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Itchy Poopzkid © (c) Bothor

Fast 2 Jahre ist es her, dass wir unser erstes Interview mit Itchy Poopzkid aus Eislingen an der Fils geführt haben. In diesem Zeitraum, spätestens durch die Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Time To Ignite", hat sich für die Band extrem viel getan. Trotz der laufenden Tour fanden die Jungs nun Zeit, uns ein zweites Mal Rede und Antwort zu stehen.

Es ist schon eine Weile her, seit wir euch das erste Mal interviewt haben. Was hat sich für euch seitdem getan?

Sibbi: Tach erstmal. Gott, ich hab's mir grade durchgelesen. Krass, dass das schon wieder fast 2 Jahre her ist. Naja, wir haben in der Zwischenzeit unser aktuelles Album aufgenommen – den ganzen heissen 2006er Sommer über, wir haben ne große Tour mit Die Happy gespielt und durften einzelne Konzerte und kleine Tourneen mit Yellowcard, +44 und Sum 41 spielen. 2007 kam dann unser aktuelles Album Time To Ignite auf den Markt und wir haben diesen Sommer 'ne Headlinertour absolviert, u.a. auch auf vielen zum Teil echt großen Festivals. Ganz schön krass, wenn ich mir das gerade so überlege.

Und dann gab's uns dieses Jahr zum ersten Mal im Musikfernsehen zu betrachten. Wir hatten das große Glück 3 Songs vom Album als Videos auszukoppeln. Außerdem lief der "MTV Band-Trip" dieses Jahr 'ne ganze Weile, bei welchem wir uns ohne Geld, Handy, etc. durch Europa schlagen mussten. Die Zeit zwischen dem letzten Interview und diesem war jedenfalls sehr ereignisreich!

Damals meintet ihr, dass ihr euch finanziell gerade so über Wasser halten könnt. Hat sich daran was geändert?

Sibbi: Also reich sind wir noch nicht, wenn ich mir so meinen Kontostand anschaue. Aber wir müssen keine anderen Jobs mehr nebenher machen. Das Geld reicht uns zum Leben, was anderes wollen wir gar nicht unbedingt. Wir sind recht glücklich mit der aktuellen Situation. Ich war sogar im Urlaub dieses Jahr! Olé!

Ihr habt eine nette Fanbase und bietet eine Menge Merchandise an. Wie ist eure Einschätzung bzgl. der Einnahmequellen: Wie verhält sich das so mit CD-Verkauf, Gig-Gage und Merchandise?

Panzer: Das ist ne Finanzfrage... Sibbi, sagst du bitte was?

Sibbi: Wieso muss ich immer den Scheiss beantworten? Also man kann da jetzt nicht genau sagen "Hier: 16% des Geldes kommen aus Gagen, 24% aus Prostitution, und der Rest aus Merchandise" oder so. Das geht nicht. Da verdient man aus allem etwas und am Ende fährt man in Urlaub, kauft sich Brot oder halt nicht.

Panzer: Also ich zum Beispiel war jetzt gar nicht im Urlaub.

Ihr habt eines eurer Videos auf MTV in der Rotation. Wie kam es dazu?

Sibbi: Als wir mit dem neuen Album fertig waren, wurde MTV von unserer Plattenfirma dazu eingeladen, auf einem Gig vorbeizuschauen. Die haben das dann gemacht, wir hatten einen nicht so schlechten Tag, denen hat’s gefallen und sie haben unser Video gespielt. Als das dann ordentlich lief, haben sie angefragt, ob wir auf den Band-Trip Lust hätten.

Könnt ihr schon ein Urteil darüber fällen, ob euch diese Präsenz etwas gebracht hat? Noch mehr Fanpost, Mails und Gästebucheinträge als vorher?

Panzer: Klar hat das was gebracht. Mit so 'nem Video im Fernsehen erreicht man halt gleich mal richtig viele Leute, die dann spontan entscheiden können, ob sie die Band jetzt gut oder scheisse finden. Auf der Homepage und auch bei Myspace hat sich einiges an den Zugriffzahlen getan und zu unserer Tour im Frühjahr kamen auch schon merklich mehr Leute als davor. Das freut uns natürlich, weil die Ideen zu den Videos auch alle auf unserem Mist gewachsen sind und uns das so schon ziemlich gut widerspiegelt.

Wer hat das Video produziert, wer hat es finanziert?

Panzer: lauter Finanzfragen heute...

Sibbi: Die ersten beiden Videos zu Silence Is Killing Me und And I’ll Walk Away sind komplett unsere eigenen Ideen und wurden dann von einem professionellen Produktionsteam umgesetzt. Das aktuelle Video zu You Don’t Bring Me Down – das übrigens massiv tight ist – haben wir im Grunde genommen selbst bzw. gemeinsam mit unserer Live-Crew produziert, weil wir den ganzen Sommer über die Kamera mit im Gepäck hatten.

Panzer: Hast du gerade "massiv tight" gesagt?

Sibbi: Geschnitten hat das dann jedenfalls ein professioneller Cutter. Finanziert wird das meist von der Plattenfirma, wobei wir den Dreh zum aktuellen Video inklusive der leeren Videokassetten gezahlt haben, haha!

Ihr seid derzeit wieder auf Tour. Was habt ihr im Gepäck, um die Massen zu begeistern? Oder anders gefragt: warum darf man euch diesmal erst recht nicht verpassen?

Panzer: Weil wir uns dieses Mal so richtig explizit auf eine Tour vorbereitet haben. So mit üben von Liedern und allem Drum und Dran. Absolutes Neuland für uns. Wir werden sogar gleich nach dem Interview wieder zum Proberaum fahren. Wir haben diesmal insgesamt 29 Songs am Start und können so jeden Abend ne andere Setlist auf einen Zettel schreiben, was ich echt schon mal sehr gut finde. Außerdem haben wir bei jedem Auftritt noch ein bis zwei gute Bands dabei, die vor uns Krach machen werden. Es gibt bestimmt billiges Bier und ich kann allen versprechen, dass wir uns jeden Abend und in jeder Stadt den Arsch aufreissen werden, damit jeder glücklich, mit blauen Flecken und nassen Klamotten nach Hause geht. Fällt dir noch was anderes ein, Sibbi?

Sibbi: Singen, Tanzen, Beisammensein – Ja so soll es immer sein!

Ihr spielt auf der Tour einige Gigs mit Benzin, die ja ebenfalls bei uns gelistet sind und die auch unseren Online-Vertrieb nutzen. Kennt ihr die Jungs persönlich? Wie kam es zu diesem Line-Up?

Sibbi: Die kennen wir nur aus'm Kino, die Typen. Nee, natürlich kennen wir die und zwar schon lange. Klasse Jungs, sonst würden wir sie ja auch nicht mitnehmen. Wir hatten schon öfter mal zusammen die Bühnenbretter verbogen und da kommt man sich schon mal näher. Unter uns... die Benzin-Jungs wollten auch sexuell, was uns echt schockiert hat, aber wir haben sie dann als Kompromiss auf die Tour eingeladen. Und jetzt freuen wir uns riesig. Sollten sich alle anschauen!

Eigentlich seid ihr ja permanent auf Tour und nur dazwischen im Studio. Bleibt noch Zeit für das Private? Falls nein – was vermisst man?

Panzer: Viel Zeit bleibt da natürlich nicht... Macht uns jetzt aber nicht so viel aus, weil es für uns einfach die beste Sache der Welt ist, unterwegs zu sein und Musik zu machen. Das ist halt unser Ding und jemand, der lieber gerne immer zu Hause ist und einen geregelten Alltag braucht, um glücklich zu sein, der sollte vielleicht nicht unbedingt Punkrock-Musiker werden. Ah, aber eine Sache fällt mir ein: Vor kurzem hatte ich eine Karte für VfB Stuttgart gegen F.C. Barcelona und habe mich so angekotzt, dass ich nicht hinkonnte. Als ich dann am Abend erfahren habe, dass Stuttgart im eigenen Stadion mit 0:2 den Sack vollbekommen hat und wir zeitgleich in Berlin auf einem Festival vor ein paar zehntausend Leuten spielen durften, war ich dann eigentlich doch ganz froh darüber.

Was war bislang euer größter Moment? Was braucht ihr definitiv nicht noch einmal?

Sibbi: Also das besagte Festival in Berlin zum Tag der Deutschen Einheit vor dem Brandburger Tor war schon krass. Und 'ne Tour spielen ist auch schön. Und ein Video von sich im Fernseher drin zu sehen ebenfalls. Da gibt’s so viele große Momente, dass ich da durch Einzelnennungen keinen anderen großen Moment verärgern möchte. Was wir nicht nochmal brauchen? Milchvergorenen Sauerkrautsaft auf nem Rasthof-Parkplatz trinken.

Was könnt ihr aus der jetzigen Sicht allen Punkrock-Bands mitteilen, die gerade ganz am Anfang stehen? Worauf kommt es eurer Meinung nach am meisten an?

Panzer: Also um wirklich etwas zu bewegen, sollte man schon richtig Zeit, Arbeit und Schweiß investieren. Wenn man wirklich Bock darauf hat viele Konzerte zu spielen, muss man sich dazu aber eigentlich nicht zwingen, sondern man macht das dann eh von selbst. Was mir aufgefallen ist: vielen der jüngeren Bands geht es vorrangig nur um das "wie werden wir berühmt" und das finde ich persönlich irgendwie den völlig falschen Ansatz. Auch das Ganze immer als Business und Wettkampf zu sehen finde ich komisch, weil es doch eigentlich um Musik, Leidenschaft und darum geht, Spass zu haben. Wir hatten damals einfach festgestellt, dass wir gerne auf der Bühne stehen und dann haben wir alles dafür getan, dass wir das möglichst oft machen dürfen. Das ging also eigentlich alles einen ganz natürlichen Weg. Live zu spielen ist wirklich das Wichtigste überhaupt.

Sibbi: Und man sollte sich auf keinen Fall entmutigen lassen. Egal ob jetzt von Kumpels, Familie, Plattenfirmen, Veranstaltern, Sanifair-Kontrolleuren, ... einfach immer weitermachen!

Was können wir von euch in der nächsten Zeit erwarten? Was liegt an?

Panzer: Also jetzt erst mal Tour! Sieben Wochen am Stück. Das wird ganz schön heftig und wir freuen uns schon derbe drauf. Danach werden wir einen ganzen Monat schlafen und uns dann im nächsten Jahr an die neue Platte machen. Ist nämlich auch schön, wenn man nach einem ganzen Jahr rum-Getoure mal wieder neue Sachen schreiben und aufnehmen kann.

Sibbi: Vollendet veredelt.

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg auf eurer Tour!

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