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Queens Of The Stone Age © Universal Music

Mit "Era Vulgaris" im Gepäck waren die Queens Of The Stone Age im Schlachthof Wiesbaden geladen und stellten dabei wieder einmal ihre herausragenden Livequalitäten unter Beweis. Neben den neuen Tracks umfasste das Programm auch die Hits von allen bisherigen Alben. Die wuchtigen und mitreißenden Songs sorgten für reichlich Stimmung und Action im Publikum. Support-Act waren Navel, die uns 2007 bereits des Öfteren positiv aufgefallen sind.

Rückblende: 2005, am letzten Augusttag, waren Queens Of The Stone Age das letzte Mal zu Besuch im Schlachthof Wiesbaden gewesen. Damals unter sehr schlechten Vorraussetzungen: Bandleader und Sänger Josh Homme war zwei Tage zuvor, bei einem Konzertauftritt in Hamburg vor dem Zugabenteil, hinter der Bühne zusammengebrochen. Der darauf folgende Gig in Stuttgart musste abgesagt werden und bis zur letzten Minute wurde nicht ersichtlich, ob auch das Konzert in der hessischen Landeshauptstadt abgesagt werden müsste. Als die Band dann aber die Bühne betrat, war von einem schlechten Gesundheitszustand Josh Hommes nichts mehr zu spüren, die Euphorie stieg ins Unermessliche und das Konzert entwickelte sich zu einem der besten Gigs ihrer Tournee.

Am Sonntag besuchten Queens Of The Stone Age nun erneut den Schlachthof in Wiesbaden, diesmal unter deutlich besseren Voraussetzungen, wobei auch bei dieser Deutschlandtour – bedingt durch kurzfristige Flugausfälle in den USA – ein geplanter, spontaner Akustik-Gig der Band in einem Plattenladen in Münster abgesagt werden musste und sie erst wenige Stunden vor ihrem ersten Auftritt in Deutschland (Dortmund) landeten. Ihr Tour-Rezept ist auf dieser Tour natürlich bestimmt durch das neue Album Era Vulgaris, das durch seine unkonventionelle Art mit mehrmaligen unrhythmischen Passagen und einem veränderten, fast surrealen Sound, aus dem Schatten der vorherigen vier Alben heraussticht.

Gleichermaßen neu gestaltet sich die Besetzung. Nachdem auf der 2005er-Tour noch Alain Johannes den Bass und Natascha Schneider das Keyboard bedienen durften, sind nun Michael Shuman und Dean Fertita an deren Stelle getreten. Ebenso geändert haben sich auch die Mentalitäten zwischen den Besetzungen. Während Alain Johannes noch wie ein ruhender Pol unter wild gewordenen Tigern wirkte, fügt sich Michael Shuman als ein eben solcher tanzender und herumspringender Wilder problemlos in das Gefüge ein. Die Körpersprache ist eine ganz andere. Er wirbelt und zerrt an seiner Gitarre herum, wedelt seinen Kopf blitzschnell hin und her, tritt ans Mikrofon, brüllt hinein und macht dabei gleichsam auch auf seine akrobatischen Künste aufmerksam. Auch Dean Fertita am Keyboard ist stetig darum bemüht, sich zu bewegen. Er wirkt auf seinem erhöhten Podest wie ein Herr über die klimpernden Tasten. Auch Mastermind Josh Homme hat einen seiner richtig guten Tage erwischt. Er springt und tanzt herum wie ein junges Reh und vergewaltigt dabei seine Gitarre, indem er jedes noch so kleine Fünkchen Ton aus ihr herausquält. Er schmunzelt den Großteil der Show in sich hinein und man glaubt dabei, eine Sehnsucht danach zu spüren, selbst in der vor ihm tanzenden Menge zu stehen.

Das Publikum ist schon vor Konzertbeginn sehr euphorisiert. Kleine Moshpits bilden sich noch vor dem ersten gespielten Ton. Als dann die ersten Sounds von Regular John ertönen, steigert sich die Stimmung in euphorischen Jubel und das Publikum kann sein Verlangen zum Tanzen nicht mehr unterdrücken. Wer es etwas ruhiger haben will, rettet sich an eine der seitlichen Ecken. Der Rest taucht unter in einer Welt des Hüpfens, des Springens, des Händeklatschens und auch manchmal des  Rumgeschubses, was ein mancher mit einem Kinnhaken oder Ellenbogencheck auch schmerzvoll zu spüren bekommt. Das ist sicher nicht jedermanns Sache und eventuell auch eine Folge des recht jungen Zuschauerschnitts im Publikum, aber wohl vor allem wegen des unglaublichen, elektrisierenden, intensiven und tanzsüchtig-machenden Sounds.

Für diese Euphorie und Energie braucht es keine oder nur wenig Interaktion mit dem Publikum, um die Zahlenden auf die Seite des Enthusiasmus zu ziehen. Ein "Hello, how are you?" oder einfaches "Thanks" genügt schon. Die Musik spricht für sich und mit ihr die quietschenden und kreischenden Gitarren, die trällernden Tasten des Keyboards, der anziehende, hypnotische und psychodelische Gesang Josh Hommes oder das wie von einem scheunendreschenden Berserker aufgezogene Schlagzeugspiel von Joey Castillo. Das Motto des Abends lautet: Let’s dance!

Durch eine rar beleuchtete Bühne, von deren Decke mehrere Kronleuchter herunterhängen, und durch den mit Sternen übersäten Hintergrund, der in die nächtliche, dunkle Atmosphäre der Halle des Schlachthofs leuchtet, vermittelt das Bühnenbild ein surreales Gefühl – als würde die Band direkt von einem anderen Planeten kommen. Nach dem furiosen Beginn des bereits erwähnten Regular John folgen Hits von allen vier bisherigen Alben, darunter Mexicola, das wuchtig vorwärtstreibende Tangled up in Plaid, das tanzwütige Burn the Witch, das lässig dahintreibende In the Fade, die Single Little Sister, das verrücktwerdende, tieftonige I think I lost my Headache und dazu nach gut 90 Minuten als krönende Zugaben die großartigen Klassiker No one knows sowie der Song for the Dead, der vor den Fans direkt nach dem Hauptset frenetisch gefordert wurde.

Dazu dürfen natürlich auch nicht die neuen Songs vom etwas poppigeren Album Era Vulgaris fehlen, angeführt von dem seelenzerüttenden Sick,Sick,Sick sowie des zischenden und quietschenden Turnin’on the screw, Misfit Love, 3‘&7’s, Battery Acid, The fun machine und dem uminterpretierten Suture up the future, das durch eine andere Melodie leicht verfremdet wird. Und zu aller Freude wird auch der nur sehr selten gespielte Song – dementsprechend von Homme auch angekündigt – und das von den Fans bejubelte The Bronze aus der reichhaltigen Song-Schatztruhe hervorgeholt. Insgesamt können Queens Of The Stone Age also mit wuchtigen und mitreißenden Songs auch an diesem Abend wieder ihre Livequalitäten unter Beweis stellen und empfehlen sich damit auch für noch größere Hallen. Die Fans werden wieder da sein, davon kann man nach diesem furiosen Konzert einmal mehr ausgehen.

Und eine Bemerkung noch zum Schluss: Die schweizerische Vorband Navel sollte man sich unbedingt merken. Ein sehr grungiger Sound und ein Sänger, der mit seinen langen Haaren und seiner Art sich zu bewegen stark an Nirvanas Sänger Kurt Cobain erinnert.

Setlist Queens of the Stone Age in Wiesbaden 

Regular John – Infinity – Do it again – 3’s&7’s – The Bronze – Mexicola – Misfit – Love – Burn the witch – Suture up your future – In the fade – Turnin‘ on the screw – Little sister – Battery acid – Fun machine – Tangled up in plaid – Sick, sick, sick – I think I lost my headache – No one knows – Song for the dead

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