Epica (Knock Out Festival 2008)
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Epica (Knock Out Festival 2008) Fotos: Marcel Benoit © regioactive.de

Wow, was für ein Festival! Am Samstag den 12. Januar fand in der Europahalle Karlsruhe zum zweiten mal das Knock Out Festival statt. Sowohl die Fans von gepflegtem "Old School"-Metal als auch Gothic-Anhänger wurden nicht enttäuscht. Auf dem Programm standen die Bands Epica, Axxis, Gamma Ray, Paradise Lost, Helloween und Within Temptation. Zusammen ergab das einen ungefähr achtstündigen Konzert-Marathon.

Nach langer Wartezeit in einer ca. 1000 Meter langen Schlange war der Eingang endlich erreicht und los ging's mit den Gothic-Metalern von Epica. Man mag ja zu solcher Mucke stehen wie man will, für die einen ist es einfach kein Metal, für die anderen eine interessante Nische innerhalb des Genres. Die Veranstalter haben sich jedenfalls generell darum bemüht, einen Mix aus Gothic und Heavy Metal für das Festival zu finden.

Faszinierend ist bei Epica vor allem, dass die Band zwei (!) verschiedene Gesangsstile kultiviert, bei denen man kein Wort versteht. Da ist zum einen der sehr hohe, vom Klang her schöne, Gesang von Simone Simons und zum anderen das Gegrunze von Bandgründer Mark Jansen. Theoretisch eigentlich eine nette Stilmix-Idee, aber in der Umsetzung schwer erträglich für ungeübte Ohren. Jansen sollte weniger gurgeln, sich auf seine Gitarre konzentrieren und das Singen Simons überlassen, dann wäre Epica auch für Sonnenlichtfreunde erträglich. Auf jeden Fall kann Frau Simons sehr graziös headbangen (im Helikopter-Style) und hat eine gute Bühnenpräsenz.

Relativ früh musste man feststellen: die Europahalle braucht mehr Personal, vor allem am Bierstand. Die Studenten im Security-Shirt wären hinter der Theke besser aufgehoben gewesen. Böse Vermutung: sie werden bei einer Prügelei als Kanonenfutter verheizt.

Nach Epica traten Axxis auf. Was der stets durstige Redakteur nach dem Kampf am Bierstand noch von Axxis mitbekommen hat, war durchweg positiv. Motivierte Sänger, eine tolle Show, ein satter Sound – einfach eine Reihe von prima Songs für Hardrock-Fans der alten Schule. Sänger Bernhard Weiß wirkt zwar ein wenig wie der Wolfgang Petry des Metal, geht auf der Bühne aber ordentlich ab.

Auch wer nichts von Axxis erwartet hat, war zumindest von der Professionalität und Souveränität des Auftritts überrascht. Außerdem war die aus Rumänien importierte weibliche Unterstützung stimmlich hervorragend. Spätestens beim Klassiker Living in a World, der bei keinem Live-Konzert von Axxis fehlen darf, wackelten reihenweise die Köpfe.

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Bei Gamma Ray wurde es dann richtig eng in den vorderen Reihen. Doch das muss so sein, denn Gamma Ray sind einfach genial, vor allem live! Das Knock Out Festival kann sich glücklich schätzen, dass Gamma Ray und Helloween auf ihrer "Hellish Rock"-Tour auch in Karlsruhe Halt gemacht haben. Frontmann und Ex-Helloween Sänger Kai Hansen ist ein absoluter Garant für gute Laune.

Songs wie New World Order, Rebellion In Dreamland und eine fantastische Performance des Helloween-Klassikers Ride The Sky rockten die Halle ordentlich. Auch einige Lieder vom neuen Album Land of the Free Pt. II durften nicht fehlen. Leider war die Zeit für den Auftritt extrem knapp bemessen und dafür war die Liederauswahl doch nicht ganz perfekt. Schmerzlich vermisst wurde unter anderem die Live-Granate Blood Religion.

Nach einer viel zu langen Umbauphase und einem ewigen Soundcheck kam Paradise Lost on stage. Die lange Vorbereitung hat anscheinend nichts gebracht, denn der Sound war bei diesem Auftritt eher mäßig. Sänger Nick Holmes gestikulierte permanent Richtung Tontechniker, dieser konnte oder wollte aber nichts machen. Zudem – oder vielleicht gerade deshalb – wirkte die Band sehr unmotiviert und gelangweilt. Selbst Top-Titel wie As I Die und Erased brachten kaum Stimmung ins Publikum.

Einen kurzen Emo-Moment hatte Holmes, als er einige Fans mit Helloween-Shirts in der ersten Reihe entdeckte: "You wanna see Helloween? Yes? Don't worry, you don't have to wait too long!" Nachdem sie ihre Songs schlecht gelaunt heruntergerattert hatten, verschwand die Band auch in Windeseile von der Bühne und weigerte sich vehement, eine Zugabe zu spielen. Sehr schade!

Helloween war gleichzeitig der Headliner und das Highlight des Abends. Auch wenn der aktuelle Sänger Andi Deris in Fan-Kreisen anscheinend nicht besonders beliebt ist, lieferte die Band einen erstklassigen Auftritt ab. Schon die aufwendige Bühnendeko mit einer riesigen Koboldfigur neben dem Schlagzeuger und großen Kürbissen links und rechts von der Bühne sah prima aus.

Die Songauswahl war mit vielen Klassikern, unter anderem Eagle Fly Free, March of Time, If I Could Fly, Future World, Dr Stein und A Tale That Wasn’t Right perfekt getroffen. Zudem hatten die Kerle eine geniale Bühnenshow auf Lager und Smoke On The Water von Deep Purple mit Gitarre spielenden Zwergen und Schlumpfstimmen zu bringen, war verdammt witzig. Als dann noch Gitarrist Michael Weikath mit einer Plastikkanone auf die Bühne kam und die Zwerge nacheinander abballerte, grölte und jubelte die ganze Halle.

Darauf folgte eine kurze Jam Session mit Gamma Ray, bei der die Kracher Future World und I Want Out abgefackelt wurden. Eine spitzen Idee, die beim Publikum auch super ankam.

Vor Within Temptation wurde die Halle plötzlich ziemlich leer, da ein Großteil des Publikums nur wegen Gamma Ray und Helloween angereist war. Nachdem die Fans bereits fast sieben Stunden Konzert hinter sich hatten und die Hälfte davon in der Schlange am Bierstand verbringen mussten, war vielen der Auftritt um 23:30 außerdem offenbar zu spät.

Trotzdem traten die Co-Headliner mit einer unglaublichen Spielfreude auf und lieferten eine gelungene Performance ab, obwohl einer der Gitarristen fehlte. Sängerin Sharon den Adel machte eine sehr gute Figur auf der Bühne und ist auch live ein echtes Stimmjuwel. Within Temptation verpasste dem Festival einen guten Abschluss und machte nicht nur die Gothic-Fans in der Menge glücklich.

Nebenbei sollte man die orientalisch angehauchte Tanzgestik der Sängerin mit ihrer stark hypnotisierenden Wirkung nicht verpasst haben. Da die Songtexte durch den sehr hohen Gesang etwas schwer zu entschlüsseln waren, wurde zudem die ein oder andere schmunzelnde Erinnerung an den Fishmaster von Nightwish geweckt. Die früheren Charterfolge Mother Earth und Ice Queen sollte aber jeder erkannt haben.

Alles in allem ein klasse Festival mit einer guten Bandauswahl ohne totale Tiefpunkte, aber einigen Schwächen beim Service und der Tontechnik. Wenn diese Kritikpunkte bis nächstes Jahr ausgemerzt werden, steht einem perfekten Knock Out Festival 2009 nichts mehr im Wege.

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