Roger Cicero
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Roger Cicero Fotocredit: Gabo © Warner Music

Roger Cicero, der bekannteste Swingmusiker in deutschen Landen, ist auf Tour und erzählt auf der Bühne Geschichten aus dem Leben von Mann und Frau. In der Mannheimer SAP-Arena war das Publikum begeistert und feierte den Star. Unser Autor blickt dennoch kritisch auf den Abend zurück.

Die große Zeit der Swing-Entertainer samt ihrer Big Bands ist spätestens nach dem Tod der legendären "Rat Pack"-Mitglieder vorbei. Doch die Sehnsucht nach dieser Epoche noch lange nicht. George Clooney und Konsorten versuchen in Filmen wie Ocean’s Twelve den Geist der damaligen Zeit wieder aufleben zu lassen, Robbie Williams ließ verlauten "Swing when you’re winning" und selbst bei DSDS begeben sich die Kandidaten mehr oder weniger auf Zeitreise. Allerdings vermochte es noch niemand, richtig den Nerv zu treffen.

Einzig Robbie Williams war im Stande diese Mischung aus Coolness, Entertainment und Verruchtheit wiederzubeleben. Doch der wichtige Faktor des Gentleman-Daseins fehlte ihm, um es auf den Punkt zu bringen.

Roger Cicero ist ein Gentleman – durch und durch. Und er verfügt über genug musikalisches Talent, um in große Fußstapfen zu treten. Als Spross einer Künstlerfamilie sang er sich über kleine Jazzclubs und verschiedene Projekte hoch bis auf die Bühne des European Songcontest und ist nun ein Star der deutschen Musikszene. Auch er bediente und bedient sich der Sehnsucht nach der guten alten Zeit.

Er spielt den Gentleman, den Frauenversteher, den Macho und den perfekten Schwiegersohn, der trotz all dem Understatement stets Faxen macht und Streiche ausheckt. Mit Frank Sinatra & Co. hat das jedoch nichts zu tun. Er ist vielmehr eine Version des neuen Jahrtausends, ohne Eskapaden und Exzesse. Pete Doherty und Amy Winehouse sind auch daher so erfolgreich, da sie das so lange vermisste Gegenstück zu den aktuellen geleckten Stars darstellen.

Bezeichnend war es auch, als er sich Freitagabend auf der Bühne für das Rauchverbot aussprach. Frank Sinatra wäre das im Traum nicht eingefallen. Und es ist nicht nur das Rauchen, das ihm fehlt: auch den Klang von Whiskey in der Stimme vermisst man. So singt er auch Songs wie Zieh Deine Schuhe aus oder Frauen regieren die Welt – sozusagen die musikalische Kapitulation vor Alice Schwarzer.

Es werden kleine und vor allem harmlose Witze gemacht und noch harmlosere Anekdoten erzählt. Inhaltlich gibt es also keinen Unterschied zu jemandem wie Mario Barth. Das Motto des Abends lautete demnach auch Klischee-Reiten ohne Ende, Geschichten vom strengen Vater der ersten Freundin, über männliche Faulheit im Haushalt und die über die überfürsorgliche Mutter dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Geschlechterkampf light mit freundlicher Genehmigung von Susanne Fröhlich und Olli Geissen. Natürlich könnte man darüber hinwegsehen und es so nehmen wie es ist; das muss ja nicht jedem gefallen. Doch im Gegensatz zu Mario Barth hat man bei Roger Cicero stets da Gefühl, da geht doch noch was.

Er wäre sicherlich auch in der Lage, das Genre ohne das RTL-Feeling auf den neusten Stand zu bringen, was ihn aber eben dieses große Publikum kosten würde. Denn in Deutschland liebt man eher die Peter Alexanders, Freddy Quinns oder Herbert Grönemeyers. Harald Juhnke war da schon eine Ausnahme hinsichtlich der Außendarstellung. Auch er hatte den Vorteil aus Berlin zu stammen und eben nicht aus Bochum oder Österreich. Ein Berliner hat sozusagen einen uneinholbaren Standortvorteil, diesen spielt Cicero leider nur unzureichend aus.

Vielleicht fehlt ihm der Mut. Vielleicht aber auch das Entertainement-Talent; jenes Talent, noch die dreckigsten Witze so zu verpacken, dass sich selbst die Oma das Grinsen nicht verkneifen kann. Er bleibt aber wohl auch in Zukunft dabei sich bei Kindern und Familien anzubiedern, um so die großen Hallen zu füllen. Wirklich glücklich dürfte zumindest seine Band sein, die müssen ja nicht singen, sondern durften sich als Big Band austoben und stahlen ihrem Frontmann ein ums andere Mal die Show, was diesen jedoch nicht sonderlich störte. Er erfreute sich vielmehr daran, welches Potential er um sich geschart hat.

Mehr als zwei Stunden dauerte die Show. Roger Cicero gab alles, drehte etliche Runden durchs Publikum, kümmerte sich um die Kinder, die von übereifrigen Müttern in Anzug und Hut gesteckt wurden, um so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Das Publikum war begeistert und feierte ihren Roger permanent. Nur bis zum Autoren dieses Artikels konnte der Funke nicht überspringen. Dafür hat einfach der Whiskey gefehlt.

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