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Fotos: Anne-Laure Fontaine-Kuhn © regioactive.de

Eben noch in unseren aktuellen CD-Reviews "aufgelegt" und kurz danach schon auf der Showbühne: The Scarabeusdream machten einen Abstecher nach Heilbronn, um ihre aktuellen Songs live zu präsentieren.

4 von 5 Sternen haben wir das aktuelle Album Sample your Heartbeat to stay alive von Scarabeusdream gewertet. Die beiden Österreicher Bernd Supper und Hannes Moser haben darauf die Kraft ihres Duos perfekt abgebildet und waren nun für 2 Termine in Deutschland unterwegs, um ihre Variante des Post-Hardcore auch live in die Tat umzusetzen. regioactive.de war zu Besuch im Mobilat in Heilbronn, eine Location, die sich für ein Konzert dieser Größenordnung als ideal erwiesen hat und mit dem Support-Act We had a Deal (Punk/Hardcore) einen passenden Rahmen bot. Die Bühne hat exakt die richtige Größe, damit sich die beiden Musiker von Scarabeusdream mit ihrem Piano, zwei Apple-Notebooks und dem Schlagzeug nicht verloren vorkommen müssen, sondern im Gegenteil genug Nähe haben, um sich ganz in ihrer Musik zu entfalten.

Doch kaum losgelegt, unterbricht ein technischer Defekt an dem an das E-Piano angeschlossenen Verstärker das Set der jungen Österreicher. Diese lassen sich jedoch im weiteren Verlauf ihres Konzertes davon nicht weiter stören und bieten beeindruckendes: Von der Komplexität her erinnern sie an die 31Knots (Review, 2007), die freilich in gänzlich anderer, einer "klassischen" Rockbesetzung auftreten. Scarabeusdream hingegen übertragen Kraft, Dynamik, Melodien und Harmonien in der Hauptsache auf besagte 2 Instrumente. Das Schlagzeug wechselt dabei zwischen wuchtigen Ausbrüchen und vertrackten Beats hin und her, während am Piano die ganze Palette der Möglichkeiten aufgezogen wird: Vom einzelnen, gefühlvoll gespielten Ton bis hin zu massiven Clustern ist hier alles dabei. Und so muss man auch das Eintüten dieser Band in ein klar zu bennendes Genre wie "Post-Hardcore", verstanden als Hardcore mit anderen Mitteln, deutlich relativieren: Klassik-, Pop-, Hardcore- und Elektronikeinflüsse geben sich mit Anleihen an Neue Musik die Klinke in die Hand.

Wie lässt sich das nur zusammenhalten, ohne in einem musikalischen Kauderwelsch zu verschwimmen und unterzugehen? Scarabeusdream lösen dieses Dilemma indem sie mit ihrem Gesang den großen Bogen über ihre Gesamt-Arrangements spannen. Beide Österreicher greifen abwechselnd zum Mikro und ziehen dann umso mehr Aufmerksamkeit auf sich. Teilweise beschwörende Wiederholungen auf eingänglichen Melodien verknüpfen Chaos mit Struktur. Die Bühnenpräsenz der Band tut ihr übriges, dass der Zuhörer ob der von ihm erwarteten Aufmerksamkeit und Offenheit nicht damit beginnt, an Flucht zu denken. Drums und Piano stehen sich gegenüber, dazwischen bildet sich die Spannung ab, die zwischen beiden Musikern besteht. Hintendran lassen sie auf einer weißen Leinwand Videos ablaufen. Alles in Bewegung. Mal Highspeed, dann wieder gebremst, nimmt das alle mit auf eine Gedankenreise. Genug Raum für die eigene Phantasie lässt einem die Musik von Scarabeusdream in jedem Falle, auch wenn sie sicher nicht als übliche Filmmusik druchgehen könnte.

Ohne Zugabe und am Ende wohl doch etwas frustriert wegen des kaputten Verstärkers beenden Scarabeusdream ein Hammer-Set an diesem Abend. Es mag zwar wegen des Defektes an der ein oder anderen Stelle das letzte Stück Feinheit gefehlt haben, das sich die Band selbst gewünscht hätte. Für die Zuhörer, von denen vermutlich die meisten an diesem Abend zum ersten mal mit der Gruppe in Berührung kamen, machte dies jedoch dementsprechend keinen Unterschied aus.

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