ZiggyHas & Debúsy D´Eeper

ZiggyHas & Debúsy D´Eeper © mbwteyp gbr

Sie sind einer der heißesten jungen Acts aus der Popstadt Mannheim und waren unter den ersten Abgängern der Popakademie. Seitdem begeistern sie bei unzähligen Livegigs, u.a. bei Rock am Ring 2007, die Fans mit ihrer schrägen, ganz eigenen Art. Im Interview äußert sich Sänger Ziggy zu Popakademie und Mannheimer Szene, zum Musikbusiness und zur Selbstvermarktung mittels Web 2.0.

{image}Ihr wart nun also unter den ersten Abgängern der Mannheimer Popakademie und seid mit Sicherheit auch eines der erfolgreichen Aushängeschilder mit vielen eingeheimsten Preisen und einer unüberschaubaren Anzahl an deutschlandweiten Livegigs. Mit dem bisschen Abstand, das ihr nun habt - wie schätzt ihr die Jahre an der Mannheimer Popakademie für euch persönlich ein?

Die Zeit war sehr wichtig für uns und MBWTEYP würde es sonst so und in dieser Konstellation einfach nicht geben, weil wir uns dort erst vervollständigt haben. Wir konnten uns 3 Jahre voll und ganz auf unsere Musik und unsere Band konzentrieren. Wir haben viele gute Musiker kennen gelernt, viele Herangehensweisen aufgesaugt und einfach außerhalb und im Studium viel Musik gemacht, gehört und gesehen. Das war alles wichtig für uns und unsere eigene Herangehensweise und Entwicklung. Diese hat sich dann schließlich als die „Wir machen alles anders“-,  die „Wir machen was wir wollen“- und die „Wir machen einfach soviel wie möglich selbst“-Strategie herausgestellt. Man kann dort nicht und auch sonst nirgends lernen Rockstar zu werden, aber man kann sich die bisherigen Strukturen ansehen und feststellen, dass es so nicht geht bzw., dass es nicht gut für die Musik ist und dann etwas ändern und sich von Meinungen und „festen“ Regeln zu neuen Wegen inspirieren lassen! Musikalisch und was das ganze Business angeht.

Da ihr es von Anfang an erlebt habt: Gab es im Laufe eurer Studienzeit spürbare Verbesserungen in der Hafenstraße, zum Guten oder zum Schlechten?

Es entwickelt sich ständig weiter. Es ist ja wirklich noch eine junge Geschichte. Für uns ist dort schon eine Menge besser gelaufen als für den ersten Jahrgang und der nächste hat sicherlich noch mal bessere Angebote und Möglichkeiten. Die Popakademie an sich hat aber auch noch einige Fehler. Ist ja ganz normal. Die Institution ist ja in Deutschland Pionier was das angeht und wird sich hoffentlich immer wandeln und entwickeln.

Ihr seid extrem viel on Tour. Was ist euer Eindruck, wie das Konzept des Mannheimer Modells und insbesondere die Popakademie nach außen ankommt?

{image}Auf das Mannheimer Modell werden wir in diesem Sinne nicht angesprochen. Wenn überhaupt, dann geht es um die Popakademie. Manche finden sie toll und interessant und andere finden sie irrsinnig und scheiße. Es herrscht auf beiden Seiten viel Viertel- und Halbwissen. Wenige setzen sich damit auseinander und sehen darin das, was es ist: Eine Institution, die Musikern aus allen Sparten einen Punkt zum Zusammenkommen und Musikmachen bietet. Sie sehen etwas unheimlich kommerzielles und negatives darin. Für mich war es eine gute Stelle, um dort die Vision von meiner Traumband zu festigen und zu realisieren. Ich wollte und will Musik machen und nichts anderes und kann sagen, dass ich das Vorhaben dort mit Erfolg umgesetzt habe. Im Endeffekt kommt es auch nur darauf an, was man für sich rausholt und was man daraus macht; wie in jedem künstlerischen Studium. Man bekommt nichts geschenkt, wie viele meinen.

Wollt ihr denn Mannheim überhaupt die Treue halten, jetzt, nachdem ihr den quasi offiziellen Teil eurer Musikerlaufbahn hinter euch gelassen habt? Es gibt ja einige Beispiele an Künstlern, die teils nach sehr kurzer Zeit, teils nach mehreren Semestern weitergezogen sind; z.B. Wallis Bird nach London oder Marc Florian Friedrich, der sich 2007 im "Musiker Magazin" sehr negativ über das Mannheimer Modell geäußert hat? Was also hält euch? Gibt es eine Stadt, die für euch eine Alternative darstellt?

Der offizielle Teil ist vorbei? Es fängt doch grade erst alles an. Mannheim ist uns sehr ans Herz gewachsen. Wir sind gerade schon fast alle umgezogen, aber innerhalb der Stadt. Was ja alles schon Antwort genug ist. Wir werden die nächsten 1-2 Jahre hier verbringen und unsere Basis hier behalten. Mannheim liegt sehr zentral in Deutschland, nahe an Frankreich und nah am Frankfurter Flughafen. Wir kommen schnell und billig überall dorthin, wo wir hin wollen, was es uns ermöglicht viel zu spielen. Nicht zuletzt fühlen wir uns hier auch angenommen. Es gibt sogar Mannheimer, die stolz auf uns sind. Außerdem kommt jedes Jahr eine neue Hand voll guter und neuer Musiker in die Stadt, was ich persönlich als überdurchschnittlich interessant empfinde. Große Städte wie Berlin und Hamburg haben zwar definitiv ihren Reiz, weil da schon noch um einiges mehr passiert, aber momentan fühlen wir uns hier auch einfach wohl.

Hattet ihr in den vergangenen Jahren das Gefühl, dass es für die Mannheimer Bandszene – nicht nur für die Popakademie-Bands – genug Auftrittsmöglichkeiten in der Region gab?

{image}Ganz und gar nicht. Aber das Problem ist ja allen bekannt. In allererster Linie braucht Mannheim eine intensivere Live-Kultur, also Clubs und Publikum. Letzteres entwickelt sich dann von selbst, wie zum Beispiel die Lautstark-Parties oder die „Rock im Quadrat“-Reihe zeigen. Ulm passt 3 bis 4 Mal in Mannheim, hat aber 3 bis 4 Mal so viele kleinere Live-Clubs. Da geht der Mensch in der Woche auf mehrere Konzerte von kleinen Bands. Hier gibt’s nur relativ wenige Konzertgänger, weil die Leute das nicht gewohnt sind. Uns gibt es jetzt in dieser Form seit 3 Jahren. Erst seit ein paar Monaten haben wir in Mannheim so etwas wie eine „Fanbase“. In unserer eigenen Stadt! Als kleine, einheimische Band aus der eigenen Stadt raus zu kommen, um Bühnenerfahrung zu bekommen und sich weiterzuentwickeln, ist wirklich nicht einfach, aber hier der einzige Weg. Keine kleineren Clubs – keine neuen Bands. In Städten mit vielen Bands ist der musikalische Horizont um einiges breiter, weil sie sich gegenseitig inspirieren und anspornen. In Mannheim gibt’s viele kleine Szenen, aber die agieren leider alle abseits voneinander. Die kennen sich hier oft noch nicht mal, weil es keine Auftrittsmöglichkeiten und keinen Austausch gibt. Ohne eine lebendige Live-Szene und die Bands macht das Mannheimer Modell für mich leider immer noch keinen wirklichen Sinn. Weder für Popakademie-Bands, noch für die anderen Bands, weil alle sehen müssen, wie sie so schnell wie möglich die Stadtgrenzen überschreiten können.

Ihr habt eine Selbstvermarktungsstrategie gewählt, die viele Wege der digitalen Medien nutzt. Ihr seid auf myspace bis regioactive.de vertreten und habt erst kürzlich eine ausgesprochen umfassende eigene Webseite gestartet, die unter anderem ganz im Web2.0-Stil den Pussy-relevanten, über das ganze Netz verstreuten Content bei euch bündelt. Wie kamt ihr auf diese Idee? Steht dahinter ein an der Popakademie an die Studenten vermitteltes Konzept?

{image}Ich muss bei dieser Frage schon etwas schmunzeln. Nur zu gern würde ich uns als von Business-Studenten und -Dozenten zusammengeschustertes Experiment der Pop-Wissenschaft outen, wie es die gesamte kritische Außenwelt gern sehen und hören würde. Mich nervt diese Vermutung auch nicht mehr wirklich, weil es ja so nahe liegt und man einer Band wahrscheinlich auch gar nicht zutraut, dass sie alles was sie ist und macht selbst schafft. Selbstvermarktungsstrategie übersetze ich jetzt für mich mal so, dass wir sechs Personen sind, die alles was geht in die eigenen Hände nimmt, um sich eine künstlerische Freiheit zu bewahren und in erster Linie viel tut und macht und plant und überlegt was und wie sie will. Wir sind sehr Internet-affin. Wahrscheinlich auch hauptsächlich deshalb, weil man durch das Netz die Möglichkeit hat, viel selbst und mit wenig Geld zu tun. Kaum eine Newcomer-Band nutzt das Internet aus, was mich wirklich erstaunt. An der Popakademie hat uns mit Sicherheit niemand erklärt, dass man Rockstar wird, wenn man sich einen eigenen Online-TV-Sender, zwei Radiosender und ein Magazin aufbaut und alles mit einer Menge Kreativität und Musik füllt. Das Musikbusiness ist ein teilweise wirklich ekelhaftes Business. Wir haben von Anfang an versucht sehr kreativ an dieses Business heranzugehen und es in unser „Gesamtkunstwerk“ mit einzuschließen, also auf welchem Weg wir bekannter werden wollen. Die Web2.0-Geschichte ist für uns so interessant, weil man auf der Seite einfach vom zerfetzendsten Blog bis zum unvorteilhaftesten Bild alles über und von uns findet. Ehrlicher geht’s nicht und wir haben es uns noch mit wirklich gar nichts einfach gemacht. 

Für den Launch der Seite habt ihr mit einem Designer zusammengearbeitet, der auch anderweitig in der Szene unterwegs ist. Wäre das für euch ein Beispiel, das ihr ganz konkret nennen würdet, spräche man euch auf das Thema der Vernetzung innerhalb des Mannheimer Modells an?

Götz Gramlich (gggrafik.de) ist meiner Meinung nach einfach der Beste in der Umgebung. Ich hab mich schon in den ersten Flyer, den ich vor Jahren für die S.u.i.t.e gesehen habe, verliebt und so geht es mit Sicherheit vielen Leuten hier. Ich weiß nicht an wie vielen Küchenwänden ich die schon hängen gesehen habe. Wir haben ihn einfach angesprochen und gefragt, ob er Lust auf die Band, unsere Philosophie und unsere Idee für eine Website hätte. Hatte er. Wir haben dann wirklich lange und intensiv daran gearbeitet und er und seine Kollegen haben, wie nicht anders erwartet, unglaubliche Arbeit abgeliefert. Wir werden mit Sicherheit noch weiter miteinander arbeiten. Ich würde es als eine Zusammenarbeit mit einem „heimischen“ Künstler bezeichnen. Wenn dies das ist, was das Mannheimer Modell darstellt, dann ist ja alles gut.

Wie seht ihr diese Vernetzungsstrategie des Mannheimer Modells aus eurem Blickwinkel mit der Popakademie im Fokus? Trägt sie Früchte, von denen ihr profitieren konntet?

{image}Besonders am Anfang ist die Popakademie und das damit verbundene bundesweite und auch internationale Netzwerk sehr hilfreich gewesen. Die Popakademie präsentiert sich ja an allen möglichen Orten und bietet dadurch einfach die ersten Gigs für Bands, die dort studieren oder sich dort gründen. Jeder Gig bringt irgendwas und im besten Fall einen weiteren Gig. Man muss natürlich darauf achten, so schnell wie möglich auf den eigenen Beinen zu stehen und den Absprung von der Popakademie zu schaffen. Das war bei uns relativ schnell der Fall, da wir durch Bandwettbewerbe und viele Shows schnell eine eigenständige Band waren. Manchmal kommt es noch dazu, dass uns Udo Dahmen irgendetwas interessantes vermittelt, wofür wir natürlich sehr dankbar sind. Uns haben vor allem auch die Kontakte durch Mitstudenten weitergeholfen. Des Weiteren ist Sebastian Dresel wirklich sehr engagiert. Wir laufen uns öfters mal über den Weg und er bietet seine Hilfe in allen möglichen Bereichen an. Von einer weiteren Vernetzung, im Sinne des Mannheimer Modells, haben wir eigentlich nicht übermäßig viel mitbekommen.

Euer Album steht seit 2007 in den Startlöchern. Wie ist der Stand, was Verhandlungen mit Labels angeht? Was hält euch davon ab, in die gängigen Strukturen einzusteigen oder anders gefragt: Wie sieht eure eigene Strategie für die nähere Zukunft aus?

Es ist unser erstes Album. Bisher hatten wir ja nur unsere Demo-EP von 2005, unser legendäres und mittlerweile auf dem Photopapier-Plus-Status gelandetes „Don’t Tell A Soul“-Mäppchen. Es gibt einige interessierte und interessante Optionen, was unser Debütalbum und uns angeht. Wir haben für uns noch keinen Weg manifestiert und auch noch keinen Weg ausgeschlossen. Die Entscheidung, ob mit externer Plattenfirma oder eigenem Label ist noch nicht gefällt. Wenn sie gefallen ist, erzähle ich mehr über den Masterplan und dann unterhalten wir uns am Besten auch mal über Musik!

 

[Dieser Text erschien ursprünglich im Musikbranchenbuch Mannheim & Region 2007/2008.]

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