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In Frankreich sind AaRON Stars. Ihr Debütalbum "Artificial Animals Riding On Neverland" erreichte Goldstatus, ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft. Nun möchte die Band um Sänger und Charismat Simon Buret sowie Multiinstrumentalist Olivier Coursier auch den deutschen Markt erobern. Dafür baten sie nach Berlin in den Admiralspalast, wo sie das Publikum für sich begeistern konnten. Der Aufforderung "Stand up, feel free!" kamen die Zuschauer am Konzertende mit stehendem Applaus nach.

{image}Die Geschichte von AaRON beschreibt sich wie ein Märchen: Angefangen hat es im Kino. Sänger und Songschreiber Simon Buret sprach für eine Nebenrolle in dem französischen Autorenfilm "Keine Sorge, mir geht’s gut" vor. Er bekam die Rolle, nutzte die Gelegenheit und spielte dem Regisseur ihren Song U-Turn(Lily) vor. Dieser war begeistert und setzte das Stück prompt als Soundtrack für den Kinofilm ein. Damit waren AaRON in Frankreich schlagartig berühmt. Die Platte verkaufte sich tausendfach, ihr Album bekam in Frankreich Goldstatus. AaRON besteht jedoch nicht nur aus der Einzelperson Simon Buret. Nein, Olivier Coursier ist dabei der zweite Teil des Duos. Ein Multiinstrumentalist und der Experte für angemessene Begleitmusik am Piano und der Gitarre. Ein Duo aus Frankreich, das größtenteils in Englisch singt. Das gibt es nicht oft in Frankreich, ausgenommen einer Band wie zum Beispiel Phoenix. Allein schon deshalb darf man der Band gerne Aufmerksamkeit schenken. Die Musik kann man als psychedelischen Piano-Blues definieren, mit einem ausgeprägten Hang zu melancholischen Melodien. Schon das Albumcover vom Debüt Artificial Animals Riding On Neverland verrät diese Stimmung. Eine Nixe liegt da auf einer Wiese mit Briefen in der Hand, über ihr ein bedrohlich dunkler Himmel. Die Briefe stehen dabei für die Struktur des Albums: Jeder Song ist wie ein Brief, gerichtet an einen bestimmten, aber geheimnisvollen Adressaten, das Album wie ein Brief-Roman. Und der Himmel deutet die Düsterkeit voraus. "Musik für die Nacht", wie es Simon Buret beschreibt.

Nacht ist es auch am Dienstag im Studio des Admiralpalastes, als AaRON die Bühne betreten. Stockfinster ist der Bühnenbereich, als die ersten Klänge ihres einzigen in französisch gesungenen Songs Le tunnel d’or ertönen. Dann, ganz langsam, erwacht die Szenerie aus ihrem Winterschlaf. Scheinwerfer im Hintergrund blenden das Publikum, immer mehr Lichter fallen zusammen, so dass sich die Kegel im späteren Verlauf auch in rötliches Licht und ufoähnlichen Lichtstrahlen verwandeln werden. Olivier Coursier am linken Bühnenrand – am Piano sitzend. Auf der rechten Seite eine Gast-Cellistin namens Erika auf einem kleinen Podest und dann, in der Mitte, Simon Buret, der am Mikrofon steht und singt. Ein schlichtes Bühnenbild, in schwarz gehalten. Auch die Künstler tragen schwarz. Buret und Coursier schwarze Anzüge, die Cellistin ein Kleid. Ein Zeichen der Melancholie? Vielleicht entsprechend der Musik, aber nicht der Stimmung der Musiker.

{image}So sieht man Buret immer wieder umhertanzen, er schlägt Pirouetten, springt vom einen Bein aufs andere Bein und schäkert mit dem Publikum. "Ha, this is magic", sagt er, und breitet seine Arme zu einer pathetischen Geste aus. Darüber muss er dann erstmal selbst lachen. Auch witzig, seine Versuche beim Flaschenöffnen zu sehen: der Drehverschluss will einfach nicht aufgehen. Dabei wirkt der Sänger bei all seine Äußerungen sehr charismatisch. Er schmeichelt dem Publikum, bedankt sich vielmals auf französisch und deutsch für das zahlreiche Erscheinen und erzählt Anekdoten von der Tour ,oder er animiert das Publikum zum Mitklatschen/Mitsingen (Don’t worry/life is easy) und Aufstehen in dem mit einer Zuschauertribüne ausgestatteten Saal (Stand up and feel free). Nicht die Künstler blicken auf das Publikum, sondern das Publikum schaut von der Zuschauerrampe auf die Künstler.

Beim Tanzstil Burets kommen schnell Analogien zu Coldplays Leadsänger Chris Martin auf. Und wenn man dies mit dem wippenden Pianospiel von Olivier Coursier ergänzt, ist der Vergleich perfekt. Aber auch die Moneybrothers oder Kings Of Convenience schießen dem Zuschauer bei der seichten und sensibel gesungenen Zeile "I miss you" im Song Lost Highway ins Gedächtnis, und das zuckersüß geraunte "baby doll" im Song Beautiful Scar könnte auch von Nick Cave stammen. Mit seiner rauchigen Stimme kann Simon Buret aber auch in anderen Songs punkten. So zum Beispiel in der melancholischen Zugabe Mister K, eine Ballade über einen unglücklich verstorbenen Goldfisch, präsentiert von AaRON auf zwei Barhockern. Oder mit dem vom Publikum gefeierten und schon erwähnten leidenschaftlichen Ohrwurm U-Turn(Lily). Aber eben auch in Tanzsongs wie den Endless Song und dem O-Song, in denen er Pirouette um Pirouette dreht. Und am Schluss beehrt die Band das Publikum dann noch mit einem Cover von Leonard Cohens wunderbaren Song Famous Blue Raincoat.

{image}Das Publikum ist vom Konzert sehr begeistert, für jeden Song bekommt die Band großen Applaus. Allerdings ziert sich das Publikum lange Zeit vor dem Aufstehen und Mittanzen, stattdessen bleibt man lieber bequem auf den Stühlen sitzen. Erst als Buret vor Blow dazu aufruft "Stand up, feel free!", tut sich etwas. Das kann man Gruppenzwang nennen, aber in diesem Fall ist es gute Medizin. Denn im Tanzen lässt es sich immer noch am besten Musik genießen, auch wenn ein Großteil des Publikums nach einigen Songs, wiederum gemeinschaftlich, erneut Platz auf den Sitzplätzen nimmt. Stehenden Applaus zum Ende gibt es trotzdem.

AaRON sind also auf einem guten Weg auch hierzulande ihren Namen zu verbreiten. Das Publikum im Studio des Admiralspalast war jedenfalls begeistert und der Künstler im Großen Haus nebenan wäre vielleicht auch angetan gewesen...  Dort feierte nämlich Helge Schneider mit seinem Kabarett-und Liederabend Premiere. Zwei Gegensätze, das ist richtig, aber zwei Gegensätze ergänzen sich ja manchmal.

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