Turbonegro (live beim Rock de la Roca 2012)

Turbonegro (live beim Rock de la Roca 2012) © Rebecca Lück

Die Freilichtbühne Loreley in St. Goarshausen bietet allen möglichen kulturellen Veranstaltungen eine einmalige Kulisse, so auch am vergangenen Wochenende dem Eintagesfestival Rock de la Roca. Sechs Bands traten in der als Amphitheater gestalteten Location auf, und so abwechslungsreich wie das Line-Up war, zeigte sich das Wetter dementsprechend wechselhaft. Heftiger Regen und Sonnenschein lösten sich den Tag über ab: Das war das Rock de la Roca 2012.

Früher soll laut der Legende eine junge Frau mit langen blonden Haaren hoch oben auf dem Loreleyfelsen im rheinland-pfälzischen St. Goarshausen gesessen haben und die Seemänner mit ihrem Gesang so sehr abgelenkt haben, dass sie an dieser gefährlichen, engen Stelle des Rheins Schiffbruch erlitten. Auf diesem Felsen steht die Freilichtbühne Loreley, die wie ein Amphitheater angelegt ist. Die Bühne steht auf einer Art Steinpodest, auf der bereits viele bekannte Bands (u.a.  R.E.M. und Metallica) gespielt haben. Auch beim eintägigen Festival Rock de la Roca führten wohlbekannte Namen das Line-Up an. Los geht es mit And Also The Trees. Die vier Engländer spielen sehr ruhige und melancholische Musik, die etwas an Madrugada erinnert. Der Tag fing also eher sachte an.

Ruhig und sachte hätte man auch von Triggerfinger erwartet, zumindest, wenn man vor allem I Follow Rivers, das genial umgesetzte Lykke Li-Cover, kennt. Und damit zur ersten Überraschung des Tages: Die drei Belgier können auch sehr gut Rock, der in manchen Momenten an AC/DC erinnert. Dem Publikum gefällt es, unter anderem auch Noel, Landsmann von Triggerfinger. Er ist mit fünf weiteren Leuten auf der Loreley und zum insgesamt fünften Mal da und findet, dass die Freilichtbühne einfach ein toller Ort ist. Laut ihm wird das Festival jedes Jahr größer.

Vor der Bühne sammeln sich die Leute in Turbojugend-Jacken. Und wo die Turbojugend ist, kann Turbonegro auch nicht weit sein. Seit Mitte 2011 ist Tony Sylvester der Frontmann der Band; der Londoner klingt wie eine Mischung aus Hank und Lemmy Kilmister. Die Band liefert eine Show ab, wie man sie von Turbonegro gewohnt ist. Auszug aus der Setlist: The Age of Pamparius, Fuck the World, Denim Demons und I Got Erection und The Dude Without a  Face vom neuen Album Sexual Harrassment.

Der nächste Act macht es den Fotografen nicht einfach, denn die Bühne wird ordentlich eingenebelt. Albert is a Headbanger ist der erste Song von Phillip Boa und seinem Voodooclub. Mit Liedern wie This is Michael, Get Terminated, Soul On Ice, Ernest Statue und Kill Your Ideals ist die Setlist eine gelungene Mischung aus nachdenklichen Liedern und solchen zum abgehen. Einen Vorgeschmack auf das neue Album Loyalty gibt es auch: Zum ersten Mal wird die gleichnamige Single live gespielt. Die klingt genauso gut wie die Boa-Klassiker und steht selbigen auch in nichts nach. Leider erfüllt die sechsköpfige Band um den Dortmunder Phillip Boa (bürgerlicher Name: Ernst Ulrich Figgen) den Zugabewunsch des Publikums nicht. Der Versuch eines Fans, Phillip Boa nach dem Auftritt über die Bühne in den Backstage-Bereich zu folgen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Natürlich wird er von den Ordnern aufgehalten.

Von Rock mit Avantgarde-Elementen zu einer Gruppe, die sämtliche Stile in ihre Musik einarbeitet: Gogol Bordello. Zu Punk und der traditionellen Musik der Roma gesellen sich Hardrock, etwas Samba und durch das Akkordeon auch ein ganz klein wenig Tango. Was dabei herauskommt ist ein musikalischer Cocktail, der einfach nur Spaß macht. Es ist unglaublich, welche Energie die siebenköpfige Truppe auf der Bühne freilässt. Die springt auch auf das Publikum über. Zum Dank für die irre, geniale Show gibt es den lautesten Applaus des Tages.

Der Geiger von Gogol Bordello kommt wenig später erneut auf die Bühne zurück, um New Model Army beim ersten Song zu unterstützen, was mit dem dafür verdienten Applaus honoriert wird. 51st State of America ist einer der wenigen Songs, bei denen die "Wiederholungstäter" (die Briten spielten vor 25 Jahren das erste Mal auf der Loreley) laute Töne anstimmen. Ein großer Teil der Setlist war von langsamen Songs mit Akustikgitarren und längeren Instrumentalteilen geprägt. Wobei es unerheblich ist, ob New Model Army härtere oder ruhige Songs spielen, etwas Schwermut ist immer mit dabei.

Um kurz nach Mitternacht endet das Set von New Model Army und damit auch das Festival. "Guter Tag, tolle Bands", zog NMA-Frontmann Justin Sullivan sein Fazit auf der Bühne. Recht hat er. Bei 3,50 Euro für eine 0,4 Cola, 51,50 Euro für das Ticket sowie kostenlosen und ausreichend vorhandenen Parkplätzen gibt es nichts zu meckern, sondern eher eine positive Überraschung.

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