Dolores O'Riordan (Feuerwache Mannheim, 2007)
Fotos: Manuela Hall

Dolores O'Riordan (Feuerwache Mannheim, 2007) Fotos: Manuela Hall © regioactive.de

Ein leichtes Summen. Ein kraftvolles "aaaahhh". Gänsehaut. Flashback in 1993. Linger. Der erste Kuss von Dolores O’Riordan an das Mannheimer Publikum. Sie hat sie nicht verloren – ihre kristalline Stimme. Eine Welle des Lächelns schwappt über Gesichter. Gesichter die sagen: "Endlich!". "Endlich steht diese einzigartige Frau wieder auf einer Bühne!".

Als sich die Cranberries im Jahre 2003 auflösten, wusste niemand, ob Dolores O’Riordan jemals wieder diesen Schritt tun würde. Zu sehr nagten Depression und Magersucht an der schon von jeher sehr zerbrechlich wirkenden Frau. Doch das scheint Vergangenheit. Sie ist reifer geworden, sie lächelt entscheiden mehr als damals. Sie scheint mit sich selbst im Reinen. Dennoch hat sie nichts, aber auch gar nichts, von ihrer Energie und ihrer Kraft verloren. Besonders deutlich wird dies bei ihrem "Big kiss" Zombie, der größten Erfolgsingle der 4 Iren aus dem 1994 erschienenen 7-fach mit Platin ausgezeichnetem Album no need to argue. Ihr Blick ist starr und ernst wie einst. Jede ihrer Kopfbewegungen lässt einzelne Fetzen des berührenden Videos vor dem geistigen Auge aufblitzen. Und wieder: Gänsehaut.

Hervorragend auch ihre aggressive Performance von animal instinct. Der Siedepunkt ist erreicht. I Can't Be With You interpretiert sie um 2/8 ungestümer als gewöhnlich. Somit ist der Bogen zu Salvation schnell geschlagen. Auch hier: Gänsehaut. Melancholie und Aggression in Perfektion. Nach einer knappen Stunde verlässt die Band die Bühne, um dem Publikum erstarkt Songs wie ode to my familiy oder dreams zu präsentieren. Dolores O’Riordan schreitet über alle Gegensätze zwischen Prog-Rock und Folk-Pop sowie zwischen der Stärke ihrer Stimme und der Zierlichkeit ihres Körpers hinweg.

Psychedelisch, stark, mitreißend – irisch. Sie schafft es nahezu in Perfektion, Songs aus ihrem neuen Album are you listening? (z.B. ordinary day, when we were young) mit den alten Songs der Cranberries zu verbinden. Niemand kann ihr nach diesem Abend mehr unterstellen, sie habe an "Power" oder ähnlichem verloren. Bei dem Gedanken an ihre Stimme: Gänsehaut.

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