Tatkräftige Unterstützung beim Zeit verbiegen bekommen die TDK Time Warp Macher dieses Jahr von Duo Mouse on Mars, bestehend aus Jan St. Werner und Andi Toma. Schon seit der Gründung im Jahre 1993 beweisen die Jungs mit ihren Soundentwürfen, dass Experimentierfreudigkeit auch Abseits von Kosmos [tm] Baukästen funktionieren kann. Wir haben uns am Fuß gepackt und die zwei Tüftler zum Interview gebeten.

Dieses Jahr seid ihr das erste Mal nach Mannheim eingeladen worden - Was haltet ihr von der Entwicklung der TDK Time Warp vom reinen Techno-Event zum "Internationalen Festival für Jetztmusik und Medienkunst"?

Mädchenkunst ist eine der höchsten Künste überhaupt. Wir waren bereits einmal in Mannheim, damals war auf einem Jazzfestival 1978, dass nun ein Jetztfestival draus geworden ist, können wir nur begrüßen. Es rückt die Sache ins richtige Licht, macht aber auch keinen großen Unterschied - die Stadt ist klasse, so oder so.

 

Wie sieht dort eure Performance aus? Seid ihr wieder mit Band am Start oder beschränkt ihr euch auf das Duo Mouse on Mars im klassischen Sinne?

 

Es wird das klassische Duo spielen, welches aber im Endeffekt unvorhersehbar lauter ist als das Trio. Man bekommt also mehr Sound für weniger Musiker.

 

Noch bis vor kurzen wart ihr mit Mark E. Smith von The Fall im Studio, um unter den Namen "Von Südenfed" an eurem Album "Tromatic Reflexxions" zu arbeiten. Plant ihr eine Live-Umsetzung dieses Albums?

 

Premiere wird 2. Juni in Italien sein, danach geht's auf diverse Festivals in Europa, später im Sommer in den USA.

 

Bei welcher Gelegenheit habt ihr euch entschlossen zusammen ein Album aufzunehmen?

 

Nach einen Mouse on Mars Gig in London, der sehr laut war.

 

Mit eurem 2006 erschienenen Album "Varcharz" seid ihr bei Mike Pattons Ipecac Label gelandet. Wie kam es dazu? Hattet ihr vorher schon irgendwelche gemeinsamen Berührungspunkte?

 

Er und wir mögen Espresso und Ennio Morricone. Ansonsten ging alles schnell und anonym. Ipecac ist ja in New York und das liegt näher an Europa, als Chicago wo unser anderes Label Thrill Jockey sitzt.

 

Würdet ihr sagen, dass zwischen eurem Interesse für Wortspiele und der Manipulation von Samples eine gewisse Analogie besteht? So etwas wie eine Neuinterpretation von Natürlichkeiten?

 

Ja, gut formuliert.

 

Seht ihr euch in diesem Kontext noch als Musiker oder doch eher als Erfinder?

 

Vielleicht als Übersetzer mit leichten Sprachschwierungen.

 

Die Entdeckung neuer Sounds ist offensichtlich ein großer Antrieb in euren Werken. Gerade bei elektronischer Musik ist die Live-Realisierung jedoch ein Problem, weil man Gefahr läuft, nur noch die genutzte Technik zu reflektieren und relativ wenig Einfluss zu nehmen. Intuitive Interfaces sind immer noch recht rar, wie geht ihr damit um?

 

Man muss sich Geräte aussuchen, die man live spielen kann und die einen schnellen, direkten Umgang in Echtzeit ermöglichen. Wenn man nichts passendes findet, muss man sich was anfertigen lassen. Mit Software kann man durchaus auch extrem auf der Bühne arbeiten. Eine Gitarre ist ja auch nur ein Interface mit eingebautem Klangerzeuger. Analog klingt zwar meistens fetter, aber zum Samplen und Zerhacken kommt man um digitale Hilfsmittel nicht herum. Wir benutzen beides auf der Bühne.

 

Wo würdet ihr sagen, liegt der Hauptunterschied zwischen eurer Arbeit im Studio und dem Auftreten auf der Bühne? Gibt es irgendwie eine Art Rollenverteilung zwischen euch?

 

Die Live-Energie ist unreflektierter, während man im Studio die peinlichen Stellen rausschneiden kann. Außerdem gibt es Live mehr Krach und weniger Melodie, man operiert mit gröberen Einheiten. Die Rollen sind dabei fair verteilt, wenn am Ende eine übrig bleibt, wird sie später weiterverarbeitet.

 

Wie sieht die unmittelbare Zukunft von Mouse on Mars aus? Gibt es schon andere Projekte, die ihr im Auge habt?

 

Ein geheimes Krachprojekt auf Sonig, eine Kollaboration mit Laetitia Sadier von Stereolab und das zweite Von Südenfed Album.

 

Gibt es irgendwelche Acts auf der TDK Time Warp die ihr euch selbst ansehen wollt?

 

Das Cateringzelt und die Bordbar.

Danke für dieses Interview!

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