Bright Eyes

Bright Eyes © Universal Music

Spätestens mit der Veröffentlichung der beiden vorletzten Alben "I’m Wide Awake" und "Digital Ash" haben sich Bright Eyes, die Band um den jungen und genialischen Singer-Songwriter Conor Oberst aus Nebraska, hierzulande eine gewisse Popularität gesichert. Um die opulente Produktion des aktuellen Longplayers Cassadaga live umzusetzen, hat sich Oberst mit nicht weniger als zwölf Begleitmusikern verstärkt.

Am Dienstag herrscht fast so etwas wie Urlaubsstimmung am Wiesbadener Schlachthof: Viele, vornehmlich jugendliche Gäste sitzen in der sommerlichen Schwüle im Biergarten und erfrischen sich, bevor sie sich in die stickige Atmosphäre der Konzerthalle begeben, um Bright Eyes zu lauschen. Bright Eyes ist natürlich hauptsächlich Conor Oberst, der junge und genialische Singer-Songwriter aus Omaha im US-Bundesstaat Nebraska.

Spätestens mit der Veröffentlichung seiner vorletzten Alben "I’m Wide Awake" und "Digital Ash" hat Oberst sich hierzulande eine gewisse Popularität gesichert. So ist der Schlachthof an diesem Abend gut gefüllt, wenn auch bei weitem nicht ausverkauft.

Opulente Besetzung

Um die opulente Produktion seines letzten Albums Cassadaga umzusetzen, hat sich Oberst mit nicht weniger als zwölf Begleitmusikern verstärkt. Neben einem Streichquartett stehen nicht weniger als zwei Drummer bzw. Perkussionisten, eine Flötistin, ein Oboist bzw. Saxophonist, ein Keyboarder/Trompeter, ein Gitarrist, ein Bassist und Oberst selbst auf der Bühne, die in wechselnder Besetzung vor allem die Lieder des neuen Albums und einige Highlights seiner früheren Werke spielen.

Wie das Album entwickelt sich "Clairaudients" auch in seiner Livefassung aus einer gesprochenen Ansage heraus, zu der Conor Oberst und seine Band – alle ganz in Weiß gekleidet – die Bühne betreten. Anders als auf dem Album enthält sein Arrangement Streicher und Flöte. So begrüßenswert es oftmals ist, wenn Künstler sich vielfältiger Instrumentierungen bedienen: Das Problem, das den ganzen Abend bestimmen sollte, offenbart sich dadurch bereits im ersten Lied. 

Bescheidener Klang

Ein Konzert, bei dem ein Dutzend Musiker auf der Bühne versammelt sind, verlangt nach einem gutem Klang, der es ermöglicht, die Instrumente einigermaßen klar zu unterscheiden. Davon kann an diesem Abend jedoch leider keine Rede sein: Der Sound ist übersteuert und verschmiert dadurch in einen Klangbrei, die Streicher und der Bass sind kaum zu hören. Bereits nach dem ersten Song schreit einer der Zuschauer: "Höhen runter!". Im Laufe des Konzerts verbessert sich der Sound zwar etwas, aber nicht so weit, um ihn als gut bezeichnen zu können.

Einige Lieder kranken zudem daran, dass sie nicht besonders gut bzw. nicht besonders gelungen arrangiert sind. "Lime Tree" wird so nie zu einem umjubelten Klassiker werden und der "Cleanse Song" ist ebenfalls keine besonders gelungene Komposition. Beide sind sowohl in musikalischer wie in textlicher Hinsicht zu routiniert und kalkuliert. Zudem werden sie von der Band zu unlebendig dargeboten. Das Publikum reagiert daher häufig sehr verhalten. Oft kehrt zwischen den Liedern völlige Stille ein, die Oberst mit seinen relativ unmotivierten Ansagen nicht merklich verbessern kann. Es mag auch an der schwülen Hitze liegen, dass keine bessere Stimmung aufkommt.

Die Highlights

Was bleibt also an Positivem vom Konzert zu berichten? Trotz der Soundprobleme bildete "Clariaudients" einen gelungenen Einstieg, da es nichts von seiner sperrigen Intensität vermissen ließ. Das vom Publikum freudig begrüßte "Four Winds", das Bright Eyes in einer giftigen, aggressiven Version spielen, sorgt – wenigstens kurzzeitig – für wirklich gute Stimmung.

Sehr gelungen ist auch die mit Pedal Steel Gitarre und von Conor Oberst am Klavier instrumentierte Version von "If The Brakeman Turns My Way" oder das in einem gewaltigen, instrumentalen Sturm endende "No One Would Riot For Less" mit seinem apokalyptischen Refrain "Hell Is Coming", das von der gesamten Band gespielt wird.

Kurzes Vergnügen

Als Zugabe folgt eine ordentliche Bandversion von "First Day Of My Life", die aber nicht mit der rauen Emotionalität der Studioversion mithalten kann sowie "At The Bottom Of Everything" in kleiner Besetzung mit Pedal Steel, Keyboards und Gitarre. Das Publikum bejubelt die bekannten Songs ausgelassen und zum ersten Mal kommt auf der Bühne so etwas wie Spielfreude auf. Das liegt auch am zweiten Song der Zugabe, der mit außerordentlicher Verve gespielt wird und vielleicht den Höhepunkt des Abends darstellt. Kurz darauf ist das Konzert nach knapp 90 Minuten vorüber.

Wirkliche Enttäuschung darüber, dass Bright Eyes nicht noch eine zweite Zugabe spielen, vermag beim Publikum nicht aufkommen, denn besser als durchschnittlich waren Bright Eyes an diesem Abend nicht. Vielleicht wäre es ein schönerer Abend geworden, wenn Conor Oberst und Band draußen im Biergarten eine Party veranstaltet und dabei einige Songs gespielt hätten. Sollte man vielleicht für das nächste Konzert ins Auge fassen.

Setlist

Clairaudients (Kill or Be Killed) – Hot Knives – Four Winds – False Advertising (?) – Middleman – If the Brakeman Turns My Way – Cleanse Song – No One Would Riot For Less – Make A Plan To Love Me –- The Calendar Hung Itself – Lime Tree – I Believe In Symmetry – Zugabe: First Day Of My Life - Stray Dog Freedom – At The Bottom Of Everything

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