Doni Schroeder (Trail of Dead)
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Doni Schroeder (Trail of Dead) Foto: Charlotte Luther © Charlotte Luther

Im tiefen Saarland am Sauwasen findet seit geraumer Zeit das Rocco del Schlacko statt. Ein Zweitages-Festival, das seit einigen Jahren das hehre Ziel verfolgt, ein internationales und vielfältiges Line-Up auf die Bühne zu zaubern. Die Headliner sind zumeist angesagte deutsche Bands. 2007 waren die jeweiligen Tagesheadliner keine Geringeren als die Beatsteaks und die Sportfreunde Stiller. Außerdem waren dabei: Turbostaat, Das POP, ...Trail of Dead u.v.m.

Im Vorjahr verriet uns Thilo Ziegler vom Schlacko-Team: "Rocco war eine Idee seit 1999. Ein Openair hat gefehlt, wir sind in diese Bresche gesprungen und die Leute wollten es. Es ist in der Region entstanden und wird von nunmehr 500 freiwilligen Helfern umgesetzt. Nicht zuletzt spiegelt sich diese 'umsonst Menpower' im günstigen Preisgefüge des Festivals. Das Ziel, es ernsthaft und professionell zu betreiben, ist zum Glück wahr geworden." Die Wahl der Headliner soll die Jugend aus den verschiedenen umliegenden Regionen anziehen. Das funktioniert. Dieses Jahr schienen in erster Linie "Emos" den Ruf dieses Musikfan-Fängers vernommen zu haben – zumindest, wenn man das Publikum mal so ganz oberflächlich und äußerlich betrachtete. Aber das lässt in diesem Fall nicht zwingend einen Rückschluss auf’s Line-Up zu. Da bleibt man sich - unabhängig von Mode - treu und mischt aller Arten Rock, Pop und HipHop.

Turbostaat gehen bereits zu sonniger Frühabendstunde auf die Bühne und müssen nach Bands wie Second Monday, Ohrbooten, Eyesight und Blind Alley bereits in große Partyfußstapfen treten. Aber das machen Turbostaat mit links. Schließlich sind sie jung, gesellschaftskritisch und haben in den letzten Jahren massig Konzerte gespielt. Die aktuelle Single Harm Rochel rotiert auf den Musiksendern. Eine gewisse Routine ist ihnen auf der Bühne (leider auch) schon anzumerken, so wird das Publikum ohne großen Aufwand gerockt (ein Begriff der zugegebenermaßen bei Tageslicht oftmals anders zu werten ist). Aber immerhin verlieren in den vorderen Reihen junge Menschen und ihre Mütter gleichsam jegliche Hemmungen und zeigen der erhöhten Tribüne, was ein Tages-Moshpit ist. Mag durchaus auch daran liegen, dass mitten unter ihnen auch Arnim Teutoburg-Weiß springt.

Das POP kann sich eben dieser willenlosen Stimmung bedienen und verdienen diese ungleich mehr als Turbostaat. Denn bei den drei jungen Belgiern ist erheblich mehr Energie und Spielfreude zu verspüren. Ob das Publikum dies auch zur Kenntnis nimmt, in Anbetracht des allgemeinen Festival-Taumels und des neuerdings hohen Bekanntheitsstatus von Turbostaat, bleibt eine offene Frage. Denn gefeiert wird hier ohnehin. Das muss man diesem Festival lassen - eine unwahrscheinlich (aus-)gelassene Stimmung liegt in der Luft. Das POP stellen einige ihrer neuen Songs vor, spielen aber überwiegend die Hits ihrer viel beachteten und von den Kritikern geliebte Platte The Human Thing. Dass in Das POP eine Rock’n’Roll-Seele schlummert, beweist das zentrierte Schlagzeug, welches auch gerne mal als zu erklimmendes Element in die energetische Bühnenshow eingebaut wird.

And You Will Know Us By the Trail of Dead sind gewiss alles andere als Rampensäue vor dem Herrn, aber dennoch ziehen sie das "Rocco del Schlacko"-Publikum sehr schnell in ihren Bann. Ganz klar, denn wenn die vier Herren aus Texas eines können, dann ist es vor allem die Kunst, ihren Instrumenten grandiose Melodien zu entlocken, die sich zu einem fulminanten Ganzen fügen. Verstärkung hat man sich für die Bühne auch geholt und so sind …Trail of Dead trotz ihrer geradezu biederen und intellektuell-statischen Bühnenausstrahlung äußerst wuchtig. Zur Beglückung eines jeden Fans liegt der Schwerpunkt der Songauswahl auf den Worlds apart-Songs aber natürlich auch jene des aktuellen Albums So divided, das sich auf diesem Festival (für "Trail of dead"–Maßstäbe) als partytaugliches Mitsingwerk (Eight Day Hell) entpuppt.

Auch Trail of Dead mischen sich wie selbstverständlich unters Publikum und staunen wohl nicht schlecht, welche Formen des Enthusiasmus bei der nächsten Band zu Tage treten. Nun ja, wer es noch nicht wissen sollte – die Beatsteaks sind das Non Plus Ultra des Festival-Sommers, eine Live-Band, an der man auf den Bühnen des deutschsprachigen Raums nicht vorbeikommt. (Das musste auch ein gewisser Trent Reznor vor kurzem auf dem österreichischen Frequency-Festival feststellen, der sich schwer tat, nach dem Auftritt der Beatsteaks das Publikum zufrieden zu stellen). Diese Band hat sich zu Recht den Headliner-Status dieses (und vieler anderer) Festivals erworben.

Kaum haben die Beatsteaks die Bühne betreten, scheint auch schon das Treiben im Moshpit gefährliche Ausmaße anzunehmen und da hilft wohl auch nicht die vorherige Ansage Armin Teutoburg-Weißs, dass man doch bitte auf sich Acht geben möge. Das Wohlergehen des Publikums liegt den Beatsteaks derart am Herzen, dass sie bereits den ersten und im Folgenden noch öfter ihre Songs unterbrechen, um dafür zu sorgen, dass die "Gefallenen" wieder aufgehoben werden.

Arnim dirigiert das Ganze von der Bühne aus und behält sein Publikum im Blick, da werden bei der zweiten notwendigen Unterbrechung auch sofort die Fotografen aus dem Graben verbannt – denn dort soll man lieber Sanitäter positionieren. Zeitweise gerät das langatmig und Arnim konstatiert: "Wenn es so weiter geht wird das sicher das längste Konzert, das wir je gespielt haben". Aber das Publikum scheint unbelehrbar; zu energiegeladen sind die Songs der Beatsteaks. Leider sind so etliche Titel mit Pause und werden dann ungefähr dort weiter gespielt, wo man sie zuvor stoppte.

Alles in allem tut das der Beatsteaks-Show natürlich keinen Abbruch, nur kommen einem etliche Passagen eben etwas gekürzt vor (Veranstalteraufflagen dürften sicher ein Grund für diese Einsparung sein). Nur wer schon andere Shows gesehen hat, dem dürften ein paar Feinheiten abgehen. Nicht ganz so überschwänglich, ein nicht ganz so ausgelassenes Zusammenspiel der Band, ein nicht ganz so enthusiastischer Arnim und selbst die Breakdance-Einlagen Torstens zum Ska und HipHop-Oldskool-Sound sind nicht so ausdauernd. Die ständigen Unterbrechungen zu Beginn des Konzertes hinterlassen eben doch ein wenig ihre Spuren. Aber Sicherheit geht eben vor und wenn eine derart Stadien rockende Band wie die Beatsteaks den Remplern, Dränglern und Schubsern ein "Los! Aufheben, Leute" entgegensetzen, werden nicht nur die alten ehrenhaften Prinzipien des Moshens wieder belebt, man fühlt sich nicht nur in seiner Stimmung hoch - sondern auch aufgehoben.

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