Jacky (Newcomerfestival Rhein-Neckar 2007/2008, 4. Vorrunde)
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Jacky (Newcomerfestival Rhein-Neckar 2007/2008, 4. Vorrunde) Fotos: Rudi Brand © regioactive.de

Die vierte Vorrunde des Newcomerfestival Rhein-Neckar 2007/2008 war ein kurzweiliges, spannendes und hochklassiges Konzerterlebnis. In einer knappen Entscheidung, bei der Publikum und Jury fast auf einer Linie lagen, konnten sich am Ende Jacky durchsetzen.

{image}350 Gäste lockte die vierte Entscheidungsrunde in die Alte Feuerwache nach Mannheim. Und das, obwohl der Abend "auf dem Papier" nicht sonderlich abwechlungsreich zu werden schien: Fünfmal Rockmusik stand auf dem Programmzettel, gleich die ersten vier Bands noch dazu in der exakt gleichen 4-Mann-Besetzung mit Schlagzeug, Bass, Leadgitarre und Gitarre/Gesang. Was dem Umbau zwischen den Sets sicher erheblich vereinfacht, kann der Spannung und Abwechslung auch mal gerne im Wege stehen. An diesem Abend jedoch nicht!  Nachdem alle Bands ihre Auftritte absolviert und jeweils ihre eigenen Stärken, Schwächen, Charaktere und Stilistiken präsentiert hatten, fiel es nicht nur der Jury schwer, nur eine der Fünf in das Finale des Festivals ziehen zu lassen.

Wie mit einem Paukenschlag eröffneten die Popakademiker Bakkushan den Abend und rüttelten das Publikum wach. Springwut und Zeit sich zu bewegen waren nicht nur die herausragenden Songs des Sets, sondern auch eine Aufforderung, der nach und nach mehr Zuschauer nachkamen. Mit ihrer auf allen Ebenen ausstrahlenden Professionalität legte die Band die Messlatte für alle nachfolgenden Acts recht hoch: zweistimmiger Backgroundgesang, tolle Arrangements und Dynamik, solides Spiel, selbstbewusstes Auftreten, jazzige Einwürfe und Mitsing-Parts zeichneten den deutschsprachigen Alternative-Poprock von Bakkushan aus. Nun galt es für Red Adaire, die im vergangenen Jahr Trail of Dead in der Feuerwache supportet hatten, mit ihrem Stoner-Rock nachzulegen. Doch die ersten Songs waren von Nervosität und Unsicherheiten geprägt, kleine Schwächen im Groove und Zusammenspiel waren die Folge, der Gesang lag leider des Öfteren daneben. Glücklicherweise konnten Red Adaire dies noch abstellen, denn ab dem Song The Real Deal spielten sie ihre Stärken voll aus: Power im Sound und kraftvoller Groove, ganz im Stil von Bands wie den Queens of the Stone Age, waren nicht die einzige Belohnung dafür, denn auch im Publikum liess man sich nun nur allzu gerne auf die ersten Pogo-Runden des Abends ein.

{image}Einerseits war nun die ideale Vorlage für Jacky bereitet, andererseits: Was konnte nach zwei so hochwertigen Bands noch kommen? Eine technisch versierte Popakademie-Band hatte vorgelegt, eine kraftvolle Gruppe, die sich schon mit internationalen Größen die Bühne teilte, hatte nachgelegt. Es bedurfte nun schon einer perfekten Rockshow, um sich die Chance auf das Finale zu wahren. Und tatsächlich: Jacky boten nicht nur das, sondern sie lieferten die ultimative Rockshow ab. Gab es bei Bakkushan die erste Bewegung im Publikum, bei Red Adaire dann den ersten Pogo, so gab es bei diesem Auftritt auch in diesem Sinne nur noch eine Möglichkeit zur Steigerung: Der erste Stagedive. Jacky eroberten das Publikum aber nicht nur von der Bühne aus. Die beiden Gitarristen enterten es sogar, um mit gekreuzten Äxten, drehen und spielen auf dem Hallenboden und mit dem Klampfen der Gitarren hinter dem Kopf so ziemlich jede erdenkliche Rock-Pose abzufackeln. Frontman King W. Rock beweist sich hier ganz besonders als Rampensau, während Bassist und Drummer in einer unglaublichen Sturheit den Groove halten und die wilde Show damit überhaupt erst ermöglichen. Alles passt hier zusammen, besonders die Bandmitglieder untereinander, und das ist deutlich zu spüren: Authentischer kann man Rock'n'Roll wohl kaum auf die Bühne bringen. Fast vergisst man, dass die Musik bis auf die deutschen Texte zwar wenig innovative Elemente bietet – jeder kennt den Rocksound von Led Zep über AC/DC bis zu den anderen Größen des Genres –, Jacky aber neben der ganzen Show auch einfach richtig gute Songs darbieten. Summa Summarum: Jacky sind eigentlich eine Pflichtbuchung bei jedem Event, das sich "Rock" auf die Fahnen schreibt. "Hier wird nicht philosophiert, sondern gerockt!" lautet ihr Motto. Nicht mehr, aber auch nicht weniger gab es von den vier Musikern aus Mannheim und Viernheim an diesem Abend in Perfektion.

{gallery 3,5}Wahrscheinlich hätten an dieser Stelle des Abends sogar Jackys Vorbilder persönlich ihr Set spielen und nur mit Mühe die Show übertreffen können. Baxter fiel es aber so schwer nicht, die gute Stimmung zu ihrem eigenen Auftritt herüber zu retten. Ihr College-Punk mit eingängigen Melodien im Mitgröhl-Format ist hervorragend dazu geeignet, bei den Fans des Genres für Hochstimmung zu sorgen, wenn eine der frühen CDs von Green Day oder Weezer gerade nicht zur Hand ist. Selbstsicher, solide, groovig und mit viel Spaß an der Sache brachten sie ihre Songs in die Gehörgänge der Festival-Gäste. Ein außerordentlich gutes Line-Up, das auch 3500 oder mehr Besucher verdient gehabt hätte. Das hätte dann auch zu Reflexx' Genre-Selbstbezeichnung "Stadion-Rock" gepasst. Die Band aus Mannheim bot durch ihren Sänger den ersten Wechsel in den Band-Besetzungen des Abends, aber leider auch einen Auftritt, der nach dem vorherigen Vier nicht mehr ganz so sehr mitreißen konnte. Nichtsdestotrotz lieferten auch die beiden Reflexx-Gitarristen eindrucksvolle Soli und soliden Rock. Gleichzeitig funktionierte die Band als Ganzes aber nicht so sehr als Einheit, wie es den anderen gelungen war.

{image}Nun war es Publikum und Jury an der Zeit, diesen Abend unter Contest-Gesichtspunkten zu bewerten, zu diskutieren und eine der fünf Bands zum Gewinner zu machen. Ganz offensichtlich war ja aber der Abend und alle Bands "ein Gewinner". Jeder Zuschauer hatte ein fantastisches Konzert erlebt. Dementsprechend knapp wurde die Entscheidung: Die Jury hatte mit 2:1 Stimmen Bakkushan vor Jacky gewertet. Sie wollte eigentlich beide Bands weiterkommen sehen – aber das dies natürlich nicht möglich war, gab die Publikumswertung den endgültigen Ausschlag: Jacky waren hier deutlich vorne und konnten sich damit verdientermaßen durchsetzen.

 

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