Hanoi Rocks

Hanoi Rocks

Glam-Punk. Da denkt der geneigte Pop-Historiker vermutlich zu allererst mal an die New York Dolls, die Band von so unvergessenen Helden wie David Johansen und Johnny Thunders. Und auch die New York Dolls wurden vom Re-Union-Wahn gepackt und die beiden noch lebenden Bandmitglieder Sylvain Sylvain und David Johansen entschlossen sich, mit "One Day It Will Please Us To Remember Even This" ein eher maues Comeback-Album aufzunehmen. Da half auch die Unterstützung von Michael Stipe und Iggy Pop nicht viel.

{image}Bereits 2002 entschied sich eine andere Band zur Re-Union; eine Band, die zu den ersten Schülern der New York Dolls gehörte und mit dem Gründungsdatum '79 auch schon so einige Jährchen auf den Schulterpolstern hat. Eine Band mit einer nicht minder turbulenten Historie wie ihre New Yorker Idole: Hanoi Rocks. Von den Anfängen im finnischen Helsinki bis hin zum Unfall-Tod des damaligen Schlagzeugers Razzle im Auto von Mötley Crüe-Sänger Vince Neil in L.A. und der folgenden Auflösung der Band ging es für Michael Monroe, Andy McCoy, Sami Yaffa (übrigens mittlerweile Bassist bei den reformierten New York Dolls), Razzle und Nasty Suicide genauso schnell nach oben wie ganz nach unten. Nach einiger Schützenhilfe von den Fans der ersten Stunde Guns’n’Roses, Nebenprojekten und vereinzelten Auftritten setzten sich Michael Monroe, der sich – einmal rar gemacht – schnell zur Stil-Ikone entwickelte und Andy McCoy wieder zusammen und 2002 gab es Hanoi Rocks plötzlich wieder. Und wie.

Seit der Re-Union wurden mit Twelve Shots On The Rocks, Another Hostile Takeover und Street Poetry (2007) bereits drei Studio-Alben veröffentlicht. Schön wenn Reunion noch Reunion bedeutet und nicht einen Pseudo-Abschieds-Reigen nach dem anderen. Dementsprechend war für die Band auch wieder eine in jedem Sinne ausschweifende Tour angesagt. Unter anderem im Frankfurter Nachtleben ging es also mit neuen Songs vor die Fans. Dabei stellt sich 2008 sicherlich zwei Fragen. Erstens: Wieviel Glam und wie viel Punk steckt nach all den Jahren noch in Hanoi Rocks Glam Punk, angesichts gealterter Band und gealterten Fans? Und zweitens: Wie lassen sich Songs wie Highschool oder Teenage Revolution mit Mitte vierzig ernsthaft auf die Bühne bringen?

{image}Die Antworten fallen überraschend deutlich aus. Erstens: Drei Kostümwechsel, Pailletten noch und nöcher decken den Glam-Faktor locker ab; ausrastende, ja pogende und 100%ig textsichere Familienväter sorgen für den, ähem, Punk. Zweitens: Gar nicht. Die besagten Songtitel stecken erstens in der selben Humor- bzw. Ironieschublade wie z.B. der Song Fashion und zweitens, so abgedroschen das auch klingen mag: Michael Monroe ginge heute Abend auch als Mitte 20 durch, so verspielt wirft er mit Federboas um sich, so weihnachtsbaumtauglich glänzt sein rotes Saxophon, so viel gute Laune fliegt zwischen Bühne und Zuschauerraum hin und her. Und wenn Monroe in all seiner zum Himmel schreienden Flamboyanz "Radio and MTV, You Need People Like Me" ins Mikro säuselt, dann ist man versucht, das einen Abend lang von Herzen gern zu glauben. Von Klassikern wie Tragedy, Don’t You Ever Leave Me oder Boulevard Of Broken Dreams bis hin zu den Songs des letzten Albums Street Poetry, die sich im übrigen hinter den alten Songs nicht verstecken brauchen – hier wurde etwas geboten. Nach all der Zeit ist es unmöglich zu sagen, ob Hanoi Rocks jemals besser waren, ob die Kostüme jemals heller glitzerten oder ob Michael Monroes Haare jemals besser aussahen. Aber der Titel vom ersten Album aus dem Jahre 1981, und das ist sicher, gilt nach wie vor: Bangkok Shocks, Saigon Shakes, Hanoi Rocks!

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