Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn

Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Über die Liveshows von Portugal.The Man wissen bereits diverse Berichte Begeistertes zu schildern. Teilweise ist die Rede davon, ähnlich Epochalem wie Gigs von At the drive-in zu deren Hochzeit zwischen "In/Casino/Out" und "Relationship of Command" beigewohnt zu haben, und dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis der Durchbruch bevorstehe, so dass man die Gelegenheit, der Band noch in einem intimeren Rahmen teilhaftig zu werden, schleunigst wahrnehmen solle.

{image}Der Tourstop im Cafe Dôme im Kulturzentrum dasHaus in Ludwigshafen bot sich angesichts der überschaubaren Größe des Veranstaltungsorts dazu an, den Wahrheitsgehalt dieser Huldigungen zu überprüfen. Portugal.The Man, deren Stammbesetzung aus lediglich drei Mitgliedern besteht – John Gourley, Gitarre und Gesang, Zach Carothers, Bass und Gesang und Jason Sechrist, Drums – bestritten das Konzert an diesem Abend mit einem zusätzlichen Musiker, der sich Keyboard, Congas und den Backingvocals widmete. Sie leisteten sich ferner sogar den Luxus einer Backgroundsängerin, die ansonsten nur mit Tamburin und Shaker beschäftigt war. Ohne eine Einstimmung des Publikums durch eine Vorband begaben sich Portugal. The Man mit leichter Verspätung auf die Bühne. Gleich beim Opener machten sie durch dessen epischen Aufbau klar, dass man es hier nicht mit einer Band zu tun hat, die sich mit einfachem Schema wie Strophe-Refrain-Strophe zufrieden gibt und auf Zuhörer mit allzu kurzer Aufmerksamkeitsspanne sicher nicht Rücksicht genommen wird.

Während sich das Klima im ordentlich gefüllten Dôme tropischen Bedingungen annäherte, entfaltete die Band Lied um Lied ihr mannigfaltiges Wissen um die letzten dreißig bis vierzig Jahre Rockmusikgeschichte, wobei entsprechend dem Debüt Waiter: You Vultures! der Ausgangspunkt zwar im Ansatz Post-Hardcore ist, jedoch ziemlich schnell – unter Außerachtlassung der elektronischen Experimente, die sich auf It's Complicated Being A Wizard  finden lassen – der Bogen zum Bombastrock der 70er Jahre geschlagen wird.

{image}In ruhigeren Momenten ließen sich Parallelen zu The Mars Volta ausmachen, allerdings ohne dass auch deren ekstatisch hyperventilierenden Ausbrüche in ihrer Intensität bei Portugal.The Man ihre Entsprechung gefunden hätten. Bei der Lust an weitschweifigen Formen handelte es sich allerdings nicht um etwas, das man durchweg als einfallsreich oder spannend bezeichnen könnte. Die offensichtlichen Liebe der Band zu minutenlangen Gitarrensoli im Sinne des psychedelischen Hardrocks erzeugte im Gegenteil besonders in der Mitte des Konzerts doch so einige Längen. Gerade bei einer Band, die sich bislang als recht experimentierfreudig erwies und gerne viele Brüche in ihre Songs einbaut, ist nicht wirklich nachvollziehbar, was denn nun so spannend daran sein soll, sich übermäßig breitgetretener ostinater Figuren hinzugeben, über die der Gitarrist dann zeigen darf, was er alles kann.

{image}Wesentlich erfrischender waren dann doch die Momente, in denen Portugal.The Man schneller auf den Punkt kamen und etwas mehr Ideen als nur die x-te Wiederholung eines schnöden Bluesrockriff abfeuerten, wie im Falle des ob seinem "Micky Mouse"-Backinggesang leicht an The Blood Brothers erinnernde Marching With 6 oder beim ebenso tonnenschweren wie groovenden Telling Tellers Tell Me.

Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass die Band ihren Stilmix technisch nahezu perfekt umsetzte und auch während der langatmigen Stellen mit großer Begeisterung bei der Sache war. Dennoch schien das Publikum bis zum Ende hin nicht wirklich in Wogen der Ekstase unterzugehen, sondern die Darbietung lediglich wohlwollend und interessiert entgegenzunehmen. Abschließend bleibt also festzustellen, dass den eingangs erwähnten Lobhudeleien nicht unumschränkt zugestimmt werden kann. Portugal.The Man sind sicher eine sehr gute Liveband. Ihr Auftritt an diesem Abend verpuffte allerdings, ohne durchschlagende Wirkung zu hinterlassen.

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