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Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Interpol galten einst als die Erneuerer des New Wave und Post-Punk der 80 Jahre. Vergleiche mit Joy Division und anderen Legenden dieser Ära sind deshalb keinesfalls selten. Doch heute ziehen Viele auch aktuelle Vergleiche zwischen der 1998 gegründeten Band aus New York und anderen, wie z.B. den Editors, heran. Lassen sich Interpol davon auf ihrem eigenen Weg beirren? Nach der jüngsten Tour durch Deutschland kann das Urteil nur lauten: Nein.

Interpol gründeten sich 1998 in New York. Bereits das Debütalbum feierte zahlreiche Erfolge in den Kritiken und schaffte es sogar in TopTen-Liste des NME im Jahr 2002. Der Nachfolger, Antics, brachte der Band schließlich auch den kommerziellen Erfolg. Für die jüngste Tour hatten Interpol nun auch die Songs des aktuellen Longplayers Our Love to admire im Gepäck. Reichlich Abwechslung in der Setlist und im  Sound war also vorprogrammiert, denn auf dieser Veröffentlichung spielten die Musiker zum ersten Mal auch ganz zentrale Keyboards ein, die von Beginn an Bestandteil des Songwritings waren. Sie schafften damit einen dichteren Sound aber gleichzeit auch Diskussionen unter den Fans, wie dieses dritte Album letztlich einzuordnen sei in das bisherige Schaffen der Band. Da blieb wie so oft nur eine Option: In Zeiten der zumindest theoretisch überall jederzeit verfügbaren Musik und den naheliegenden Alternativen findet die "Stunde der Wahrheit" auf den Brettern statt, die seit jeher für jeden Musiker die Welt bedeuten, nämlich live auf der Bühne.

Als es im Kölner Palladium nach einem überzeugenden Support-Set von Blonde Redhead (Review, 2007) zunächst reichlich dunkel wurde und Interpol die Bühne betraten, zeigte die hintere Wand das Cover der aktuellen CD in voller Größe. Dazu erklang der Opener Pioneer to the fall, ein Midtempo-Song, der dem Publikum die Möglichkeit gab, langsam aber sicher in die Atmosphäre des Abends hineinzutauchen. Von Beginn an fiel das besonders leicht: Das Licht war fantastisch ausgerichtet und bot die der Musik entsprechenden, eher kühlen Farben. Der Sound war glasklar, ja fast schon kristallin – ganz besonders der Klang des Lead-Gitarristen Daniel Kessler. Die Drums klangen satt und der Gesang war deutlich und ließ auch Paul Banks' Tiefen in der Stimme genug Raum. Einzig der Bass war als Fundament an der ein oder anderen Stelle nur zu erahnen, was sich jedoch im Laufe des Abends noch deutlich bessern sollte.

Allesamt waren die Herrschaften auffallend adrett gekleidet. Damit und durch ihr Auftreten auf der Bühne wirkt die Band ausgesprochen souverän, allerdings nicht gleichzeitig abgehoben oder gar vollständig unterkühlt. Auf die große Show muss man dennoch verzichten. Carlos Dengler am Bass und Daniel Kessler an der Gitarre bewegen sich zwar – letzterer  im Vergleich zum Rest der Band sogar mit besonders großer Verve – und stehen nicht still an einem fixen Punkt, doch die dunkle Melancholie in der Musik von Interpol findet durchaus seinen Ausdruck in den Gesichtern und Bewegungen. Auch während der Songs gibt es maximal kurze und nüchterne Ansagen.

Die Band spielt an diesem Abend von Beginn an ein mitreißendes Konzert, das große Show-Gesten auch gar nicht nötig hat. Gleichzeitig ruft es aber auch keine Jubelstürme oder überbordende Euphorie im Publikum hervor. Das liegt wiederum aber eher daran, dass alle Zuhörer gebannt und gefesselt dem Programm lauschen, das Highlights wie Narc, Slow Hands oder Evil aufzubieten hat. Ebenso beeindruckend kommen live die neuen Songs rüber: Rest my chemistry, auf Tonträger eher als "in memoriam the Pixies" abzuhaken, entwickelt live ebenso ein viel vitaleres Eigenleben wie der sehr ruhige und atmosphärische sehr dichte Song The lighthouse, den Paul Banks mit Gitarrist Daniel und Keyboarder Blasco bei verdammt kühlem Licht zum Besten gibt.

Not even jail beendet das reguläre Set vor den Zugaben, nachdem mit Heinrich maneuver die ruhigere Phase des Konzerts hinter sich gelassen worden war. Nach einigen Minuten kamen Interpol dann für Zugaben zurück. 3 weitere Highlights. Dem ein oder anderen Fan fehlte sicherlich der Klassiker NYC im Set. Das Kölner Palladium ließ den Leuten aber keine Chance, nach den 3 Zugaben auf eine erneute Rückkehr der Musiker auf die Bühne zu hoffen: Kaum war der letzte Ton verklungen, schon beendete das ungemütliche Hallenlicht ein nahezu perfektes Konzert, das sicher den meisten Gästen in guter Erinnerung bleiben wird.

Setliste: Pioneer to the fall – Say hello to the angels – Narc – C'mere – The scale – Mammoth – No I in threesome – Slow hands – Rest my chemistry – The lighthouse – Take you on a cruise – Evil – Heinrich maneuver – Not even jail

Zugaben: Leif Erikson – Obstacle 1 – Stella was a diver and she was always down

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