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Der musikalische Feinkostladen "Grand Hotel van Cleef" aus Hamburg tourt durch die Landen und bringt neben guter Musik auch das Klima aus Hamburg mit. Dabei traf Jürgen Vogels Begeisterung für ein Konzert bei Regen nicht bei jedem auf Zustimmung. Das Wetter trübte das Erlebnis zwar etwas, aber Spaß und Freude blieben durch die Musik der tollen Bands erhalten.

Das Fest van Cleef, die neue Indie-Festival Institution in zweiter Auflage machte in Karlsruhe am alten Schlachthof Station. Das gute Label „Grand Hotel van Cleef“ hatte eine erlesene Auswahl an Bands im Handgepäck. Neben den The Kilians, Maritime, Bernd Begemann und der Hansen Band gaben sich zum Schluss Kante und Kettcar das Mikro in die Hand. Alle sechs Bands gaben unter freiem badischen Himmel ihre zahllosen Hits und Melodien zum Besten.

Die Newcomer The Kilians spielten als Opener. Die schwierige Aufgabe als Anheizer wurde von den fünf Dinslakern souverän gemeistert. Die teilweise an die Strokes erinnernden Lieder gewinnen live an Dynamik und der Wiedererkennungswert der Melodien ist nicht zu unterschätzen. Etwas mehr als eine halbe Stunde lang boten The Kilians modernen Indie-Rock mit einem Hang zum Retro, so dass im Zuschauerraum am Ende viel gespanntes Interesse am bald erscheinenden Debut des Quintetts zurückbleibt. Der Band mangelt es zwar hier und da an musikalischer Abwechslung und Bandbreite, sie wissen aber, wie man ein Publikum zum Auftauen bringt.

Als zweite Band erklommen Maritime die Bühne. Die Amerikaner sind in Deutschland primär durch ihren Hit Someone has to die einem größeren Publikum bekannt. Die Musiker präsentierten viele Songs ihres kommenden Album, welches offenbar etwas rockiger ausfallen wird, nach wie vor jedoch auf „klassischen“ Popmelodien basiert. Aufgrund der etwas geringeren Bekanntheit der Band zog das Publikum bei Maritim nicht so mit, wie es die Band und deren Musik verdient gehabt hätten.

Danach ergriff der Hamburger Liedermacher Bernd Begemann das Mikro, wie gewohnt nur mit seiner Halb-Akustikgitarre um den Hals. Er ist neben seinem Dasein als deutsche Ikone des Singer/Songwriter-Genres auch ein brillanter Entertainer, der noch mit Rudi Carell und Peter Frankenfeld aufgewachsen ist. Bei Bernd Begemann muss der Pop noch Show und das Gegenteil von Alltag sein. Auf Zuruf werden alte und auch aktuelle Stücke gespielt, was zu einem netten Querschnitt seines musikalischen Schaffens führt. Von Judith, mach deinen Abschluss über Ich hab nichts erreicht außer dir bis hin zu Kein Glück im Osten bekommen die Fans alles zu hören, was sie sich wünschen. In Begemanns Bewegungen blitzen während des Singens auch immer alte Rock`n`Roll Größen - wie Elvis oder Chuck Berry - hervor. Er steht dabei so souverän wie eine fünf Mann Band auf der Bühne und legt eine große Menge an Emotionen und Empathie in seine Lieder hinein.

Bei gerade einsetzendem Regen betrat die Hansen Band die Bühne – vielleicht zum letzten Mal. Die Band zeigte ein konzentriertes Set und Jürgen Vogel bewies noch mal sein (nicht zu verachtendes) Talent als Sänger. Seine Begeisterung über den ersten Auftritt der Hansen Band bei Regen traf jedoch beim Publikum nicht auf das gleiche Verständnis. Zum Schluss wurde noch der Tomte Hit Die Schönheit der Chance gecovert.

Bei noch stärker werdendem Regen übernahmen Kante die Regie. Deren verspielte und teilweise sphärische Musik passte erstaunlich gut zum Wetter, denn das unterstrich die Melancholie der Texte. Kante und Regen scheinen eine gute Kombination zu sein. Vor allem spielte die Band Titel von Die Tiere sind unruhig und brachten dessen etwas rockigere Ausrichtung live sehr mitreißend rüber. Das Wetter verhinderte in diesem Fall jedoch, dass größere Begeisterung aufkam: Das Publikum blieb bei der soliden Kante-Show leider etwas verhalten.

Abschließend traten Kettcar auf. Mit ihrer festen Fanbasis, wunderbaren Liedern und zwei neuen Stücken im Gepäck, war der Boden für ein famoses Konzert bereitet. Kaum eine deutsche Band hat eine derartige Bandbreite anzubieten, die von Baladen (wie 48 Stunden und Balu) bis hin zu Indie-Hits (Ausgetrunken und Ich danke der Akademie) reicht. Trotz des weiterhin strömenden Regens waren die Zuschauer bei diesem Auftritt dann nicht mehr zu bremsen; es brachen förmlich die Deiche. Mit zwei neuen Songs gab die Band einen kleinen Einblick in ihr aktuellstes Schaffens. Es darf auf ein tolles Album gehofft werden.

Nach ca. 75 Minuten beschlossen Kettcar das feuchtfröhliche Fest van Cleef in Karlsruhe. Das schlechte und ungemütliche Wetter hat zwar das Erlebnis etwas getrübt - der Spaß und die Freude blieben durch die Musik der tollen Bands jedoch erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass das „Grand Hotel van Cleef“ im nächsten Jahr wieder mit Live-Events von sich reden machen wird.

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