Bloc Party - Southside 07

Bloc Party - Southside 07 © regioactive.de

Das Southside 2007 bot Überraschungen an allen Ecken und Enden: Von Sonnenbrand bis Spaß und natürlich: mal mehr und mal weniger tolle Bands.

Schon vor dem eigentlichen Beginn des diesjährigen Southside Festival war die Großveranstaltung in aller Munde. Der Grund dafür war nicht nur das Aufgebot an hochkarätigen Bands, sondern eine Katastrophe, die sich während des Aufbaus abspielte: Ein Unwetter, wie es in Deutschland nur selten vorkommt, war dafür verantwortlich, dass das Coca-Cola Zelt einstürzte und in Folge dessen ein Mitarbeiter der Johanniter ums Leben kam. Die traurige Nachricht sorgte bereits vor dem offiziellen Start für gemischte Gefühle und gab Anlass, den Wetterbericht mit einer gehörigen Portion Skepsis zu betrachten. Letztendlich werden jedoch Überraschungen an allen Ecken und Enden geboten: Sonnenbrand, Spaß und natürlich: mal mehr und mal weniger tolle Bands.

Bereits bei der Anreise wird der Bedarf an Regenbekleidung sichtbar, denn eine lange Straße aus Schlamm und Pfützen weist allen Rock- und Indiefans den Weg in Richtung Campingplatz und Kasse. Bereits erworbene Karten müssen vor Betreten des Geländes in Bänder umgetauscht werden, was ohne vorheriges Schlammbad nahezu unmöglich ist. Mehrere Zentimeter tief sind die Pfützen vor dem Kassenzelt. Die Forderungen nach Holzplanken oder sonstigen Maßnahmen sind mehr als nachvollziehbar. Ist diese erste Hürde überwunden, geht es direkt weiter damit den Campingplatz zu suchen und einen Überblick über das Gelände zu gewinnen. Der erste Rundum-Blick sorgt für Zuversicht, denn der Veranstaltungsort macht einen sehr geräumigen Eindruck und bietet genug Platz für die mehr als 40.000 Gäste. Von leichten Regenschauern und Windböen begeleitet, wird der erste Tag hauptsächlich für die Einquartierung genutzt.

Am Samstag die erste Überraschung: Blaue Wolken und strahlender Sonnenschein, der allen munter entgegen lacht; da schmeckt das erste Bier doch doppelt gut. Der Blick auf den Zeitplan, um festzustellen, welche Band es denn als erstes sein soll, erfolgt also mit einer gehörigen Portion Schaum vorm Mund. Die Auswahl fällt nicht leicht, doch den Zuschlag bekommen letztendlich Isis, die mit ihrer Mischung aus Stonerrock und Metal ein erstes Highlight setzen.

Noch ganz angetan von dieser Darbietung heißt es danach: Ab zur Hauptbühne, denn Sonic Youth geben sich die Ehre. Schon ab dem ersten Song wird klar: Thurston Moore und Co. wollen die Messlatte sehr hoch anlegen und es den nachfolgenden Bands nicht zu einfach machen. Ein langes Break aus Feedback und Kracheinlagen des FM-Radios wird dazu genutzt, in Zeitlupe über die Bühne zu kriechen und dabei eine Kamerafrau mit dem Gitarrenhals zu jagen. Es folgen die Klassiker von den Alben Goo, SYR und Rather Ripped. Für jeden ist etwas dabei und spätestens bei Reena feiert sogar jeder Bloc Party -Verehrer in einer Reihe mit eingefleischten SY-Fans. Solch großartige Konzerte wecken natürlich die Lust nach mehr, die höchstens noch von einer Band wie Pearl Jam gestillt werden kann.

Nach einer kurzen Ruhephase geht es los, jedoch herrscht auf dem Weg zur Bühne das pure Chaos: Die Durchgänge zwischen Camping-Platz und Veranstaltungsgelände sind viel zu schmal konzipiert und eine riesige Schlange bildet sich vor dem Eingang. Panik macht sich breit und der Schlamm sorgt dafür, dass sich einige auf dem Boden wieder finden. Andere wiederum müssen den mehr oder weniger ungewollten Schlägen von Gleichgesinnten ausweichen. Auch wenn es zu keinen größeren Verletzungen kommt, sollten sich die Organisatoren für das kommende Jahr etwas einfallen lassen, um solche Situationen zu vermeiden.

Wird diese Hürde erstmal überwunden, geht es weiter in Richtung Green-Stage, wo Placebo gerade ihre letzen Songs zum Besten geben und dabei für den ein oder anderen ermüdenden Fuß sorgen. Die Anzahl der Zuhörer ist bereits enorm, doch Pearl Jam übertrumpfen dies noch bei weitem. Mit Klassikern wie Alive gelingt es den Grunge-Heroen um Eddie Vedder, die Hörerschaft bis zur Ekstase zu treiben. Diese Show liefert einen würdigen Abschluss für einen gelungen Samstag auf dem Southside.

Der Sonntag präsentiert sich in noch besserer Form, denn die Sonne treibt das Thermometer weit über die 30°C-Marke und sorgt bereits in den frühren Morgenstunden für verbrannte Nasen. Welche Band könnte so einen Tag besser einleiten als die schottische Post-Rock-Ikone Mogwai? Mit feinster englischer Technik und den gewohnt hervorragenden Arrangements holen die Musiker alles heraus aus der riesigen Lautsprecherfront der Hauptbühne, die bei den vorherigen Bands noch etwas gedämpft wirkte. Mogwai spielen hauptsächlich Stücke von ihrem letzten Album Mr. Beast und - wie üblich - verabschieden sich die Schotten mit einem Krachgewitter, wie es sonst keine andere Band zu Stande bekommt. Ebenfalls auf der Hauptbühne und mit einem riesigen Sortiment an Instrumenten ausgestattet treten nur wenige Minuten später The Arcade Fire aus Kanada auf. Schon vorab wurden sie angekündigt als eine Band, die Herzen berührt. Das Kollektiv eröffnet mit den Hits keep the car running und no cars go. Die Stimmung auf dem Festival erreicht jetzt schnell einen überdeutlichen Höhe- und Siedepunkt. Der Sänger Win Butler und seine Kollegen wirbeln wie wild geworden auf der Bühne herum. So lassen sie die allgemeine Sorge davor, zu dehydrieren, gänzlich in den Hintergrund treten. Zum Besten geben Arcade Fire Songs von Funeral sowie dem aktuellen Album Neon Bible, das von Kritikern erneut hoch gelobt wurde und jetzt schon zu den Highlights des Jahres 2007gehört. Das aller guten Dinge nicht immer Drei sind, beweisen Bloc Party im Anschluss an die kanadischen Überflieger: Überzogene Selbstdarstellung, langatmige Songstrukturen und ein Mangel an Authentizität verhageln den Auftritt der Engländer – Wo bitte ist der nächste Getränkestand?

Nach den vorherigen Konzerten lässt sich ein einzelner Fehltritt dieser Art jedoch verkraften, denn am Abend bekommt man ja noch Die fantastischen Vier und die Beastie Boys serviert. Beide Bands liefern solide Konzerte und vor allem die Beastie Boys überzeugen mit einer echten Live-Performance (Horivitz an der Gitarre, Yauch am Bass und Diamond am Schlagzeug). Support erhalten die New Yorker vom dreifachen DJ-Weltmeister Mixmaster Mike, der mit seinen Vinyl-Attacken für Beachtung sorgt. Zu hören gibt es alle Hits von Alben wie Ill Communication oder Hello Nasty. Wie es sich für die Beastie Boys gehört, beenden sie den Auftritt und somit das ganze Festival mit Sabotage. Jetzt gibt es nichts mehr zu meckern.

Wie war es auf dem Hurricane? Hier lesen.

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