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Boy Omega

Manchmal ist das Leben einfach unfair, denn nur wenige Menschen fanden an einem wunderschönen Donnerstag Abend den Weg in den Heidelberger Karlstorbahnhof. Schweden-Pop scheint nicht mehr der Garant für ein volles Haus zu sein. Dennoch ließen sich Martin Gustafsson aka Boy Omega und Christian Kjellvander zusammen mit ihren Mitmusikern nicht entmutigen und boten dem Publikum einen Abend voller nordischer Melancholie und Humor.

{image}Es herrscht fast beklemmende Stille im Karlstorbahnhof, als Boy Omega die Bühne betritt. Erst nach einigem Zögern heißen die Heidelberger Martin Gustafsson und Per-Ola Eriksson mit einem herzlichen Applaus willkommen. Boy Omega macht bereits seit einiger Zeit von sich reden. Auf seine gefeierten Alben The Black Tango und The Grey Rainbow folgte im vergangenen Jahr Hope On The Horizon, welches nicht weniger gelobt wurde. Nach seiner Tour im vergangenen Jahr – mit sage und schreibe sieben Mitmusikern – begleitet er nun in Duobesetzung Christian Kjellvander auf dessen Europatour. In dieser Besetzung wirken die Songs noch zerbrechlicher, noch melancholischer als man es vom Album gewohnt ist. Lediglich die eingespielten Computerdrums reißen einen aus dieser intensiven Welt. Und dann diese Stille: auch zwischen den Songs traut sich das Publikum kaum, einen Ton von sich zu geben.

Martin flüstert ins Publikum und sagt: "Ich bin heute abend kein guter Stand-Up Comedian". Er witzelt aber immer wieder, um die Leute aus der Reserve zu locken, denen aber meistens nur ein stilles Schmunzeln zu entlocken ist. Höhepunkt ist sicherlich der Gastauftritt von Karla-Thérèse Kjellvander (nebenbei Ehefrau und Musikerin bei Christian Kjellvander) und das Duett, das bereits vor einigen Jahren gemeinsam aufgenommen wurde.

{image}Nach einer kleinen Umbaupause dann endlich das Hauptevent des Abends. Christian Kjellvander betritt zusammen mit seiner Ehefrau und Tias Carlson die Bühne. Ein lustiges Bild: Neben dem Hünen Kjellvander wirken die zierliche Karla-Thérèse Kjellvander und der Gitarrist Tias Carlson wie Winzlinge. Das hat musikalisch selbstverständlich keinerlei Auswirkungen. Die Harmonie zwischen den Musikern ist ansteckend. Trotz der düsteren Countryklänge rutscht das Publikum ein Stückchen zusammen. Kjellvanders Stimme scheint im direkten Kontrast zu den dunklen Klängen der Gitarre zu stehen. Sie ist weich und warm. Auch Christian Kjellvander ist kein unbeschriebenes Blatt. Er prägte den Sound der Loosegoats und bildete zusammen mit seinem Bruder das Duo Songs Of Soil, das ihm eine Nominierung bei den schwedischen Grammys einbrachte. Solo ist Christian Kjellvander nun auch bereits seit einiger Zeit unterwegs. Sein aktuelles Album I saw here from here/I saw here from her ist sein zweites Soloalbum.

Auch Christian Kjellvander ließ sich gerne das eine oder andere Mal zu einem Witzchen hinreißen. Er ließ sich zum Beispiel eine kleine Jodeleinlage nicht nehmen, da ihn die Berge rund um Heidelberg stark an diese Gesangsform erinnerten. Aufgrund der Dunkelheit im Zuschauerraum konnte er allerdings, Gott sei Dank, die misbilligenden Blicke des Publikums nicht erkennen. Kurpfalz, nicht Bayern, Herr Kjellvander! Nunja… man konnte ihm den kleinen Fauxpas leicht verzeihen.

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