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Das Heidelberger Newcomerfestival hält auch in der dritten Vorrunde Kurs: Bands, die sich der großzügigen Bühne und der feisten Lightshow der Halle02 würdig und gewachsen zeigen und ein sehr zufrieden stellender Publikumszuspruch. Sieger der dritten Runde und damit im Finale sind The Curls.

{image}Das Heidelberger Newcomerfestival hält auch in der dritten Vorrunde Kurs: Bands, die sich der großzügigen Bühne und der feisten Lightshow der Halle02 würdig und gewachsen zeigen und ein sehr zufrieden stellender Publikumszuspruch. Sieger der dritten Runde und damit im Finale sind The Curls.

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Allesamt Umstände, die eben so erfreulich wie bei Newcomerfestivals nicht unbedingt selbstverständlich sind. Zumal hier keine Band genötigt wird, ihren Fans Tickets zu verkaufen und die Preise handfest sind. Noch mal, zur Orientierung und als Einordnung:

Seinen eigentlichen Ursprung hat das Heidelberger Newcomerfestival der Halle02 in Weinheim. Die Mannschaft von Tocopilla Events, die seit Jahren erfolgreich ein Newcomerfestival im Cafe Central veranstaltet, hat hier ihr Herz an Heidelberg verloren. Der Modus ist folgender: Vier Vorrundenkonzerte erleben je einen Sieger, der hälftig von Publikum und einer Jury ermittelt wird. Diese glorreichen Vier (meanwhile fünf - man ist ja nicht auf dem Amt ...) sieht man im Finale wieder, aus dem ein Sieger mit gewonnenem Studioaufenthalt hervorgeht. Parallel dazu lobt das traditionell in Zurückhaltung ungeübte Internetportal regioactive.de einen Publikumspreis per Online Voting aus. {image}

Die erste Band des Abends sind The other Side of Life, eine recht junge Formation aus Heddesheim, die eine ordentliche Fanbase mitgebracht hat – konsequent von Beginn an eine dichte Menschentraube direkt vor der Bühne. TOSOL haben sich Indie Richtung Britpop verschrieben und wärmen den Abend damit gemütlich an.

{image}Der Stab wird an Atticus Finch übergeben und damit ist es mit Gemütlichkeit vorbei: Auf und vor der Bühne kommt Leben in die halle, der Alternative Rock der vier Rauenberger ist hart ohne Melodie zu vergessen, von einer Band performed, der man ihr Genre ansieht. Sänger Martin Gött steht praktisch keine Sekunde still, während Gitarrist Achim Uhrig sich gelungen in „creative posing“ übt. Atticus Finch wirken ebenso professionell wie leidenschaftlich und engagiert. Der Band ist anzumerken, dass sie ihren Spaß unabhängig von jeglichem Wettbewerbsausgang hat.

Optisch weniger klar zuzuordnen, ziemlich jung, aber dafür immens selbstbewusst kommt die nächste Combo daher: „Wir sind die Fucking Curls!“ röhrt Sänger / Gitarrist David ins Mikro. Dass er erst 16 ist, würde niemand vermuten. Auch nicht in Bezug auf die Musik der Curls: Rock’n’Roll, dreckig, cool, mit Blues in der Hinterhand, frisch aus der Garage. So frech, reduziert und zeitlos kommen in Deutschland wenige Bands daher, diese Attitüde ist in jüngster Zeit eher Domäne der Skandinavier. Die Neustädter fachen jedenfalls tumultartige Zustände an. Knäule zuckender (Mädchen)Leiber liegen halb vor, halb auf der Bühne, dass es eine Freude ist. On Stage konzentriert sich alles auf David, der ein wenig an einen jungen Jon Spencer ohne Lederhosen erinnert. {image}

Im Anschluss an diesen Sturmwind haben es Jayahdeva sicher nicht leicht, aber es gelingt dem Quartett hervorragend, den Abend in andere Fahrwasser zu lenken. Die Basis ihres Sounds lässt sich am ehesten als tanzbarer Britpop beschreiben, von da aus geht es aber mittels Orgel und Keyboards und vor allem per vielseitigem Sechssaiter Richtung Psychedelic älterer und neuerer Bauart. Das Publikum hat sich zwar vergleichsweise ausgedünnt, aber der noch aufmerksame Teil ist zurecht angetan.

Den Abschluss machen Deepwater aus Heidelberg. Ein unglücklicher Auftritt für die Rocker mit heavy-Einschlag: Dass die letzte Position an einem solchen Abend nicht die beste ist, hätten sie sicher noch wett gemacht. Schwerer wiegt da, dass sich Gitarrist Friedrich bei einem Sprung den Fuß verletzt. Den weiteren Auftritt absolviert er sitzend – dafür Hut ab, denn wie nun auf der Website zu erfahren ist, hat sich die „Verletzung“ als komplizierter Knochenbruch herausgestellt. Der Mann scheint schmerzfrei! Bleibt zu konstatieren, dass sich auch der Rest der Band nicht von diesem Unglück aus der Fassung bringen ließ, und das beste gegeben wurde, um diesen „Show“-Ausfall zu ersetzen. Ausfallen werden nun leider auch alle Konzertvorhaben für die nächsten Monate. Wir wünschen gute Besserung.{image}

Der Sieger des Abends sind verdientermaßen The Curls, Publikum und Jury waren sich diesmal diskussionslos einig. Gut so, denn bei der zweiten Runde hatte es ein absolutes Patt zwischen Oido und Shy Guy at the Show gegeben – was durch die Finalteilnahe beider Bands optimal gelöst wurde. Am 9. Februar ist die letzte Vorentscheidung vor dem Finale im April.

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