Rebekka Bakken

Rebekka Bakken

Rebekka Bakken gilt als eine der aufstrebendsten Chanteusen Europas. Die Kritiker überschütten die attraktive Norwegerin regelrecht mit Superlativen und loben sie als "Gesangssensation des Jahres" (AZ) und "Bis unter die Haarspitzen erotisch" (FAZ). In Trio-Besetzung, nur in Begleitung eines Flügels und eines Kontrabasses, befindet sich die Jazzvokalistin zur Zeit auf Tournee, um ihre Fans mit ihrem aktuellen Album "I Keep My Cool" (2006) zu verzaubern.

{image}Im restlos ausverkauften Saal des komplett bestuhlten Karlstorbahnhofs in Heidelberg, wurde Rebekka Bakken in gediegenem Ambiente freudig von einem bunt zusammengewürfelten Publikum erwartet. Begleitet von ihren Musikern Sven Lindvall (Kontrabass) und Jesper Nordenström (Piano), trat sie pünktlich ins Bühnenlicht und ließ ihrer magischen Stimme – ohne dabei viele Worte zu verlieren – freien Lauf. Während sie mit ihrem Timbre gleich in die Höhe einer Kate Bush oder Celine Dion hinauf schoss, wirkte die Performance der 38-jährigen zu Beginn allerdings mehr wie die eines verschüchterten Schulmädchens. Das schien etwas überraschend, denn Rebekka Bakken hat mit The Art Of How To Fall, Is That You und ihrem neusten Werk bereits drei Soloalben veröffentlicht und jeder Menge Bühnenerfahrung gesammelt. Ihre Songs schreibt Rebekka überwiegend selbst, und so stammt auch das nächste Stück Any Pretty Girl aus ihrer eigenen Feder, das aber mit nichtssagenden Zeilen wie "All the girls in the world are so pretty to you/ cause your mother was once pretty too/" einen eher zweifelhafteren lyrischen Anspruch hegt. So langsam schien die Skandinavierin dann aber doch aufzutauen.

Sympathisch suchte sie den Kontakt mit dem Publikum, begann kurze (und auch etwas längere) Anekdoten zur Entstehungsgeschichte ihrer Lieder zu erzählen und zeigte sich nun auch dazu bereit, mehr Ausdruck in ihren Auftritt zu legen. Jetzt machte Bakken Gebrauch von ihrem Charisma und blühte besonders bei den schnelleren Nummern wie If You Come Around, I’ll Put My Suitcase Down auf.

{image}Der Jazz ist bei Rebekka Bakken mittlerweile allgemein eher minimalistisch in seinem Einfluss auf die Songs: Vielmehr tragen ihre Balladen einen weitaus poppigeren Charakter. Ihre Stimme ertönte klar, einnehmend und sinnlich, was speziell durch ihr leuchtendes Antlitz mit offenem blondem Haar, Stiefeln und ihrem bezauberndem Kleidchen eine verführerische Kombination synthetisierte.

Eine Demonstration ihrer Vielseitigkeit bot Rebekka anschließend dar. In einer schön inszenierten Bluesrunde intonierte sich die Vocal-Jazz-Koryphäe in drei unterschiedliche Stimmlagen, die sie alle – von Soul bis eben Blues – komplett überzeugend rüberbrachte. Sehr beeindruckt äußerte sich die norwegische Globetrotterin über die Stadt Heidelberg und vor lauter Schwärmen verpasste sie durchaus mal ihren Einsatz. Solche Situationen nutzten die beiden Begleitmusiker geschickt aus, um sich aus ihrer Nebenrolle ein wenig in den Vordergrund zu spielen.

{image}Absoluter Höhepunkt des Konzerts markierte ein spontaner Lachanfall der Interpretin: das "worst case scenario" eines jeden Künstlers. Ganze drei Mal musste der eigentlich tief-melancholische Song wegen des Lachens aufs Neue angespielt und anschließend abgebrochen werden. Bakken konnte sich einfach nicht mehr konzentrieren. Nachdem das Publikum den ersten Schock der Unprofessionalität sprachlos verdaut hatte, mehrte sich der Applaus und das Amüsement über die Ausnahmesituation begann anzustecken. Sofort kamen Erinnerungen an die legendäre Elvis-Performance der laughing-Version von Are You Lonesome Tonight auf, sensationell was sich hier abspielte. Irgendwie gelang es der erst schüchtern und dann ausgelassen fröhlichen Rebekka schließlich doch noch, den Bogen wieder zu bekommen und mit dem heiteren Stück Why Do All The Good Guys Get The Dragons? fortzufahren. Nicht nur durch die adaptierte Melodie von Sag Mir Wo Die Blumen Blühn’ erinnerte Bakken hier stark an eine Joan Baez in ihren besten Tagen.

Gegen Ende gelangen der sinnlichen Dame dann auch wieder die balladesken Titel mit ruhigerem Basslauf. Mit Say Goodbye To What Is Gone war die sanfte Atmosphäre wieder zurückgekehrt. Neben norwegischen Folkstücken präsentierte Rebekka Bakken als Zugabe noch den Eva Cassidy-Evergreen Time After Time, bevor ein zweistündiger Auftritt mit wirklich allen Besonderheiten, die in der Musik möglich sind, zu Ende ging. Löblich ist neben ihrer einzigartigen Stimme besonders auch die Professionalität in der Unprofessionalität, die sie bei derartigen Lach-Flashs auf der Bühne eindeutig bewiesen hat.

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