Johnossi (live in Ludwigshafen, 2007)
Foto: Simone Cihlar

Johnossi (live in Ludwigshafen, 2007) Foto: Simone Cihlar © regioactive.de

John + Ossi = Johnossi. Einfache Rechnung. Das Debütalbum von Oscar Bonde – genannt Ossi – und John Engelbert wurde von den Musikjournalisten aufgrund seiner eingängigen Melodien bejubelt. Das neue, etwas härtere und zweite Album "All they ever wanted" führte dagegen eher zu etwas Verwunderung bei manchen Hörern. Dieses Gefühl will die Band nun mit einer großen Welttournee widerlegen. Sie machte dabei auch im Berliner Postbahnhof Station.

{image}"Einen Plattenvertrag bekommt man doch ganz schnell!" Diese These dürfte angesichts der Krise in der Musikindustrie verwundern, doch auf Johnossi trifft diese Behauptung zu. Denn schon nach 3 Konzerten durften sich die Schweden vor einigen Jahren über diesen Erfolg freuen. Kennengelernt haben sich die beiden Bandmitglieder bereits in der Schulzeit. Sänger und Gitarrist John schreibt in dieser Zeit Texte, die er mit seiner Akustikgitarre begleitet. Doch nach kurzer Zeit reicht ihm das Leben als Songwriter nicht mehr aus, er möchte einen Partner, um mehr "rocken zu können". Deshalb fragt John "Ossi" Bonde, ob er ihn nicht am Schlagzeug begleiten könne. Dieser ist von der Idee begeistert und so gründen sie die Band mit dem naheliegenden Namen Johnossi – der klingt damit zwar etwas einfallslos, geht aber wenigstens auf ihre richtigen Namen ein.

Wieder findet sich hier also eine Zwei-Mitglieder-Band zusammen, bestehend aus einem Sänger/Gitarrist und einem Schlagzeuger. Ein Trend, der sich in den letzten Jahren immer stärker ausgeweitet hat. Das letzte Beispiel sind wohl Blood Red Shoes.

{image}Angefangen hat dieser Trend aber mit der Zweier-Combo White Stripes um Jack und Meg White. Sie sind es auch, mit denen John und Oscar anfangs oft verglichen werden. Sätze und Vergleiche wie "Johnossi sind die White Stripes, lediglich mit dem Unterschied, dass Oscar im Gegensatz zu Meg White Schlagzeug spielen kann" wollen sie nicht auf sich sitzen lassen, denn ihre Musik klingt dann doch eher nach den Kollegen von Soundtrack Of Our Lives oder Mando Diao.

An diesem Abend war die Band nun im Berliner Postbahnhof zu Gast, um ihr neues Album All they ever wanted vorzustellen. Dabei durfte man gespannt sein, wie sich der Abend entwickeln würde, hat sich der Musikstil dieser Band doch prägnant verändert. Während sie auf ihrem Debütalbum noch den Melodien den Vorrang gaben, meldete sich mit dem neuen Album vermehrt ein härterer Musikstil und eine gehobene Lautstärke zu Wort. Nicht immer zu Johnossis Vorteil, denn kein Song ragt in diesem Album wirklich heraus und In the mystery time of cold & rain bleibt praktisch die einzige melodische Ballade auf diesem Longplayer. Man musste sich also fragen, ob auch dieses Konzert von diesem Stilwechsel beeinflusst werden würde.

{image}"Ja!" könnte man darauf antworten. Denn zwar wird auch die ein oder andere Ballade performt, dennoch überwiegen die härteren Stücke an diesem Abend. Es bleibt dem Publikum dabei kaum Zeit zum Luftholen. Denn ausgenommen, dass sich Sänger John gelegentlich mal etwas zu trinken erlaubt, hängen die beiden eher schweigsamen Schweden Song an Song aneinander und verausgaben sich dabei mit allen ihren Kräften. Während Sänger John in Rockermanier von einem Bein aufs andere Bein springt oder auch mal auf das in der Bühnenmitte installierte Schlagzeuger-Podest steigt, trommelt Oscar – mit allem was seine Muskeln hergeben – auf sein Schlagzeug ein, sodass seine Haare wie wild durch die Luft schwirren. Einzig der Sound auf der im Hintergrund mit einem überdimensionalem Herz (das Cover des neuen Albums) beschmückten Bühne scheint den beiden Musikern nicht so sehr zu gefallen, weshalb sie mehrmals den Soundmischer des Postbahnhofs zu Korrekturen auffordern. Doch richtig damit zufrieden sind sie auch im weiteren Verlauf nicht und der Schlagzeuger winkt, sein schmunzelndes Gesicht an das Mischpult gerichtet, schlussendlich mit einer Hand ab. Vielleicht war das auch der Grund, warum sich die beiden Schweden des Öfteren kurz zur Beratung mitten auf der Bühne in ein Zwiegespräch vertieften.

{image}Das Publikum stört das alles relativ wenig. Die Zuschauer tanzen kräftig und bejubeln Johnossi. Man hat den Eindruck, es gefällt ihnen, dass das neue Album härtere Züge angenommen hat. So lässt es sich wenigstens austoben. Und auch das weibliche Publikum ist entzückt, besonders als Sänger John sein Hemd aufknöpft und seinen nackten Oberkörper zeigt. Die Euphorie nimmt man auch wahr, als beim Song Man must dance alle zusammen und lautstark wie ein Chor die Zeilen "You and you and you" mitsingen. Und durch einige Crowdsurfer ist die Begeisterung erst recht richtig zu spüren und ansteckend: Sie verleiten den Sänger am Ende des etwas kurzen 75-minütigen Konzerts sogar dazu, selbst einen Sprung in die Menge zu wagen und sich von der Masse tragen zu lassen.

Am Ende wurde es ein Konzert, bei dem die Band energievoll und mit Einsatz ihres Körpers ihre Songs präsentierte. Andererseits war das Konzert aber eher ein sehr kurzlebiges Vergnügen und die Band hatte dem Publikum zwischen den Songs nicht viel zu sagen. Beides bedeutete aber nicht, dass sie lustlos gewirkt hätten. Möglicherweise war die Kürze des Sets der langen Tour geschuldet. Denn dies hatte die Band dem Publikum mitgeteilt: Dass sie auf ihrer Tour jetzt schon dutzende  Konzerte ohne Ruhetag gespielt hätten. Nun, den Tour-Kalender sollten sie das nächste Mal also vielleicht nicht so vollzustopfen.

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