typischerweise wird schnell alles ausgepackt, was der deutsche Wortschatz so hergibt – nämlich genau zwei Wörter. Das war es dann auch mit Vocals für diesen Abend, denn wer die Band kennt, der weiß, dass es sich dabei um rein instrumentale Musik handelt. Stilistisch lassen sie sich irgendwo zwischen den frühen Mogwai (Galerie) und epischer Filmmusik einreihen, was auch der Regisseur Peter Berg erkannte, der sie umgehend für den Soundtrack zu Friday Night Lights engagierte. Während die meisten Post-Rock Bands ihre Songs eher linear aufbauen und auf einen erkennbaren Höhepunkt zusteuern, bieten Explosions in the Sky einen weniger klar strukturierten Ablauf. Sie spielen ständig mit "Stop and Go"-Elementen und erzeugen Spannung beim Hörer, in dem sie das Tempo und die Dynamik unvorbereitet reduzieren oder verstärken – so auch an diesem Abend.

{image}Auf der Bühne befinden sich drei Gitarren, ein Bass sowie ein Schlagzeug, das mit einer zweiten Snare ausgestattet ist, die gelegentlich von Gitarrist Munaf Rayani bearbeitet wird. Pausen zwischen den Songs gibt es nicht, denn die improvisierten Noise-Passagen werden zum (nach-)stimmen der Instrumente genutzt. Explosions in the Sky verstehen ein Konzert als ein zusammenhängendes Werk, und sie verneinen die Mystifizierung oder gar fragwürdiges Getue. Aus diesem Grund gibt es leider aber auch keine Zugabe, sondern nur eine kurze Stellungnahme, dass sie generell eben darauf verzichten. Die Songs Greet Death und The Birth and the Death of the Day gehören sicher zu den Highlights des Abends, denn beide wandern wie unaufhaltbare Maschinen in die Köpfe und Herze der Anwesenden, was direkt tobenden Applaus hervorruft. Auch der Tontechniker scheint an diesem Abend alles im Griff zu haben, denn der sonst so scharfe "Karlstor-Sound" ist heute Abend jedenfalls nicht gegeben – somit war letztendlich alles perfekt.

Links:

MP3: Eluvium - Thoughts for Pachelbel

MP3: Explosions in the Sky - Welcome, Ghosts

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