The Issue beim Newcomerfestival Rhein-Neckar 2008

The Issue beim Newcomerfestival Rhein-Neckar 2008

Zum ersten mal beim diesjährigen Newcomerfestival Rhein-Neckar überstimmte die Jury das extrem knappe Publikumsvoting (3 Stimmen Differenz) und kürte die Odenwälder Band "The Issue" vor "destophobia" zum Sieger des fünften Vorentscheids.

{image}Den Abend eröffneten in der gut gefüllten Halle 02 die Viernheimer 1fachso mit einer gnadenlosen Rock'n'Roll-Nummer, die sofort für super Stimmung bei den Fans sorgte, sogar eine kleine Kreischfraktion war anwesend. 1fachso spielen, trotz mehrfachen gegenteiligen Bekundungen des Sängers ("Wir spielen keinen Punk"),  deutsprachigen Alternative-Rock mit deutlichen Punkrock-Einflüssen, was aber sicher kein Nachteil war. Mit ihrer energetischen Bühnenshow, eingängigen Melodien und guter Gitarrenarbeit, konnten die Viernheimer jedenfalls die Stimmung im Publikum währen des gesamten Sets hochhalten. Leider hatten sie zunächst mit einem schlechten Sound zu kämpfen, was aber den positiven Gesamteindruck kaum schmälern konnte.

{image}Bereits mit der zweiten Band, The Issue aus Sensbachtal, folgte ein absolutes Highlight des Abends. Im Vorfeld bereits als Geheimtipp gehandelt, begannen die Odenwälder etwas nervös ihren Set und mussten prompt die erste Nummer abbrechen und erneut beginnen - kein Wunder, es war erst ihr zweiter Gig überhaupt und die Anspannung angesichts des großen Publikums und der beeindruckenden Bühnentechnik war ihnen ins Gesicht geschrieben. Nach dem kurzen Verstolperer ging dann aber die Post ab. The Issue heben sich mit ihrem an The Clash oder The Hives erinnernden Britrock wohltuend vom Alternative/Punk/Metal-Einheitsbrei im Newcomerbereich ab. Die Songs sprühen vor Ideen und Leidenschaft, technisch sind the Issue trotz ihrer Jugend (der Drummer ist kaum älter als 15) bereits auf einem hohen Niveau. Darüberhinaus wird das Ganze mit einer stilsicheren und sehr coolen Bühnenpräsenz abgerundet. Das Publikum, auch die Anhänger der anderen Bands inkl. der Kreischfraktion, hatten die Odenwälder jedenfalls durchweg auf ihrer Seite, es wurde getanzt und gejubelt was das Zeug hielt, sogar Zugaben wurden gefordert. Ein rundum gelungener Auftritt einer vielversprechenden Band.

Es folgten destophobia aus Mosbach, die vom Start weg mit ihrem gefälligen Alternative-Rock die gute Stimmung bei den Fans erhalten konnten. Stilistisch sind destophobia breit gefächert, es gibt klassischen Grunge sowie Metal-Einflüsse, alles sehr energiegeladen, aber auch ruhige Balladen. Vor allem bei diesen ruhigeren Stücken zeigt sich, dass die gut eingespielte Band bereits einige Routine und Reife besitzt und "Newcomer" eigentlich der falsche Begriff ist. {image}Das merkt man auch bei der exzellenten Bühnenshow und der Interaktion mit dem Publikum: destophobia zeigten auch hier keine Schwächen. Nur beackern destophobia mit ihrem Alternative-Rock ein Feld, in dem die Konkurrenz zahlreich und auch weitgehend ähnlich gut aufgestellt ist. In so einem Umfeld herauszustechen ist schwer und gelingt auch destophobia nicht wirklich. Dafür fehlt ihnen wie so vielen der letzte Tick Eigenständigkeit und Frische. Nichtsdestotrotz eine tadelloser Auftritt, der vom Publikum zurecht gefeiert wurde.

Ein ähnliches Schicksal teilen auch The Stochastics aus Neckargemünd. Auch sie bedienen sich unter dem Oberbegriff "Alternative" bei allen möglichen, altbekannten Styles und verschmelzen die Versatzstücke zu ihrem eigenen Sound. Trotzdem wird man auch hier das Gefühl nicht los, das alles schonmal irgendwo (besser) gehört zu haben. The Stochstics zieht es jedoch mehr in Richtung Punk, was der Stimmung durchaus zuträglich war. Die Band ist jünger als destophobia und so fehlt es an der einen oder anderen Ecke dann auch an Reife. Aber auch The Stochstics wissen bereits, wie man eine Party feiert und im günstigen vierten Slot hatte man dann auch keine allzugroßen Schwierigkeiten, die bereits gut angeheiterte Crowd zu rocken. {image}Zum Abschluss gab es dann noch einen etwas augenzwinkernden Metal-Brecher, bei dem kein Auge trocken blieb und der das Set würdig abschloss.

Das Feld war nun eigentlich bereitet für Kudos To Jack, dem aufgeheizten Publikum – Abwanderungserscheinungen gab es kaum – den Rest zu geben. Die Jungs und Mädels betraten in Herrenhüten die Bühne, was zu ersten leichten Irritationen führte. In der Folge mühten sich die Karlsruher mit einer bunten Mischung aus Rock, Pop und Funk redlich, für Stimmung zu sorgen, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen. Man verlegte sich eher aufs Zuschauen und Zuhören. Kudos to Jack sind ihre Wurzeln als Coverband deutlich anzuhören. Sie spielen zwar eigenes Material, das aber zu beliebig und zusammengeschustert klingt. Eine eigene Handschrift fehlt. Man versucht mit Punk- und Grungeelementen Härte ins Spiel zu bringen, die nimmt man den sympathischen jungen Leuten aber nicht ab: es klingt an diesen Stellen zu gewollt. Positiv hervorzuheben sind die exzellenten weiblichen Vocals der gut eingespielten Band sowie die perfekt einstudierte Bühnenshow. {image}Kudos to Jack machen auf Schul- oder Vereinsfesten sicher Bombenstimmung, aber in der Halle 02 waren sie an diesem Abend fehl am Platze. Unterm Strich eine professionell durchgezogene Show ohne erkennbare Schwächen, die das Publikum leider nicht so recht begeistern konnte.

Bei der anschließenden Publikumsabstimmung konnten destophobia aus Mosbach drei Stimmen mehr erzielen als The Issue. Die Jury enschied sich angesichts dieser hauchdünnen Abstimmung jedoch für die vielversprechenden jungen Odenwälder, deren unverbrauchte Frische einen Tick besser zu überzeugen wusste. Somit stehen The Issue als Sieger des Abends fest und ziehen ins Finale ein.

 

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