Intro Intim goes Time Warp – (I)
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Intro Intim goes Time Warp – (I) Foto: Simone Cihlar © regioactive.de

Auch in diesem Jahr gehörte zum Rahmenprogramm des Time Warp Festivals eine Ausgabe der "Intro Intim"-Reihe, die, wie kaum anders zu erwarten, sowohl Geschmackssicherheit als auch stilistische Offenheit bewies. Neben den Newcomern Bullmeister, Full Duplex und Luis und Laserpower schickten sich die bereits mehr oder weniger etablierten Acts Does It Offend You, Yeah?, Foals, Stereo Total und Deichkind an, ein Feuerwerk der guten Laune abzufackeln.

{image}Den Anfang machten Luis und Laserpower aus Mannheim, die in der Tradition klassischen 90er Rock-Sprechgesang-Crossovers stehen, Full Duplex aus Berlin mit einer Metal-Electro Melange und Bullmeister, ebenfalls aus Mannheim, die sich ihrer Version von House in einer Bandformation verschrieben haben. Was von Does It Offend You, Yeah? zu erwarten sein sollte, schien im Voraus weniger klar. Die einem schon vom Hipsterlabel Kitsuné nähergebrachten Briten klingen auf ihren Studioaufnahmen grell elektronisch, während die vereinzelten Livemitschnitte in erster Linie lärmig und verzerrt sind. Dass DIOYY musikalisch jedenfalls der Faust in die Fresse gleichen, wie auch immer die Umsetzung im Einzelnen erfolgt, war abzusehen. So hämmerte und riffte sich das Quartett denn auch mit Liveschlagzeug, E-Gitarre, Synthesizer und gelegentlich E-Bass durch ein Set, das jeden Ton in den Dienst eines Rausches aus Rhythmus und Lärm stellte, wobei das Gesamtergebnis doch mehr in der Nähe von Rock als Elektronik zu verorten ist. Tight waren DIOYY dabei ohne Zweifel, ein wenig stumpf konnte man die Angelegenheit aber auch finden, und das Publikum sparte sich zum Großteil seine Kräfte für das noch Bevorstehende auf.

Mindestens genauso tanzbar wie DIOYY waren anschließend Foals, obgleich sie diese Wirkung mit einer ganz anderen Herangehensweise erzielten.{image} Die Band aus Oxford ist mit ihrem konsequenten Verzicht auf Verzerrung des Gitarrensounds (ähnlich wie beispielsweise Dartz!) eher in die Tradition der Talking Heads zu sehen, als The Clash, wie die allermeisten Indierockbands der letzten Jahre von der Insel. Über einen fast maschinengleich gespielten Beat legten der gitarrespielende Sänger Yannis Philippakis und Gitarrist Jimmy Smith kleinteilige, sich modulierende Gitarrenfiguren, die jeweils für sich genommen gerade einmal als musikalische Bruchstücke gelten können, im Gesamtbild des Zusammenspiels der Band aber ein kohärentes Gesamtbild ergeben, das aufs Unverschämteste groovt und voll ohrschmeichelnder Melodiosität steckt. Hier wird Steve Reichs Minimalismus mit großer Spielfreude erneut für die Tanzfläche transkripiert.

Mit dem französisch-deutschen Duo Stereo Total betrat die dienstälteste Band des Line-Ups die Bühne. Zwischen verschrobenen Lo-Fi Popsongs, HipHop-Coverversionen (Push It) und einem fulminanten Discoabschluss, bei dem das Publikum auf die Bühne geholt wurde, packten die an eine Gymnasiallehrerin erinnernde Françoise Cactus und Brezel Göring schon Klassikerstatus innehabende Hits wie Liebe zu dritt und natürlich Wir tanzen im Viereck.

{image}Der Höhepunkt der Nacht sollte aber erst noch mit dem Auftritt von Deichkind bevorstehen. Dass Subtilität für den bandgewordenen Kindergeburtstag ein Fremdwort ist und man das Denken getrost auf das Notwendigste reduzieren kann, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Wie gehabt, hüpften Deichkind mit ihren Plastikanzügen und Pyramidenhelmen auf die Bühne, um sich im Laufe des Sets u.a. auf einem Trampolin, einer Hüpfburg und mit einem Pogostock zu vergnügen. Verstärkt wurden sie bei der Darbietung einiger neuer Songs und natürlich aller Hits des letzten Albums Aufstand im Schlaraffenland zur Überraschung des Publikums von Ferris MC, der sich wie angegossen in die Band einfügte. Auch wenn Deichkind quasi Vorreiter der Formel "Electrobeats plus Sprechgesang" sind und sogar international Beachtung finden (Remmidemmi fand sich bereits kurz nach dem Release in einem Set von Erol Alkan wieder), stellt sich schon die Frage, wie weit der  Manierismus noch getrieben werden kann, ohne dass sich Deichkind mit dem Abspulen des ständig Gleichen zum unsympathischen "Rock am Ring"-Hauptact entwickeln. Dass man, was die Neufindungskräfte der Band angeht, optimistisch sein kann, haben sie allerdings schon in der Vergangenheit bewiesen, so dass dahingehend wohl kein Grund zur Sorge besteht.

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Im Zugabenblock wurden dann noch ältere Songs wie Bon Voyage abgeliefert und eigene Lyrics über einen Mix fremder Electro/Techno Tracks, wie Alter Egos Rocker, gelegt. Überflüssig zu erwähnen, dass Deichkind vom ersten Ton an vom Publikum aufs Ekstatischste gefeiert wurden.

Seinen Ausklang fand das gelungene Intro Intim mit einem DJ Set von Hot Chips Joe Gibbard, der sich als Kenner aktueller und älterer Technoplatten bis in die frühen Morgenstunden empfahl.

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