Mannheims Lieblingssohn und Deutschlands derzeit erfolgreichster Musiker in Personalunoin vor ausverkaufter Arena, im Gepäck zahlreiche bekannte Gesichter aus der Region: u.a. Jonesmann, Danny Fresh und Pal One waren mit von der Partie.

Pünktlich zur prime time betritt der kurpfälzische Mundart-Comedian und bekennende Lokalpatri(di)ot Chako alias Christian Habekost die Bühne der restlos ausverkauften SAP Arena, um das heimische Mannheimer Publikum mit Gags im platten Dialekt einleitend zu erheitern.

Nachdem sich anschließend die zahlreichen Musiker nach semispektakulärem Entree über die Hebebühne positioniert haben und DJ Billy Davis an den Plattentellern ready ist, startet mit den beiden Rappern Jonesmann und Danny Fresh die Show. Nenn mich Jones vom Album „S.J.“, einer gepflegten Mixture aus gesungenen R’n’B Vocals mit geflowten Reimen, bildet den Auftakt und ebnet den Weg für das musikalisch doch sehr vielseitige Konzert.

Begleitet von frenetisch kreischendem Publikum, das sich weitestgehend aus Frauen sämtlichen Alters zusammensetzt, betritt schließlich Mannheims ureigener Lieblingssohn selbst das Geschehen, um im relativ legeren Dress seinen ersten Titel Bist Du Aufgewacht zu präsentieren. Mit seiner sanft-souligen Stimme, die live genauso unverfälscht wie von Platte klingt, gelingt es Xavier Naidoo auch sofort ein atmosphärisches Klima in der Arena zu erzeugen.

Wer sich jetzt allerdings für den Rest des Abends von der wohlklingenden Monotonie des Soulgrooves eingenommen zu glauben fühlt, hat weit gefehlt. Das eng an die HipHop Kultur angelehnte Programm, das neben den zahlreichen gerappten Gastauftritten und den Scratcheinlagen von Billy Davis auch die Human Musicbox Scratch von The Roots bei jeder sich bietenden Gelegenheit integriert, könnte abwechslungsreicher kaum gestaltet sein.

So bekommt auch Rapper Pal One aus Mannheim die Zeit einen seiner eigenen Tracks (Regenwasser) zu performen, ehe Xavier selbst wieder zum Mikrofon greift. Neben den meisten Songs vom neuen Album „Telegramm für X“, wie Bist Du Am Leben Interessiert, Seelenheil, Zeilen Aus Gold oder Was Wir Alleine Nicht Schaffen verzichtet er an diesem Abend auch nicht auf seine älteren Hits.

Der nächste Höhepunkt erfolgt dann, als die bezaubernde Bintia für das Duett Tage Und Stunden on Stage erscheint, um mit Xavier Naidoo in harmonischem Soul-Einklang zu verschmelzen. Ebenfalls von der Formation Fourtress anwesend ist der Urvater des deutschen Battlerap Tone. Dessen wortgewandte Reimakrobatik kompensiert dann auch versöhnlich die etwas flachen Freestyleeinlagen von Danny Fresh. Auf besondere Effekte wird in der Show zum großen Teil verzichtet.

Das fehlende Bühnenbild wird nur ab und an durch Videoprojektionen zu einzelnen Titeln wie Wo Komm Ich Her oder zum Love Song Oh My Lady ersetzt. 20000 Meilen und Himmel Über Deutschland sind weitere Stücke aus dem Naidoo’schen Hitrepertoire an diesem Abend. Zwischenzeitlich hatte auch Chako noch einmal einen mehr oder weniger humoristischen Einsatz, bei dem er versucht als Reverend verkleidet auf die politischen Missstände aufmerksam zu machen. Hauptziel der politisch-sozialkritischen Jeckenattacke sind nicht zum ersten Mal Osama Bin Laden und George W. Bush, deren Verhalten dann auch mit dem Song Ernten Was Man Sät in Kontext gestellt wird.

Damit beginnt nun auch die rockigere Phase des Konzerts, bei der sich vor allem der Gitarrenvirtuose Alex Auer mit seinen Soli in den Vordergrund spielt. Der von RZA produzierte Nummer-1-Hit Ich Kenne Nichts stellt ein weiteres Highlight für das begeisterte Publikum dar. Neben einer exklusiven Live-Akustik Darbietung werden dann auch Reggae Einflüsse nicht gescheut. Nach Zwei von den 11.000 vehement geforderten Zugaben folgt wie gewohnt als letztes Lied Abschied Nehmen, das dem verstorbenen Techno-DJ Marc Spoon aus Frankfurt alias Markus Löffel gewidmet ist.

Nach fast Drei Stunden facettenreichster Bühnen-Action bleibt festzuhalten, dass Xavier Naidoo zusammen mit seinen vielen Gastkünstlern alles nur Erdenkliche gegeben hat, um die Massen zu begeistern. Er wirkte an keiner Stelle arrogant und machte einen ausgeglichenen und sympathischen Eindruck. Leicht verwunderlich vielleicht noch, dass der Söhne Mannheims-Titel Meine Stadt nicht noch am Ende in vollem Umfang zum Besten gegeben wurde. Dennoch hat sich an diesem Abend in der Quadratestadt der Kreis geschlossen.        

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