Juli (Maimarktclub 2007)
Photos: Jonathan Kloß Fotostrecke starten

Juli (Maimarktclub 2007) Photos: Jonathan Kloß © regioactive.de

Was kann man an einem winterlichen Sonntagabend im Januar besseres machen, als sich eine waschechte Sommerband anzuschauen? Eine solche Band ist Juli und da die Freibäder noch geschlossen sind, ziehen die Fans in die Konzerthallen und zelebrieren die Illusion von Cocktails am Strand eben dort.

Doch bevor es mit dem Sommer mitten im Winter dann endlich losgehen kann, geben sich noch die Exil-Freiburger aus Berlin Tele die Ehre. Die Band - mit sechs Mann gut bestückt - webt einen interessanten Klangteppich aus Popsongs mit eingängigen Gitarren- und Keyboardriffs. Die Texte von Sänger und Songwriter Francesco sind leider nicht wirklich gut zu verstehen, da Stimme und Intonation zu einem Teil an Selig und zu zwei Teilen an Eißfeldt erinnern. Was dann aber schließlich beim Publikum ankommt, ist hohe Lyrik und Wortspielerei. Wer Tele live schon gut fand, kann sich übrigens beim diesjährigen Bundesvision-Songcontest von Stefan Raab auch von deren Halbplaybackkünsten überzeugen, da sie mit ihrem Song Mario für das Bundesland Baden-Württemberg antreten werden. Nach einer guten halben Stunde ist ein kurzes Set durchgespielt, das Publikum wird erfolgreich zum Mitsingen des Refrains von Mario animiert und es wird Zeit für Juli.

Die Bühnendeko ist ganz in weiß gehalten und besticht durch eine glatte Musikvideooptik. Sechs überdimensionale Wohnzimmerleuchten bieten darüber hinaus weitere Projektionsfläche für Lichteffekte und passende Einspielungen von Videosequenzen. Sängerin Eva Briegel und ihre Jungs, ganz in schwarz gekleidet, bilden dazu einen hübschen Kontrast.

Juli eröffnen mit Dieses Leben, dem Opener des aktuellen Albums Ein neuer Tag. Was sofort auffällt ist die Ähnlichkeit zwischen Aufnahme und Liveperformance. Ob man das gut oder schlecht findet, muss jeder selbst wissen, das Publikum jedenfalls ist begeistert, denn zumindest ab dem zweiten oder dritten Song ist die Menge voll dabei. Obwohl Juli eine Band ist, die durchaus bei The Dome auftreten könnte (und dass auch schon getan hat), hält sich der Kreischfaktor an diesem Abend erstaunlicherweise in Grenzen und bei einem Blick in die Runde fällt auf, dass weniger die kleinen Mädchen sondern die Mitzwanziger und die älteren Semester dominieren. Ganz platt gesagt: Juli ist eine Band für die ganze Familie und genauso wirkt auch ihre Show. Bis auf die Zugabe liegt der Schwerpunkt eben eher im visuellen als im akustischen Bereich.

{image}Die Akzente bei ihrem Auftritt setzen Juli nicht mit ausgefeilten Gitarrensoli - die auf Platte so nicht zu hören sind - sondern durch eine Bühnenpräsenz, welche die gängigen Rockstarklischees bedient ohne sich selbst zu verraten. Beispielsweise gibt es wohl kaum noch Gitarristen, die sich jedes Mal höflich beim Roadie bedanken, wenn sie eine neue Gitarre angetragen bekommen. Bei Juli scheint das selbstverständlich.

Dass die fünf Spaß auf der Bühne haben, ist ihnen anzusehen und dass sie dem Schülerbandalter noch nicht allzu lange entwachsen sind, merkt man deutlich an ihrem ausgeprägten Spieltrieb, egal ob untereinander oder mit dem Publikum. Da fliegen schon mal ein paar riesige Luftballons durch die Halle oder es geht ein Konfettiregen mit Knalleffekt auf das Publikum nieder. Auch eine wahnsinnig ausgefeilte und durchdachte Choreografie (zwei Schritte nach links, dann zwei Schritte nach rechts) wird der lernwilligen Menge vor der Bühne beigebracht und ausgiebig vorgetanzt.

Nach etwa eineinhalb Stunden sind alle Hits von Geile Zeit bis November gespielt und Juli verabschiedet sich und verspricht wiederzukommen. Alle Hits? Nein, ein unbeugsamer Song namens Die perfekte Welle leistet erbitterten Widerstand gegen die flehenden Rufe aus dem Publikum und es dauert noch bis zum Ende der obligatorischen ersten Zugabe bis die Welle dann endlich tosend über den Zuschauern bricht (auf dieses Wortspiel freue ich mich schon seit dem Ende des Konzerts!).

{image}Es gibt wohl sehr wenige Konzertbesucher, die den Maimarktclub am Sonntag enttäuscht verlassen haben. Juli stehen eben nicht dafür, den Rock’n’Roll neu erfunden zu haben, sondern für poppigen Rock, der direkt in die Beine geht und zum Bewegen animiert. Alles in allem zeigen Juli eine professionelle Show und schaffen es tatsächlich den Sommer für kurze Zeit ins nasskalte Mannheim zu holen und auf dem Weg zum Auto ertappe ich mich bei dem Gedanken, dass ich mich darauf freue, wenn es endlich wieder heißt: es ist Juli ... nicht nur beim Wetterbericht.

Alles zum Thema:

juli

Das könnte Sie auch interessieren