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Vic Chesnutt - North Star Deserter © Constellation / Southern

Für sein neues Album auf dem kanadischen Label Constellation Records hat er sich erneut beachtenswerte Musiker an Land gezogen. Mit früheren Alben wie "About to Choke", "Silver Lake" oder "The Salesman and Bernadette", das mit Lambchop eingespielt wurde, konnte er bereits viele Kritiker überzeugen und unzählige Hörer für sich gewinnen."North Star Deserter" werden wir bald genau unter die Lupe nehmen. Zuvor haben wir Vic Chesnutt jedoch ein paar Fragen gestellt.

Besonders auffällig bei Vic Chesnutt ist, dass er für nahezu jedes Album eine andere Band mobilisiert und diese dadurch stets unterschiedlich und überraschend klingen. Unter anderem sind auf North Star Deserter mit dabei: Thee Silver Mt. Zion Orchestra, Guy Picciotto von Fugazi und - vielleicht etwas überraschend - der Filmemacher Jem Cohen (u.a. Produzent der Dokumentation Instrument über Fugazi). Es war aber auch ursprünglich Jem Cohens Idee, Vic Chesnutt mit dem Kollektiv um das legendäre Constellation-Label zusammenzuführen. Aufgenommen wurde das Album, wie so ziemlich jedes auf diesem Label, im Hotel2Tango-Studio in Montreal, dem eigenen Studio von Godspeed you! Black Emperor. Hier wurden auch alte und neue Klassiker von The Arcade Fire, Wolf Parade und Fly Pan Am produziert. Chesnutt ist bekannt für seine zynischen und selbstironischen Texte, die oft von Angst oder Depressionen handeln und nun offensichtlich einen passenden Rahmen gefunden haben.

Wie kam es dazu, dass du dein neues Album im Hotel2Tango-Studio aufgenommen hast?  Hattest du schon vorher Kontakt zu dem Netzwerk in Montreal?

North Star Deserter war ursprünglich Jem Cohens Idee. Er wollte mich mit Efrim und all den anderen Musikern aus Montreal, aber auch mit Guy Picciotto von Fugazi und T. Griffin gemeinsam ins Hotel2Tango-Studio bringen, um so die zwei Seiten meiner Persönlichkeit hervorzuheben: Die dunkle, akustische Seite sowie meine Vorliebe für bombastische Verzerrung. Ich habe die Jungs in Montreal nie zuvor getroffen, bin aber ein großer Fan der Constellation-Crew und war sehr aufgeregt, bevor ich die Arbeit mit ihnen und Jem begann.

In der Vergangenheit hast du öfter die Labels gewechselt. Fühlst du dich bei Constellation nun gut aufgehoben?

Ich bin unglaublich glücklich darüber, ein Teil von Constellation zu sein. Ich fühle mich, als ob mir das Vertrauen von richtig dicken Hasen entgegengebracht wird und ich in einen lebhaften, dynamischen Salon eingeladen wurde.

Glaubt man Jem Cohen, so war es für ihn besonders wichtig, dich mit den Musikern und Leuten dort in Verbindung zu bringen. Gab es irgendwelche Berührungsängste oder lief alles sehr harmonisch ab?

Ich habe gemerkt, dass sich Jem stets mit großer Interesse einen allgemeinen Überblick über die aktuellen Arrangements verschafft hat und das Ganze nicht wie ein reines Casting betrachtete. Wichtig war ihm aber folgendes: Er wollte Musiker und Menschen finden, die durch ihre Persönlichkeit bzw. Instrumentenauswahl eine ergänzende Rolle für meine Texte darstellen.

North Star Deserter kommt mit einem zwanzigseitigen Booklet. Darin finden sich Texte sowie Bilder von Musikern, die auf dem Album vertreten sind. Ein paar Worte darüber?

Jem war auch für das Cover und Layout zuständig. Er hat die Bandportraits gemacht, das Coverbild gewählt (ein wunderschönes Foto von Michael Ackerman), dem Album einen Namen geben und die endgültigen Begleittexte verfasst.

Wie würdest du die Auswirkung von Silver Mt. Zion, Guy und Co. auf dein neues Werk einschätzen? Das Ganze sieht ja nicht nur nach Alleingang aus, immerhin sprichst du von deinem "eigenen" Abbey Road...

Offensichtlich ist, dass der raue und sehr präsente Sound von Guy Picciotto und Silver Mt. Zion nun auch auf meinem Album vertreten ist. Ab sofort wird dies wohl immer ein Teil meiner Geschichte sein. Nicht ganz so offensichtlich, aber wohl genauso bedeutend, war der gesamte Einfluss hinter den Kulissen, und natürlich all diese lebensbereichernden Freundschaften!

Das Artwork hebt sich von deinen bisherigen Alben ab. Würde man danach urteilen, dann handelt es sich bei North Star Deserter um ein eher düsteres Werk.

Dies ist ein sehr dunkles Album. Nicht besonders verspielt oder romantisch. Kontemplation, Realisierung und Enthüllungen stehen hier klar im Mittelpunkt!

Du bist demnächst wieder auf Tour. Hast du schon eine konkrete Vorstellung davon, wer live dabei sein wird? Es ist sicher schwer, alle auf dem Album vertretenen Musiker zu mobilisieren.

Ich denke, dass in etwa sechs bis sieben Musiker von North Star Deserter auch live am Start sein werden. Wir wollen schließlich Songs vom neuen Album und ein paar andere präsentieren.

Guy Picciotto spielt auf dem Album. Hast du Fugazi gemocht?

Ich habe öfter für Fugazi eröffnet, das erste Mal im Jahre 1988. Auf Platte und live sind Fugazi eine der besten Bands in der Geschichte. Guy ist ein unglaublicher Frontmann und ein wirklich das Gehirn anregender Gitarrist. Wenn er alleine spielt, dann verlässt er seinen Körper.

Du sprichst oft über deine musikalischen Einflüsse, aber was hörst du im Moment?

Momentan höre ich den "Harder They Come"-Soundtrack, Country Joe and the Fish’s erstes Album und natürlich - wie immer - Nina Simone oder Randy Newman.

Vielen Dank für dieses Interview!

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