Hat einer von euch jemals bei Songs mit dem Fuß mitgetippelt, die irgendwie zickig klingen? Bestimmt nicht. Deshalb wird es Zeit, sich genau jetzt mit dem neuen Album von Virginia Jetzt! zu beschäftigen. Land unter heißt dieses zickige, aber dennoch sehr sympathische, dritte Album der vier Wahlberliner.

Die Texte sind reifer geworden, auch wenn diese oftmals verwendete Bezeichnung nicht sehr gelungen ist. Lebenskundiger trifft es wohl besser. Es geht nicht mehr um das Gefühl frisch verliebt zu sein und rosa Wolken. Die Jungs reflektieren sich und das Leben nicht ohne die nötige Portion Selbstironie. Aber auch Herzschmerz und Melancholie werden nicht außer Acht gelassen. Zum Glück – denn nicht alles im Leben läuft gut und ist fluffig leicht wie rosa Zuckerwatte. Dennoch spenden die Songs irgendwie Hoffnung.

Doch beginnen wir mit dem Opener des Albums Weit weg: Streicher und Piano machen diesen Song zu einem echten Mitwipper. Das etwas abrupte Ende geht fast nahtlos in den nächsten Song über – auch Singen und Singen lässt den Zuhörer einfach weiter grooven. Die akzentuierte Spielweise von Songschreiber Thomas am Piano ist hierfür verantwortlich. Auch die Single Mehr als das fügt sich in diese Reihe ein. Bei Virginia Jetzt! wird nicht mehr geschunkelt. Es handelt sich vielmehr um einen neuen Stil mit beibehaltenen, für die Band charakteristischen Elementen.

Kann man zur Singleauskopplung des letzten Jahres Bitte bleib nicht, wenn du gehst noch mehr sagen, außer dass jeder, der einmal geliebt hat, sich in diesem Stück wieder findet. Gleiches gilt für Die Teile deines Lebens. Vor dem inneren Auge sieht man sich nach einer Trennung durch die Straßen laufen und die vergangene Beziehung reflektieren. Es geht um das Loslassen, den Schmerz und die Sehnsucht. Doch ebenso wie der Song mit jedem Takt selbstbewusster wird, verhält es sich auch mit Ninos Gesang. Das Selbstbewusstsein und eine Art optimistische Wut stehen nun im Vordergrund. Früher wären es wohl das Leid und der Schmerz gewesen.

{image}Bei Von einer besseren Welt erweisen sich VJ! als geschickte Beobachter. Auch dieser Song klingt eindeutig nach Virginia Jetzt!, doch der Text entspricht nicht dem, was man bisher von ihnen kannte. Weiches "Tralala" und Textzeilen, die "alles ist so schön" zum Ausdruck bringen, fehlen; die Welt ist nun mal so, wie sie ist. Und: Alle müssen mit! Ob sie wollen oder nicht.

Das Titelstück Land unter beginnt unglaublich schön, wirklich romantisch: eine Gitarre, zarte Streicher und die sanfte Stimme von Nino. Ein Liebeslied, das weit mehr aussagt als nur „Ich liebe Dich“, denn es handelt von dem Ende einer Beziehung. Auch der nächste Song Ich kann nicht wie die anderen ist Zeugnis dieser Veränderung. Lebenskrise und die Suche nach sich selbst: das sind die Themen, die Virginia Jetzt! mittlerweile beschäftigen. Mehr Reife ist zu hören, jetzt wo die Musiker an der Grenze zum dreißigsten Lebensjahr stehen.

Für einen fabelhaften Ausklang sorgt der Song Mein Herz ist keine Wohnung. Er klingt so live, so nah, sehr nach Festival.

Und wer hätte gedacht, dass Virginia Jetzt! wiederholt politische Statements verkünden würden, nachdem die Textzeile "Das ist mein Land, meine Menschen" aus dem Song Liebeslieder allzu oft fehlinterpretierend und in die politisch rechte Ecke gestellt wurde? Diesmal propagieren die Vier freie Meinung für alle, reden über ihr Leben als Zonenkinder während und nach der Wende und fordern auf: Berlin ist vereint, jetzt will ich sehen, dass deine Mauern fallen. Diese Attitüde steht den Berlinern verdammt gut. Weitermachen!

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