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Revolverheld (live beim Campus Festival, 2007) © Marcel Benoit

Die Skeptiker hatten es nicht besonders schwer im Vorfeld des "Der Campus rockt"-Festivals: Ein Openair im Herbst, noch dazu in Pforzheim - sonst eher ein weißer Fleck auf der Konzertlandkarte... Ob das wohl gut gehen kann? Es ging sogar sehr gut: Am Ende waren es rund 7.500 gut gelaunte Zuschauer, die mit Bands wie Silbermond, Revolverheld und Culcha Candela - Regen und Kälte zum Trotz - feierten.

Den Auftakt machten am frühen Nachmittag Nurso, die jüngst zu "Deutschlands bester Schülerband" gekürt wurden und im Moment Stammsupport des Headliners Silbermond sind. Bedauerlicherweise musste der hoffnungsvolle Nachwuchs vor einer noch sehr überschaubaren Zuschauerkulisse spielen.

Auch das Publikum von Still Drift bestand noch zum überwiegenden Teil aus Schülern, oder treffender: aus Schülerinnen. Davon unbeirrt lieferten sich die Jungs einen sportlichen Wettstreit um den größten Einfluss auf die vor ihnen stehenden Zuhörer. Diese hatten offensichtlich ihren Spaß am Gute-Laune-Rock vier Heidelberger. Sogar das Wetter spielte mit, als es passend zum sommerlichen "Ipanema" tatsächlich ein wenig heller am sonst dunklen Himmel wurde.

Es folgte der Tiefpunkt des Festivals. Nein, keine der Bands enttäuschte – vielmehr war es das Pausenprogramm, das unangenehm auffiel. Zur Unterhaltung des Publikums während der Umbaupausen hatten die Organisatoren den Computerspiel-Barden Jan Hegenberg und Radiomoderator Hans "Morgenhans" Blomberg engagiert. Was gut gemeint war ging jedoch nach hinten los.

Klar, dass sich Humor unterscheidet und manche Pointe nicht bei jedem gleichgut ankommt. Das Dargebotene jedoch war zum Großteil entweder unterstes, vorpubertäres Niveau, oder die "Witze" wurden in jeder Pause mehr oder weniger wortwörtlich wiederholt. Schlechte Sprüche werden aber leider nicht automatisch zum Running Gag, nur weil man sie zum fünften Mal bringt.

Doch zurück zur Musik. Den Gitarrenverstärkern blieb Zeit zum Abkühlen, denn mit Boundzound – dem Soloprojekt von Seeed-Sänger Demba – und Culcha Candela ging es nun erstmal in andere musikalische Sphären. Teilweise erinnerte die Show von Boundzound doch deutlich an die der "Dancehall Caballeros". Die Ähnlichkeiten, beispielsweise bei den Choreografien und Outfits, sind nicht zu übersehen.

Nun kann man es jedoch niemandem zum Vorwurf machen, wenn auf diese Weise Dembas Einflüsse beim "Reggae-Sondereinsatzkommando" deutlich werden. Musikalisch geht es solo nicht ganz so druckvoll, sondern eher eine Spur entspannter zur Sache.

So langsam war es auch vor der Bühne voller geworden. Als Culcha Candela, deren "Hamma" momentan ganz oben in den Singlecharts steht, mit "Next Generation" loslegten, waren es schon einige Tausend, die mit ihnen am Start waren. Überhaupt präsentierten sich die Pforzheimer während dem gesamten Festival als ein dankbares Publikum. Keine Band, deren Animation nicht freudig umgesetzt worden wäre.

Fotogalerien vom Festival:

Für Viele, die eher auf die tiefen Töne anstatt auf Gitarren stehen, waren Culcha Candela wohl der Höhepunkt des Tages. Trotz des eigentlich noch immer recht frühen Zeitpunktes, war die Stimmung entsprechend ausgelassen. Hier erwies sich die Auswahl der Bands als gelungen: Das Spektrum wurde von Reggae über Dancehall und HipHop bis zu rockigem Pop abgedeckt.

Trotzdem alles nah genug am Mainstream, so dass niemand von den Künstlern außerhalb der eigenen Präferenz abgeschreckt wurde. Das Konzept des "kleinsten gemeinsamen Nenners" ging gut auf. So gelang es eigentlich allen Bands, große Teile der Zuhörer zu erreichen.

"Wir stehen der Partykultur sozusagen positiv gegenüber," verkündeten Revolverheld und das war auch wichtig, schließlich war es mittlerweile dunkel und noch kälter geworden. Sänger Johannes Strate weiß offenbar genau um die Vorlieben seiner jüngsten Fans und begab sich gleich zu Beginn des Gigs auf eine Besuchstour zu den ersten Reihen.

Zwei weitere Konzertgäste durften den Auftritt von der Bühne aus verfolgen – mussten dafür jedoch dem von einem Hexenschuss geplagten Backliner zur Hand gehen. Konsequent zogen Revolverheld die Trennung zwischen den eher härteren und den ruhigen Stück durch. Entweder wurde gerockt, oder zu Hocker und Akustikgitarre gewechselt. Ein Dazwischen gab es nicht.

Den Abschluss machten Silbermond, die ein solides Set aus den beiden erschienenen Alben spielten. Eine der momentan kommerziell erfolgreichsten Bands in Deutschland vor einem bunt gemischten und ohnehin jedem wohlgesonnenen Publikum: Keine große Überraschung – das funktioniert. Bemerkenswert war die Bass- und Gitarreneinlage, die zu einem nicht zu verachtenden Instrumental anwuchs.

Auch als – während der Crowdsurf-Einlage von Frontfrau Stefanie Kloß – Regen einsetzte, ließen sich die Zuschauer davon nicht mehr beeindrucken. Wahrscheinlich lag das daran, dass sie nun schon so viele abhärtende Stunden draußen ausgeharrt hatten. Oder vielleicht hatten sie sich inzwischen auch einfach schon mit ausreichend Glühwein auf die Witterungsverhältnisse eingestellt.

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