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Im Juli diesen Jahres veröffentlichten Okkervil River ihren mittlerweile vierten Longplayer "The Stage Names". Die 1998 in Austin, Texas gegründete Band legte damit ihr bisher bestes Songwriting, schöne Melodien und mitreißenden Gesang vor. In New York standen sie einst mit Lou Reed auf der Bühne, in der Frankfurter Brotfabrik stemmten die Musiker um Will Sheff, den Sänger und Kopf der Band, den Abend alleine.

Die Biographie der Band liest sich eigentlich sehr gediegen. Wenn ein Bandmitglied mal ausstieg, dann kam es kurz darauf doch zurück. Manchmal kam sogar noch eins dazu und in schöner Regelmäßigkeit wurden EPs und Alben veröffentlicht. Dennoch ist Will Sheff  mittlerweile das letzte verbliebene Gründungsmitglied. So verwundert es nicht allzu sehr, dass auch die Musik stets kleinen Wandlungen unterworfen war. The Stage Names steht nicht mehr so recht für die einst eher nachdenklicher anmutenden Songs von Okkervil River. Dieses Album ist nicht trotz, sondern gerade wegen einer spürbaren Verunsicherung, der kritischen Beobachtung des eigenen Schaffens und letztlich aufgrund der überall spürbaren Hingabe etwas lockerer geworden.

Und so entern Okkervil River auch die Bühne der Frankfurter Brotfabrik in gelöster Laune. Ein Funke, der ab dem ersten Song auch auf den Großteil des Publikums überspringt. Vielleicht liegt es auch daran, dass man sich bereits gut kennt. Die Texaner machen nicht zum erstem Mal Station in der hessischen Bankenmetropole. Als sie zuletzt hier auftraten, unterlief Will Sheff allerdings ein Fauxpas. Er verwechselte in einer seiner Ansagen Frankfurt mit Hamburg und zog damit leichten Unmut seitens des Publikums auf sich. Das hatte er nicht vergessen und ganz offensichtlich wollte er dieses Ereignis nicht nur mit einer Entschuldigung aus dem kollektiven Frankfurter Gedächtnis streichen, sondern auch mit einer besonders überzeugenden Bühnenshow. Und tatsächlich gelang genau dies der Band: Okkervil River präsentierten sich routiniert und sicher. {image}Sie boten ein stimmungsvolles Set mit einigen Highlights – ganz vorne allerdings der Opener des aktuellen Albums, Our Life is Not a Movie or Maybe, dessen "Uh Uh" im Chorus einfach mitgesungen werden muss, ganz besonders bei einer Bridge, die jeden Hörer in gesteigerte Erwartungshaltung auf jene Stelle versetzt. Dieser euphorische Quasi-Sommerhit steht symbolisch für diesen Abend, an dem man gewiss kein sensationelles oder gar überragendes Konzert erleben durfte, aber eben einfach nur gut unterhalten wurde.

So war auch nach den ersten Zugaben noch nicht Schluss. Ob, um den Fans noch eine besondere Freude zu machen, oder um vielleicht doch noch ein wenig sein schlechtes Gewissen vom Vorjahr zu beruhigen – Will Sheff kehrte nach tosendem Applaus, obwohl das Licht im Saal bereits angeschaltet worden war, für weitere Zugaben als Solist zurück auf die Bühne. Schön, dass es solche Momente also doch noch gibt.

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