The Violets

The Violets

The Violets benötigen hierzulande wohl noch einer Vorstellung. Das neue heiße Eisen aus der Angular-Records-Talentschmiede machte sich zu diesem Zweck auf, um jenseits des Kanals auf sich Aumerksam zu machen.

Mit wem haben wir es hier nun zu tun? Da wäre zunächst einmal Gitarrist Joe Daniel, der im November bei Klaxons den unpässlichen Jamie Reynolds am Bass ersetzen durfte, auf den der Legende nach der Begriff „New Rave“ zurückgeht. Zudem ist Joe Daniel Mitbegründer des britischen Angular Labels – Sprungbrett für namhafte Bands wie Bloc Party, Art Brut, besagten Klaxons und den Long Blondes. Sängerin Alexis McCloed, lautstarkes Aushängeschild der Band und stilistische Image-Punktlandung der Violets, darf sich Referenzen zu Siouxsie Sioux und Karen O gefallen lassen. In der Tat liest sich das, was zur Zeit gerüchteweise über den Kanal schwappt wie die begeisterten Wasserstandsmeldungen, die seinerzeit über die Frontfurie der New Yorker Band mit den drei Ypsilons zu lesen war. Auch Drummer Andrew Moran stammt aus dem New Cross-Dunstkreis rund um Angular Records. Keine Frage, hier hat jemand einen (noch jungen) Ruf zu verlieren.

Am 26. November veröffentlichten die drei nun ihr erstes Album, dass auf den Namen The Lost Pages hört, stampft und art-rockt. Nur zwei Wochen später dann Tourstart in Europa. Am 1. Dezember trafen The Violets im Karlsruher KOHI ein und schickten sich an, den Erwartungen gerecht zu werden.

Gänzlich unvoreingenommen lässt sich dieser Band bei all den Referenzen nur schwerlich gegenüber treten. Und natürlich würde an diesem Abend im Kohi jeder gerne sehen, wie Alexis McCloed einem Ausraster nach dem anderen hingibt, dass Joe Daniel mehr ist, als ein begabter Gitarrist. Anständig brennen möchte heute Abend allerdings nur Drummer Andrew Moran. Das langt die allgemeine Stimmung nicht direkt an und Songs wie die Single Troubles of Keneat oder das Hitchcock-beeinflusste Foreo sorgen vor der Bühne für ansehnliches Bewegungspensum. Doch auch wenn McCloed das ein oder andere Mal die Seiten wechselt und ins Publikum eintaucht, die Grenze zwischen Bühne und Zuschauerraum bleibt unangetastet.

Es gibt Abende, an denen läuft es einfach nicht. Und ohne das dafür konkrete Gründe benennbar wären, bleiben Band, Musik und Publikum auf dem Level der Summe einzelner Teile zurück. Hier spielt eine Band, Leute hören zu, tanzen und trinken. Den Violets gelingt es leider nicht, sich selbst und ihr Publikum dem Beschreib- und Sichtbaren zu entziehen, das Besondere zu schaffen. Am Ende steht man etwas ratlos und nur mäßig befriedigt vor einer sehr schnell sehr leeren Bühne. Das der Funke heute nicht recht springen wollte, scheint auch die Band selbst zu ahnen. Etwas irritiert über die geforderte Zugabe gibt es noch einen Nachschlag, bevor es wieder Backstage geht. Keine zwei Minuten später spricht sich herum, die Band sei nicht zufrieden mit ihrem Auftritt. Man wolle noch ein drittes Mal auf die Bühne und diesmal richtig. Gesagt, getan, zwei Bonus-Songs als kleines Sahnehäubchen auf einem mäßigen Törtchen, sozusagen. The Violets wollen, sie wollen sogar unbedingt. Allein, heute Abend soll es nicht sein. Auch die Extra-Zugabe versetzt niemanden mehr in Ekstase. Alexis McCloed, Joe Daniel und Andrew Moran haben ihr möglichstes versucht und es war nicht vergebens. Das Problem: Man ahnt, sie können es besser. Viel besser. So gesehen ist das nicht der schlechteste Eindruck den eine Band vermitteln kann. Vielleicht beim nächsten Mal.

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