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The Döftels: schrill © Daniel Nagel

Drei Tage traumhaftes Wetter, hochkarätige Künstler und ein glänzend aufgelegtes Publikum: Jazz & Joy bot auch 2012 ein abwechslungsreiches Programm, beste Stimmung und ein stilvolles Ambiente auf den fünf Spielorten rund um den Wormser Dom. Die verschiedenen Terminwechsel in den letzten Jahren haben der Bereitschaft der Musikfans aus Stadt und Umgebung keinen Abbruch getan, weshalb sich Veranstalter, Musiker und Publikum erneut über ein gelungenes Festival freuen durften.

{image}Wenn 20.000 Besucher ein dreitägiges Festival in einer Stadt besuchen, die nicht für ihre Musikszene berühmt ist, dann ist klar, dass es nicht nur um Musik geht. Aber es dreht sich doch erstaunlich viel um Musik bei Jazz & Joy 2012 in Worms, während die Unterhaltung gleichzeitig nicht zu kurz kommt. Dafür sorgen gleich zu Beginn des Programms am Samstag die Lokalmatadoren The Döftels, die sich vor ungewohntem Publikum eifrig mühen, die Zuschauer in ihre schrille Show einzubinden. Tatsächlich gelingt es ihnen, auch ältere Semester zum Mittanzen und zur Polonaise zu animieren.

Ein gänzlich anderes Konzept verfolgen Oakfield, die wie so viele Bands aus der Mannheimer Popakademie hervorgegangen sind. Ihnen ist gemeinsam, dass sie alle ein musikalisch gutes Niveau und ein erkennbares Konzept besitzen, das kompetent und engagiert umgesetzt wird. Im Fall von Oakfield besteht das Problem allerdings darin, dass jeder Ton, den sie spielen, an Coldplay erinnert. Man findet in ihrer Musik wenig eigenes, vor allem aber keinen memorablen Songs, die sie von ihren großen Vorbildern abheben könnten.

Über die verfügt die ebenfalls aus Studenten der Popakademie hervorgegangene Band Abby hingegen reichhaltig und so beginnt sie gleich mit Wings & Feathers, einem ihrer besten Songs, der alles das bietet, was die Band auszeichnet: starke Melodien, hervorragende (englische) Texte und exzellenter Gesang verpackt in einem geradlinigen und doch abwechlungsreichen Popsong. Abby sind eine Band, die man definitiv im Auge behalten sollte.

{image}Auf dem Weckerlingplatz unterhalten derweil The Nannys das zahlreich erschienene Publikum mit Klassikern der 1950er Jahre von Frank Sinatra bis Little Richard. Wer dermaßen in Nostalgie schwelgen will, der hat vermutlich Freude am lebendigen Auftritt der Nannys. Ich allerdings bevorzuge den feinen Ensemblejazz der Mannheimer Saxophonistin Alexandra Lehmler und die schwer kategorisierbare Avantgarde-Musik von Rusconi, einem Schweizer Ensemble um den namensgebenden Pianisten Stefan Rusconi, das mit seiner Vielseitigkeit und Originalität sogar diejenigen überzeugt, die ansonsten gar nichts mit freieren Formen des Jazz anfangen können.

Den erwähnten Wermutstropfen bildeten die Konzerte im Timeslot um 22:00 Uhr. Zunächst entpuppt sich der Auftritt von Schlagzeuglegende Al Foster als enttäuschend lahm und altbacken. Größeres Unheil wiederfährt der Berliner Sängerin Céline Rudolph, die mit ihren melancholischen Liedern auf dem Weckerlinsplatz, eigentlich dem Ort für Unterhaltungsmusik, komplett deplatziert ist. So muss sie erleben, wie sich der Platz unter dem dürftigen Applaus der Zuschauer langsam leert. Unglaublicherweise ist daher der Auftritt von Paul Carrack das Beste um diese Zeit, obwohl das Erlebnis, tausende Zuschauer In The Living Years grölen zu hören, keineswegs ungetrübte Freude auslöst.

{image}Am Sonntag Nachmittag mühen sich jona:S ab, das etwas verschlafene Publikum aus seiner Lethargie zu reißen, aber mit ihrer Mischung aus Pop, Rock und HipHop will das nicht so recht gelingen. Besser zur verträumten Stimmung passt der sehnsuchtsvolle Soul-Pop-Jazz von Stephanie Neigel. Marie & the redCat bieten derweil ein weiteres Mal exzellent umgesetzten Indie-Pop aus der Popakademie-Schule. Das Kontrastprogramm dazu liefert die Timo Gross Band, die mit ihrem krachend lauten Blues-Rock die Herzen der Rockfans gewinnt.

Der interessanteste Auftritt am Sonntagnachmittag findet jedoch im Andreasstift statt, wo der Berater der Künstlerischen Leitung des Festivals, Thomas Siffling es nicht nehmen lässt, selbst mit dem Gitarristen Claus Boesser-Ferrari auf die Bühne zu steigen und avantgardistische, aber gleichzeitig sehr einnehmende Versionen von sehr vielfältigem Material darzubieten: Das von Sting geschriebene Walking On The Moon hat genauso seinen Platz im Repertoire wie ein jüdisches Lied aus dem Warschauer Ghetto und Kompositionen aus den Winnetou-Filmen.

Der Abend bietet dann noch Highlights ganz unterschiedlicher Couleur. Bosse begeistert das Publikum mit einem abwechslungsreichen, charmanten Auftritt, während Paul Kuhn seinem fast biblischen Alter zum Trotz die jubelnden Zuschauer mit Charme und Witz unterhält. Die Auftritte am Sonntag Abend sorgten damit für den krönenden Abschluss eines vollauf gelungenen Festivals.

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