Bela B (Capitol 2007)
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Bela B (Capitol 2007) Fotos: Jonathan Kloß © regioactive.de

Die Sprechchöre gegen die Rock am Ring-Tribüne und die riesigen Laola-Wellen beim diesjährigen Ärzte-Auftritt am Nürburgring sind noch nicht ganz in Vergessenheit geraten, da macht sich Bela B. erneut auf, um sieben Konzerte in Deutschland zu spielen. Rechtzeitig zur neuen Single "Gitarre runter" verlässt Bela also sein Drumkit und greift wieder in die Saiten.

Der zweite Termin der Mini-Tour führte Bela B. und seine Los Helmstedts, die übrigens immer noch die besten Freunde sind "die man sich für Geld kaufen kann", nach Mannheim ins Capitol. Nach persönlicher Ansage des Grafen selbst liegt es an den selbsternannten Rois de la Discotheque namens Mini Moustache, den Konzertabend einzuläuten. Der Name ist Programm, dazu kommen noch ein Baguette und ein Discohelm mit auf die Bühne. Die Keytar sitzt, ganz nach der Felsenheimer’schen Devise Gitarre runter, auf Kniehöhe und all die höchst sinnfreien Utensilien hätten nun wirklich kaum einen besseren Einstieg bieten können.

Mini Moustache sind so französisch, so Porno, so Disco und so versessen darauf, ihre an Trash kaum zu überbietenden Pop-Pamphlete Chansons zu nennen; Gainsbourg würde mindestens die Faust ballen. Mindestens. Von einem französelnden Eddie Argos-Verschnitt herrlich-dämlich gedroschene Titel wie Dance, Dance, Dance, Mademoiselle oder Petit Bistro passen jedenfalls wunderbar ins Vorprogramm (zur Fotogalerie).

Bevor Bela B. dann selbst das Heft in die Hand nimmt, ertönt unter anderem These Boots Are Made For Walking aus den Lautsprechern und stellt nicht das letzte Gedenken an den am 4. August verstorbenen Lee Hazlewood für den heutigen Abend dar.

Zunächst geht es dann aber in altbekannter Manier mit der B-Vertüre los - Belas vertonter Selbstbeweihräucherung. Mit „Ausgelassenheit, Rock, Poesie und eine Menge Gestank“ ist das Motto und das Versprechen für den heutigen Abend auch gleich gefunden. Gitarre runter und Versuchs doch mal mit mir eröffnen das Set. Den vorläufigen Gipfel der Selbstinszenierung und gleichsam der Stimmung bietet Der Vampir mit dem Colt. Zwei Lieder später folgt Letzter Tag, ein Song der das Potential hat, jegliche Euphorie mit links platt zu machen. Heute ist er – natürlich - Lee Hazlewood gewidmet. Als dann noch mit Was ist nur los…? der zweite Song von Bingo kommt, der sich so gar nicht in den lässig bis total irre wirkenden Bela B.-Kontext einzufügt, kommen doch die ersten Sorgen über den weiteren Verlauf des Abends auf. Nachdem - mittlerweile überfällig - Das erste Lied des Tages erklingt (Bela B.s Duett mit Lee Hazlewood), kommt Hazlewood selbst noch einmal mit T.O.M. (The Old Man) zu Wort.

Aber Bela B. wäre nicht Bela B., und seine Fans nicht eben diese, wenn sie nicht die zuvor allgegenwärtige Wehmut binnen Sekunden zu 1, 2, 3 vergessen und lautstark hinter sich lassen könnten. Genüsslich lässt Bela B. nun alle Dämme brechen. Es folgen The Knacks My Sharona, ein Song vom Soloalbum des Los Helmstedt-Gitarristen Wayne Jackson, Kauft nicht bei Nazis und ein paar obligatorische Spielchen mit dem Publikum und mit Belas Mannheimer Traumfrau.

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Zweimal lässt sich Dirk Felsenheimer aka Bela B. noch zurück auf die Bühne feiern, nimmt es hin, lässt sich von keiner Huldigung aus dem Publikum beirren, bringt noch ein paar eloquente Monologe und Schmachtfetzen à la Peter Maffays Und es war Sommer und setzt dann mit Loverboy den Schlusspunkt. Ein letzter Blick in die Runde, ein letztes Statement und fertig. Der Mann weiß wie's geht. Und eins ist für heute klar geworden. Alle lieben Bela. Bela auch.

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