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Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Es ist Leben im 7er - für den Termin zwischen August und September hatten sich über 20 Bands zum Fast F*cking Forward Festival angekündigt und es sich zum Ziel gesetzt, dem Namen des zum ersten Mal stattfindenen Festivals auch entsprechende Taten folgen zu lassen! Die internationalen wie regionalen Acts deckten alles zwischen Punk-Core, Emo-Core, Metal-Core und Grind-Core ab. Hier gibt es unser Review und Fotogalerien.

Als sich das leicht hektische Treiben von Bands und Organisatoren rund um den 7er gelegt hat und die ersten Töne von der Bühne erklingen, ist erstmal noch nicht viel los auf dem Fast F*ucking Forward Festival. Der Außenbereich mit den gemütlichen Sesseln liegt noch etwas verwaist und der soeben versiegte Regen tropft von den Stehtischen. Drinnen ist es aber bereits laut! Age Of Aggression aus Mainz tun ihr Möglichstes, haben aber Pech, denn es sind schlichtweg noch zu wenig Gäste da. So verpassen einige der zum Glück bald noch eintrudelnden Besucher des "European Hardcore Festivals" die handfeste Stimmgewalt von Lara Nava. Schade eigentlich. Eine Band, die sich explizit dem Old School Thrash und Death Metal verschrieben hat, mag vielleicht nicht für ein Hardcore-Festival prädestiniert sein. Dennoch wären auch Age Of Aggression für die noch abwesenden Hardcore-Freunde sehr hörenswert gewesen.

Doch schon kurz nachdem erstmal die Würstchen auf dem Grill gelandet sind und die Dämmerung sich angekündigt hat, füllt sich langsam aber sicher der 7er und die Stirnfalten im Gesicht der Organisatoren glätten sich zusehends. Als dann Undine aus Mannheim sich für ihren Gig bereit machen, stehen da offensichtlich keine Unbekannten auf der Bühne. Als Teilnehmer am Finale des Newcomer-Wettbewerbs in Weinheim und ortsansässige Band, die zudem das liefert was hier alle wollen - nämlich Metal-lastigen Hardcore - haben sie es nun sichtbar leichter. Flo Dzula schüttelt eine Ahnung davon, was mit Fast F*ucking Forward gemeint war, aus der Faust und bringt damit ordentlich Bewegung in den angewachsenen Publikumswust. Lokalbonus sei Dank, aber das ist sicher nicht der einzige Grund: Darüberhinaus zeigen sich Undine auf der Bühne auch weniger statisch als ihre Vorgänger und gewinnen damit den Freitag Abend für sich. Daran können auch die folgenden und guten Bands wie z.B. D-Fakt aus Löningen nichts mehr ändern, reiten aber allesamt auf der einmal bereit gestellten Welle. Besser hätte der Auftakt-Tag gar nicht laufen können.

Am Samstag ging das muntere Treiben im 7er nahtlos weiter. Respawn Inc. servierten sauber gespielten, cool groovenden Trash-Metal aus Heidelberg. Die Jungs ließen es auf der Bühne krachen und waren zwischen den Songs um den Kontakt mit dem Publikum bemüht, was sie von den anwesenden Leuten auch mit Annäherung an die Bühne und deutlichem Zuhörerzuwachs gedankt bekamen. Schade, daß die melodiösen Parts nicht immer ganz präsent waren und an der ein oder anderen Stelle dem Sound zum Opfer fielen - was keinesfalls die immense Leistung der 7er-Techniker an diesem 2 Power-Tagen schmälern soll. Hier kann man insgesamt sicherlich nur den Hut ziehen und zu einem gute Nervenkostüm gratulieren. Wer auf guten Trash-Metal mit fetten Gitarren und einer ordentlichen Rhythmus-Sektion steht, sollte sich auf jeden Fall die CDs von Respawn besorgen oder gleich die anstehenden Konzerte der Band besuchen.

My Reply aus’m Ländle waren mit ihrem – im Vergleich zum Rest – doch eher poppigen Punkrock definitiv die Exoten des zweiten Abends, verkauften sich aber sehr sympathisch! Sie hatten Spaß am Spielen und standen in dauernder Konversation mit dem Publikum und mit sich selbst, was in dem Fall auch mal ganz witzig war. Erfreulich, daß die Drums nicht auf den punk-typischen "Uff-Tschak"-Beat reduziert wurden. My Reply groovte richtig gut!

Publikumsmäßig auf jeden Fall die Headliner des Abends waren allerdings Naema! Was die Band aus Milano/Como zu bieten hatte, war auch genau das, was der Großteil der Besucher und mitgereisten Fans hören und sehen wollte! Grooviger Hardcore mit zwei Shoutern und einer amtlichen Bühnenshow. Es war ausgesprochen abwechslungsreich, dass ein Shouter mit hoher und der andere mit tiefer Stimme rappte oder schrie. Auf den Einwand hin, dass die beiden Frontmänner schon ein wenig "Poser"-mäßig rüberkommen, fällt einem nur die alles erklärende Antwort ein: Agnostic Front sind auch Poser, wenn sie auf der Bühne stehen. Irgendwas ist da dran, schließlich gehört es beim Hardcore auch dazu, Tattoos und Muskeln zu zeigen. Naema liessen sich auch nicht zweimal bitten, die vom Publikum vehement geforderte Zugabe zu spielen.

Unsere Fotogalerien zum Fast F*ucking Forward:

Bleibt letztendlich nur noch ein Kompliment an den 7er und den Veranstalter auszusprechen. In einer Zeit von zumeist dämlichen Motto-Veranstaltungen und äußerst fragwürdigen Party-Angeboten für die herangezüchtete Spaß-Gesellschaft, ist es wichtig und richtig, Happenings wie das Fast F*ucking Forward Festival zu veranstalten und hoffentlich auch zu etablieren! Der 7er erwies sich mit diesem Festival wieder als eine der Locations in Mannheim, die Live-Musik konsequent unterstützt.

Schade war natürlich, dass trotz der guten Werbung mit abgefahrenen Plakaten und Flyern wenig Leute als ursprünglich erwartet da waren. Vielleicht lag es am Eintrittspreis - wobei das kaum als Argument gelten kann, denn schließlich gab es Freigetränke zum Eintritt hinzu und auf die Masse der Bands heruntergebrochen, wurde den Fans dieses Festival quasi geschenkt. Fazit: Lieber sieben bis acht Bier auf dem FFF-Festival, als ein scheußliches Mix-Getränk auf einer von 20 stattfindenden R'n'B-Parties. Das kommt teurer und knallt nicht halb so gut

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