Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn

Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Ende der letzten Woche stand die erste Entscheidung beim Newcomerfestival Rhein-Neckar an. Alle 5 Bands zeigten sich von ihrer besten Seite, doch am Ende konnte sich nur eine durchsetzen: Fall in Grace mit ihrem "New Rock".

Den Abend eröffneten die Deutsch-Rapper von Armada eine halbe Stunde später als geplant. Zuerst hatten sich erst wenige Gäste in der Halle-02 eingefunden, was sich allerdings noch ändern sollte. So hatten Armada auch ihre Chance nicht nur der Jury, sondern auch dem Publikum mit breiten Beats und witzigen Texten einzuheizen. Sie erfüllten die Rolle als Opener des Abends souverän und zeigten keinerlei Nervosität. Anders bei der zweiten Band, dem Pantano Soundsystem. Ungleich komplexer allerdings auch das Line-Up der Band: Für ihren ordentlichen Ska dürfen selbstverständlich die Bläsersektion, Gitarre, Bass und mehrstimmiger Gesang nicht fehlen. Trotz der merklichen Aufregung bei den Musikern konnte die Band die Stimmung im Publikum hochhalten. Kleinere musikalische Schwächen zeigten sich vor allem bei der Rhythmussektion, doch wenn diese Band weiter an sich arbeitet, dann darf man sich zukünftig auf absolute Konzerthighlights freuen.

Kompletter Stilwechsel dann wieder zur nächsten Band: Hecuba setzten Emo-Core auf die Tagesordnung. Mehrstimmiger Gesang, Gitarrenbrett, Power-Rhythmen und vor allem aber das souveräne und professionelle Auftreten der Musiker bereiteten allen Zuschauern eine Menge Spaß. Besonders heikel für die Gruppe war es, dass sie ihren Bassisten ersetzen mussten. Doch diese Rolle übernahm der Sänger gleich mit, ohne, dass man etwas zu vermissen oder zu bemängeln gehabt hätte. Die lautesten Fans hatten die Spaßrocker von Hitchhikejack mitgebracht. Sie boten ihnen und dem Rest der Anwesenden aber leider nur Rock auf kreativer Sparflamme. Einzig der nach der Band benannte Song, den sie gegen Ende ihres Sets spielten, zeigte, dass da irgendwo doch auch Potenzial schlummert. Den Fans gefiel es so oder so und sie feierten ihre Stars des Abends. Schade nur, dass sie sich bei der Verkündung des einstimmigen Urteils von Jury und Publikum zu Buh-Rufen hinreissen ließen.

Dabei gab es nichts daran zu deuteln: Fall in Grace zeigten als letzte Band des Abends eindrucksvoll, wie man ein fast schon erschöpftes Publikum wach hält und für sich einnimmt. "New Rock" nennen sie selbst ihren Stil und wenn man einfach mal das "New" herausstreicht, dann ist man in der Tat auch schon am Kern der Sache. Die Jungs rocken. Und sie unterfüttern ihr Programm mit einem melodiösem Gesang, der sich keine schiefen Töne erlaubt, einer (dank Unterstützung durch den "Click auf dem Ohr" des Drummers) präzisen Rhythmik und einem Sound, der gleichsam druckvoll, aber dennoch durchsichtig und klar bleibt. Über die meist witzig gehaltenen Ansagen während der Songs lässt sich gewiss streiten – musikalisch und von der Performance her konnten Fall in Grace zwar einen knappen, aber doch einen einstimmigen Sieg für sich verbuchen.

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