Nada Surf (Live Music Hall, Köln, 2008).
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Nada Surf (Live Music Hall, Köln, 2008). Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Ausverkaufte Hallen, sogar eine Konzertvelegung in eine größere Location: Nada Surf feiern ihre bis dato erfolgreichste Deutschlandtour und kommen endgültig da an, wo sie hingehören: Ganz nach oben auf den Toplisten der besten Live-Bands. "Lucky", das aktuelle Album, chartete zudem auf Platz 33. Der Tourauftakt fand in der brechend vollen Live Music Hall in Köln statt und begeisterte das Publikum. regioactive.de war mit der Kamera vor Ort.

{image}"We never played in front of so many people in cologne" kommentiert der Gitarrist und Sänger Matthew Caws den außerordentlichen Erfolg dieser Tour, der sich bei diesem Auftakt in der Live Music Hall bereits abzeichnet. Doch zuerst: Dezent verhaltene Stimmung um kurz nach 21 Uhr, als Nada Surf sich anschicken, mit ihrem Set zu beginnen. Scheinbar hatte der Supportact Rogue Wave nicht alle Anwesenden in der rappelvollen Live Music Hall überzeugen können. Doch damit ist der stärkste Punkt der New Yorker Band bereits angesprochen: Nada Surf bringen selbst das mürrischste Publikum auf ihre Seite. Sie fühlen sich scheinbar vornehmend immer Lucky, oder vermitteln dies zumindest mit ihrer Musik. Ohrwürmer mit einem "Happy"-Charakter, von den Texten nochmals unstrichen, das bietet die Band en masse und in Perfektion. Das Album heißt also offensichtlich tatsächlich so, weil es das Grundgefühl der Band in genau ein Wort fasst. Und dass die Stimmung bei dieser Band gerade live immer wieder hochkocht, unterstreicht das nur. Nada Surf bringen ihren Funken live rüber und zählen auch gerade deshalb zu einer der seit Jahren besten Live-Bands überhaupt.

Doch der Einstieg gestaltet sich in den Reihen des Publikums noch etwas verhalten. Nachdem bei den ersten Tracks vor allem What is your Secret für den ersten Ohrwurm-Schub sorgt, schieben Nada Surf hier erstmal eine Reihe neuer Songs des Albums Lucky hinterher: Mit dem Kommentar "can you stand some more new songs? but we'll get back to the old songs!" schallen Weightless, Whose Authority und Ice on the Wing aus den Boxen, also Material, das ganz offensichtlich noch nicht jeder der Gäste aus dem Stegreif mitsingen kann. Dennoch: Die neuen Songs sind frisch und können im Laufe des Abends live absolut überzeugen. Einzig See these Bones, auf dem Album der Über-Song und Opener, schwächelt im hinteren Teil des Sets etwas im Vergleich zu den "großen Hits", die Nada Surf in großer Zahl an diesem Abend abfeuern.

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Zu diesen "Hits" zählen an diesen Abend unter anderem Songs wie Always Love, Do it Again, Blonde on Blonde, Blizzard of '77, Why Are You So Mean to Me?, Concrete Bed, Imaginary Friends, All is a Game und High-Speed Soul, die mit ihren großartigen Melodien eigentlich auch jeweils einzeln in Endlosschleife erklingen könnten, ohne allzu heftige Langeweile hervorzurufen. Song für Song wächst die Begeisterung für die Perfomance der Band. Sehr gute Stimmung im Publikum dann spätestens bei Inside of Love, bei dem – obligatorisch – der "Nada Surf Soul"-Tanz vollführt werden durfte (der aus einem Sidestep nach links und einem nach rechts besteht, was dem Tanz-Obermacker D Soost wohl nur ein Lächeln abringen würde, aber so wunderbar effizient die letzten bewegungsmüden Zuhörer erfasst). Auch der neue Song I like what you say erweist sich, anders als auf Platte, als ausgesprochen catchy und einprägsam. Bei der Ankündigung zu Fruit Fly darf aufgrund der aus komplett sinnlosen Versatzstücken zusammengewürfelten Deutsch-Versuche von Matthew Caws auch mal herzhaft gelacht werden. Lucky allesamt, bei den gefühlvollen Nummern 80 Windows und Paper Boats dann mit melancholischem Einschlag und der Möglichkeit zur jeweils knapp vierminütigen Träumerei, ganz ähnlich das Gefühl bei Killian's Red. Happy Kids und Blankest Year schließlich als Mitsing-Höhepunkte und eine Stimmung, die mittlerweile zum Kochen neigte. Auch der Zugabenblock – zwei Mal lassen sich Nada Surf vom Begeisterungssturm herausklatschen – lässt nun nichts mehr abflauen, bevor der einzige "echte Hit" von Nada Surf den Abend beendet: Popular.

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Nada Surf schaffen es nicht alleine durch die ansteckende Grundstimmung ihrer Songs, den Hörer Stück für Stück zu euphorisieren. Ganz beeindruckend ist das sichere Zusammenspiel der Musiker und vor allem: Der perfekte Gesang von Matthew Caws. Hier geht kaum ein Ton daneben (obwohl Caws davon sprach, an einer leichten Erkältung zu leiden) und seine Stimme ist schlicht und ergreifend einzigartig gut. Nach wie vor agiert neben dem Hauptsongschreiber Matthew Caws der Bassist Daniel Lorca, der für den dicken tiefen Groove sorgt, alle zwei Songs eine Kippe zwischen den Mundwinkeln stecken hat und dennoch auch seinen Teil zum Backing-Gesang beisteuert. Ira Elliott an den Drums und ebenfalls Backing-Gesang ist sowieso in der Liga der besten Drummer zu finden, nicht umsonst waren Caws und Lorca selbst schon seine Fans, bevor er mit ihnen Nada Surf überhaupt erst gründete. Zusammenspiel, Songwriting und Arrangements der Drei sind so gut, dass einer an diesen Abend so gut wie gar nicht aufgefallen ist: Nada Surf hatten in Köln einen vierten Mann am Keyboard dabei. Und Nada Surf brauchen nicht die große Show, um eine entsprechend große Begeisterung zu entfachen. Im Gegenteil: Der schlichte Bühnenaufbau mit runden Spiegeln hinter den Musikern war schon von der letzten Tour bekannt und auch ansonsten gibt es zwar die ein oder anderen Rockgesten, die aber niemals übertrieben oder gar künstlich rübergebracht wirken.

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Im Übrigen konnten sich die Fans auch am Merchandising-Stand ziemlich "lucky" fühlen: Shirtpreise ab 10€ sind heutzutage überaus fair. Ein rundum gelunger Tourauftakt also.

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